Visionen eines Bozner Kaufmanns
Ein besonderer Klangkörper: die Musikkapelle Zwölfmalgreien

Die Musikkapelle Zwölfmalgreien zeichnen zwei Dinge aus: ihre besondere Entstehungsgeschichte und der Zusammenhalt, der sich durch Verein und Geschichte zieht. Anders als bei vielen Vereinen in Südtirol wurde ihre Tätigkeit in ihrer 106-jährigen Geschichte nie unterbrochen.
Die Musikkapelle Zwölfmalgreien wurde 1920 gegründet. Dies ist insofern bemerkenswert, da die Zeiten alles andere als ideal waren, um einen neuen Verein aus der Taufe zu heben, sondern ganz im Gegenteil vom fast völligen Niedergang des Vereinswesens geprägt waren. „Südtirol durchlebte eine Schicksalszeit, man war gerade eben zu Italien gekommen und versuchte, den schwierigen Alltag und die neue Realität zu meistern“, erklärt Martina Rabensteiner, Historikerin und Trompeterin bei der Musikkapelle Zwölfmalgreien.
Einzigartige Vereinschroniken
Bereits 1995, zum 75-Jahr-Jubiläum, wurde eine Festschrift der Musikkapelle in Buchform herausgegeben, die 2020 zum hundertjährigen Bestehen mit einem neuen Band fortgeführt wurde. Martina Rabensteiner betont: „Von Anfang an waren die Chronisten der Musikkapelle sehr fleißig, dies ist ein besonders glücklicher Umstand. Abgesehen vom Vereinsgeschehen wurden viele politische und gesellschaftliche Ereignisse, gerade auch während des Faschismus, dokumentiert und kommentiert, was die Chronik zu einem besonderen Zeitdokument der Vereinshistorie macht und spannende Einblicke in vergangene Zeiten ermöglicht.“
Emil Duca und die Feuerwehr
Eng verbunden mit der Gründung der Musikkapelle Zwölfmalgreien ist der Bozner Kaufmann Emil Duca. Aus den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Zwölfmalgreien bildete er die Musikkapelle, organisierte Instrumente und sorgte für die erste musikalische Bildung der wackeren Männer. Duca war dabei getrieben vom Bewusstsein, die lokalen Traditionen, christlichen Werte und den Zusammenhalt innerhalb der „zwölf Malgreien“, der zwölf ehemals eigenständigen historischen Siedlungen, zu erhalten. Mit Geschick schaffte er es auch, die Kapelle in den Wirren der Zwischenkriegsjahre vor der Auflösung zu bewahren. Ganze 44 Jahre lang stand er dem Klangkörper als Obmann vor. Das Motto der Musikkapelle lehnt sich an jenes der Feuerwehr an und lautet bis heute: „Gott zur Ehr’, dem Bürger zur Freud’, der Heimat zum Stolz!“ Noch heute wird altehrwürdiges Brauchtum gepflegt, etwa bei den Kirchtagen in St. Justina, Rentsch oder Kampill, bei denen die „Böhmische“ der Musikkapelle spielt, oder bei der 1.-Mai-Prozession ausgehend vom Bozner Dom. Doch blasmusikalisch ist die Kapelle weit davon entfernt, nur aufs Pferd der Tradition zu setzen.
Gediegene musikalische Ausdrucksweise
Die Musikkapelle Zwölfmalgreien besticht durch ihre gepflegte Art zu musizieren. Kapellmeister Matthäus Crepaz meint dazu: „Mein Vorgänger Stephan Aichner hat viel Wert auf ein kultiviertes, ausgeglichenes Spiel gelegt. Darauf lässt sich wunderbar aufbauen.“ Er setzt aber auch eigene Akzente: „Für mich steht der musikalische Ausdruck an erster Stelle. Das Publikum soll emotional berührt werden. Aber nicht nur: meine Programme versuche ich stets thematisch vielschichtig zu gestalten und ihnen einen intellektuellen Touch zu verpassen. Auch die Einbeziehung von aktuellen Themen macht für mich Sinn.“ Alljährlicher Höhepunkt im Jahresprogramm der Musikkapelle ist das Cäcilienkonzert, das heuer am 28. November im Konzerthaus in Bozen stattfindet. Dabei bringt die Kapelle unter anderem Maurice Ravels Bolero zu Gehör, ein ambitioniertes Vorhaben.
Eine tolle Truppe, die zusammenhält
Seinen Musikantinnen und Musikanten streut Kapellmeister Crepaz Rosen: „Sie sind unglaublich selbständig. Sie organisieren ihre Registerproben selbst und nehmen das Musikalische sehr ernst. Sie betreiben eine engagierte und erfolgreiche Jugendarbeit. Und was mir zu Beginn gleich aufgefallen ist: Es ist so eine tolle, liebenswerte Truppe, die zusammenhält und auch abseits der Proben viel zusammen unternimmt.“ Ganz so, wie es sich Gründervater Emil Duca sicherlich gewünscht hätte.
[Sibylle Finatzer]
MUSIKKAPELLE ZWÖLFMALGREIEN
Gegründet 1920, rund 60 Mitglieder
Kapellmeister Matthäus Crepaz, Obmann Thomas Unterhofer
Cäcilienkonzert am 28. November, 20 Uhr im Konzerthaus Bozen
Kontakt und Infos: www.mkz.bz.it, Facebook, Instagram, YouTube































































































































