Die Kunst, in andere Charaktere einzutauchen
Gabi Mitternöckler im Porträt

Die in Innsbruck lebende Schauspielerin und Autorin Gabi Mitternöckler ist seit den 1990er-Jahren auch auf Südtiroler Bühnen unterwegs. Derzeit ist sie im Familienstück „Bienen, Mayo und das verlorene Lied“ zu sehen, welches der Theaterverein Praxenknecht im Park der Villa Freischütz in Meran aufführt. InSide sprach mit ihr über ihr Theaterleben, ihre schriftstellerischen Pläne und ihre Vielseitigkeit.
Wie kamst du zum Schauspiel? Was begeistert dich an diesem Beruf? Was empfindest du als schwierig?
Ich liebe es, in andere Charaktere einzutauchen, sie psychologisch zu erfassen und darzustellen. Schon als Kind wollte ich Schauspielerin werden. Vor allem inspirierten mich alten Spielfilme, welche ich quasi verschlang. Zuerst schlug ich einen anderen Weg ein und machte die Ausbildung zur Volksschullehrerin. Mein Theater-Traum ließ mir aber keine Ruhe und so besuchte ich gleichzeitig eine private Schauspielschule Cingl/Fröhlich am Tiroler Landestheater, um mir diese zu finanzieren war ich als Berufsberaterin beim Arbeitsamt tätig.
Schwierig und belastend war und ist u.a. die große Unsicherheit, immer auf der Suche zu sein nach dem nächsten Engagement, man muss Rollen annehmen, die einen nicht total begeistern. So spielte ich auch in mehreren Volkstücken, dort konnte ich zwar lernen, doch thematisch war das eher nicht sehr befriedigend.
Warst du auch als Volksschullehrerin tätig?
Ja, allerdings ergriff ich den Beruf, den ich als junge Frau erlernt hatte, erst mit über 50 Jahren. Die Schauspielerei ist ein sehr unsicherer Beruf und auch die Altersvorsorge ist prekär, das bewog mich u. a. zu diesem Schritt. Das Unterrichten von Kindern bereitete mir ebenfalls viel Freude, leider wurde es immer schwieriger, vor allem wegen der heterogenen großen Klassen, wo die Förderung der einzelnen mit dem geringen Personalaufwand nicht gewährleistet werden kann. Ich bin jetzt glückliche Rentnerin und kann endlich so leben, wie ich es mir immer gewünscht habe und mich dem Theater und dem Schreiben widmen.
Wie startete deine Laufbahn als Schauspielerin und beim Radio?
Mein erstes Engagement hatte ich beim Tourneetheater der Schauspieltruppe Zürich in den Jahren 1988 bis 1991. Dann bin ich als Sprecherin, Moderatorin und Redakteurin zum Radio gekommen, erst zu ORF Tirol dann zu Radio Tirol. Parallele dazu stand ich in vielen, sehr unterschiedlichen Stücken auf der Bühne, z.B. in Bregenz, Basel, Baden bei Wien und Innsbruck.
Als Schauspielerin bist du bereits seit Jahrzehnten in Nord- u. Südtirol aktiv, welches waren deine Lieblingsstücke, deine Lieblingsprojekte?
Seit rund 20 Jahren bin ich als WeinLeserin mit der Sommelière Ingrid Egger in ganz Südtirol und auch in Nordtirol unterwegs, mit diversen von uns erarbeiteten Programmen. Im Theater in der Altstadt trat ich u.a. in Die kahle Sängerin von Eugène Ionesco – Regie Franco Marini, auf. Und in Bozen in Peter Turrinis Der tollste Tag unter der Regie von Manfred Schweigkofler. Ich liebe skurrile und schräge Figuren. Das skurrile und abgründige beflügelt mich auch beim Schreiben, das fließt in meine literarischen und Poetry-Slam-Texte ein.
Eine weitere deiner Leidenschaften ist das Schreiben, als Schriftstellerin bist du Mitglied der Turmbund-Gesellschaft in Innsbruck…
Ich kam zum Turmbund als Vorleserin von Texten anderer Autorinnen. Da ich schon mein Leben lang gerne schreibe, wagte auch ich es, meine Texte vorzustellen und wurde aufgenommen Inzwischen bin ich im Vorstand und Schriftführerin des Vereins. Mein Schreiben ist autofiktional und gesellschaftskritisch. Zu meinen nächsten Projekten zählen meine kabarettistische Lesungen Liebe von Z bis A und Mutterherzchen.
Zurück zum Theater: Derzeit wirkst du bei zwei Stücken mit. In Innsbruck und in Meran.
In Innsbruck verkörpere ich eine Erpresserin in „Angst“ basierend auf einer Novelle von Stefan Zweig unter der Regie von Markus Plattner und in der Villa Freischütz in Meran spiele ich die Ur-Bienenkönigin unter der Regie von Alexandra Wilke. Die beiden haben einen ganz unterschiedlichen Ansatz, was auch spannend ist.
Was ist das Besondere am Familientheaterstück „Bienen, Mayo und das verlorene Lied“?
Es handelt sich nicht um ein klassisches Kinderstück mit vorgefasstem Text, sondern um interaktives Stationentheater, bei dem Kinder und Erwachsene mitmachen können. Bei der Erarbeitung flossen die Ideen und Texte der Regisseurin und jene der Darstellenden zusammen und ergaben ein kreatives Ganzes. Das ist spannend und herausfordernd für alle Beteiligten. Schau es dir einfach an, das Stück läuft noch bis 28. Juni!
Satirisches Gedicht von Gabi Mitternöckler MERAN
Es ist wieder Cabriozeit
da flitzen die Silberrücken im Polohemd
vorzugsweise
per Porsche Cayenne oder BMW
von München aus in die südlichen Apfelgärten
Wanderstöcke und Golfschläger im Kofferraum
An ihrer Seite die obligate Blondine
frisch vom Friseur und vom Beauty doc
hält sie
die aufgepolsterten Lippen in den Fahrtwind
freut sich auf Shoppen im Luxussegment
während er ihr die Welt erklärt.
























































































