Den Leuten in die Kloschüssel geschaut
Die Südtiroler Band „Peppi und die Haislraggler“ und ihr Toilet-Pop

Wenn die Haislraggler eines ihrer Konzerte bewerben, dann liest sich das ungefähr so: „Geruchstechnischer Notstand in Milland! Schun wiedr miesn mir insr gonzes Nouhau aubietn, weil in oan ban Gaggn nit lai es Greifbore, sondern a es Gasförmige obhondn kemmen isch, und zwor dergleichn, dass er selber ohnmächtig afn Haisl zomgsockt isch und es Fenschter zwecks Lüftung nimmer augekrieg hot! Do hilft lai oans: Zugluft, und zwor gewaltig!“
„Zugluft“ ist das Stichwort. Denn die Band, die sich mit voller Absicht in keine Schublade stecken lässt, hat ihren nächsten Auftritt im Juni beim Zugluftfest in Milland. Dann nämlich lädt das Haus der Solidarität (HdS) in Brixen erneut zu seinem beliebten Festival für Jung und Alt ein. Bassist Moritz Thuile schaut mit seinen Haislraggl-Kollegen den Leuten aufs Maul bzw. in die Kloschüssel und lässt uns daran teilhaben.
Moritz, wer ist Peppi? Keiner von euch heißt ja wirklich so.
Der Peppi oder die Peppi? So genau ist das nämlich auch nicht definiert. Unser Bandleader Tobias hat sich spaßeshalber, wie früher üblich, nach all seinen Vorfahren benannt. Die Peppi, das war seine Uroma oder so. Also hieß er Peppi Walter Manfred Tobias. Weil’s schneller geht und einfacher ist, haben wir das auf Peppi abgekürzt. Nachdem wir vergeblich einen passenden Bandnamen gesucht hatten, ist er eines Tages zur Probe gekommen und hat gesagt: I hon jetzt demokratisch beschlossn, dass mir ob jetzt Peppi und die Haislraggler hoaßn. Damit war’s erledigt.
Geht das bei euch immer so demokratisch zu?
Ja wie man’s nimmt. Der Tobias, das ist sozusagen unser Ober-Peppi, der schreibt unsere Lieder. Ich bin der, dem ein Thema auf der Verdauung liegt, das unbedingt hinauswill, wie das halt auf dem Haisl so ist, und dann sag ich auch ganz demokratisch zu ihm: Ibr des muasch a Lied schreibm. Und dann muss er sich dazu etwas ausdenken. Das ist so unser Toilet-Pop-Konzept. Darüberhinaus haben wir alle einen mehr oder weniger gediegenen musikalischen Hintergrund, der nicht nur den Bildungsweg, sondern auch die Vorlieben umfasst, und darum findet sich in unseren Liedern ein wilder Stilmix aus allem Möglichen. Alle werfen ihren musikalischen Background in die Kloschüssel, und so klingt das dann auch.
Was darf die Zuhörerschaft bei euren Konzerten erwarten?
Zwei, drei Leute sind seit 15 Jahren sozusagen der harte Kern und die restliche Besetzung variiert. Das fluktuiert so dahin, wir sind bewusst unprofessionell, a bissl improvisiert. Unsere Konzerte kann man sich fast wie eine Probe vorstellen. Da gibt es nix Geplantes, keine einstudierte Moderation oder Abfolge. Wir stolpern quasi auf die Bühne und dann geht’s unsystematisch los. Nichts gegen andere Unterhaltungsbands, aber Gleichmacherei und Mainstream ist unsere Sache nicht. So als Haislraggler musst du ja auch flexibel sein und dich selber nicht so ernst nehmen. Die Sanitärbranche ist hart umkämpft, und darum haben wir ein zweites Standbein gesucht und uns aufs Musizieren verlegt. Krisen- und idiotensicher eben.
Was ist das Besondere an eurer Besetzung: Violine, Gitarre, Saxophon, Bass, Cajon, Gesang?
Wie gesagt, ein Haislraggler muss flexibel sein. Die Klobürste allein macht noch nicht den Sound.
In euren Texten besingt ihr scheinbar banale Themen und Szenen des Alltags. Was hat es damit auf sich?
Wir holen ungeahnte Dramen der Leute vom locus necessitatis ans Tageslicht. Etwa die unerhörte Feststellung im Lied „Koaner sauft mehr Spuma!“ Das ist doch ein gesellschaftliches Problem, dem Aufmerksamkeit gebührt! Und am besten geht das natürlich im Dialekt. Der ist unverfälscht und auch manchmal krautig, damit lassen sich die kleinen und großen Scheißhaufen des Lebens wunderbar überspitzt formuliert rüberbringen. Wir wollen den Dialekt dabei keineswegs romantisieren. Er ist ja rau und überhaupt nicht glattpoliert. Obwohl in der WC-Reinigungs-Branche so ein frisch geraggltes, sauberes Abflussrohr ja auch ein erstrebenswertes Ziel ist.
[Sibylle Finatzer]
PEPPI UND DIE HAISLRAGGLER
Termin: 14. Juni, Zugluft-Festival in Milland/Brixen
Besetzung:
Tobias Kompatscher, Guitar/Vocals
Markus Capello, Saxophon/Vocals
Magdalena Oberstaller, Violine/Vocals
Felix Senoner, Guitar
Martin Malfertheiner, Drums/Cajon
Moritz Thuile, Bass
Infos: Facebook, Instagram, Spotify, YouTube
























































































