Bunte Theaterfreuden
Südtirols Bühnen hoppeln durch den April

Der Osterhase sorgt nicht nur für reichlich Naschereien im Nest, sondern auch für ein dichtes Theaterprogramm. Ob nun für das kleine oder das große Publikum, zum Lachen oder zum Nachdenken – für jeden Geschmack ist etwas dabei.
Beginnen wir in Brixen in der Dekadenz, wo Sie ein „Abend voller Höhepunkte in rasanter Folge“ erwartet, so verspricht es die „Kleine Zeitung“. Es geht um „Salon Klaus“ von Dan Knopper, der mit Musik, clownesker Komik und schillernden Showeinlagen eine Reihe liebenswert-skurriler Figuren auf die Bühne bringt (10.04., Vorspiel: Davide Mariotti). Mundartgedichte, satirische Texte und ein mögliches Wiedersehen mit Figuren aus dem Vorgänger „Salon Sieglinde“ inklusive. Musikalisch ist auch Anna Fink (17.04., Vorspiel: Helena Wierer). In „Die Reise der Frau“ nimmt sie das Publikum mit auf eine Entdeckungstour durch die Frauenrollen des Musicals. Diven, Träumerinnen und selbstbewusste Heldinnen erweckt sie zum Leben und entdeckt dabei immer wieder Parallelen zum echten Leben. Ein Abend voller Emotionen und Empowerment. „Ich weiß, was ihr denkt!“, das behauptet Alex Giovanelli (18.04.). Nach über zehn Jahren auf der Bühne betritt der Poetry-Slammer nun neues Terrain, und zwar jenes der Stand-up-Comedy. Istanbul-Hairlines, Südtiroler Fleißpinkeligkeit, Ötzi und Jannik Sinner – es sind kleine Beobachtungen, scheinbar banale Gedanken, die zwischen Witz und Ernst im kollektiven Kontrollverlust enden. Und zuletzt kommt Romeo Kaltenbrunner mit „Heimweh“ nach Brixen (24.04., Vorspiel: Olivia Kaufmann). In diesem autobiographischen Bericht muss er von Wien zurück nach Oberösterreich. Dort trifft er auf seine Jugendliebe, die er damals nicht küssen durfte: a bissl wegen der falschen Hautfarbe, hauptsächlich aber wegen zu wenig Hektar. Und so landet er auf einem Fest zwischen Nazis, Grillhendl-Duft und Nostalgie. Soll er am Ende gar nicht mehr zurück nach Wien, wo die Menschen zwar liberaler, aber auch fader sind?
In der Bozner Carambolage ist Joab Nist mit „Notes of Berlin“ zu Gast (01.-02.04.). Er ist Kulturwissenschaftler, Blogger und Bestseller-Autor. In seinem Kult-Blog „Notes of Berlin“ dokumentiert er Notizen aus dem Großstadtdschungel und amüsiert damit über 600.000 Abonnenten. Daraus entstand eine Show, mit der er die Absurditäten des Alltags auf die Bühne holt. Direkt, provokant, skandalös, aber vor allem: unvergleichlich komisch. Anschließend steht Malarina mit „Trophäenraub“ auf der Bühne (09.-10.04.). Sie ist mehrfach preisgekrönt, aber das macht ihr Leben nicht unbedingt einfacher. Denn mit dem Ruhm kam auch das Finanzamt, das ständig absurdere Beträge von ihr will. Wie praktisch, dass es in Österreich keine Erbschaftssteuer gibt. Also dated sich die Trophäenfrau auf der Suche nach potentiellen Partnern durch die Geschichte der Menschheit. „Eine präzis komponierte Gesellschaftsanalyse, humorvoll und scharfsinnig inszeniert“, so der ORF. Und weil der April umgangssprachlich tut, was er will, darf auch das Improtheater nicht fehlen (14.04.). Egal ob Paris, Kiew oder Unterplanitzing – das Leben ist schön, und mit Hilfe des Publikums bastelt das Improtheater eine bunte, vielfältige Welt dazu.
Das Südtiroler Kulturinstitut holt das Renaissance-Theater Berlin mit „Kalter weißer Mann“ nach Südtirol (14.04. Kulturhaus Schlanders, 14.04. Forum Brixen, 16.04. Stadttheater Meran). Die Trauerfeier für den mit 94 Jahren verstorbenen Unternehmer Gernot Steinfels gerät aus dem Ruder. Dabei hat sein Nachfolger alles minutiös geplant. Doch der Text für den Kranz „In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter“ geht gar nicht, finden unisono die Marketingleiterin und der Social-Media-Experte. Wo bleiben da die Mitarbeiterinnen? Und die Praktikantin hat Probleme mit dem Zusatz „Nur Arbeit war dein Leben“, weil der „für eine total toxische Work-Life-Balance“ steht. Wen wundert’s, dass am Ende sogar der Pfarrer die Nerven verliert. Die wendungsreiche Komödie seziert lustvoll die Abgründe und Fallstricke der aktuellen Diskussion über soziale Umgangsformen.
„Kindsmord“ steht im Stadttheater Bruneck auf dem Programm (ab 10.04.). Beruhend auf einem wahren Fall hat Peter Turrinis 1973 uraufgeführter Monolog nichts an Brisanz verloren. In einer Welt voller medial vermittelter Bilder, deren Wahrheitsgehalt immer zweifelhafter wird, steht eine Frau vor Gericht. Ständig unterbrochen von einem gesichtslosen Richter, bevormundenden Vater und gefühllosen Ex-Partner, kämpft sie um Gerechtigkeit. Dabei bringt Turrini Licht in das Dunkel einer möglicherweise symptomatischen Seele und stellt die entscheidende Frage: „Warum kann ich nicht sein, was ich sein will?“ Regisseur und Bühnenbildner Patrick Steinwidder adaptiert seine von der Kritik gelobte Londoner Inszenierung für das Stadttheater Bruneck in deutscher Sprache. Für das kleine Publikum hingegen ist „Schokolade!“, ein humorvolles Experiment über das Teilen (27. u. 29.04.). Eine süße Tafel soll gerecht auf drei Personen aufgeteilt werden. Doch schnell wird klar: das ist nicht so einfach, wenn jeder gerne das größte Stück hätte! Aber macht es uns wirklich glücklich, immer am meisten zu haben?
Die Vereinigten Bühnen Bozen und der Südtiroler Theaterverband zeigen „Möglich¬¬-keits¬menschen“ (ab 11.04.). Dabei stellen sich 19 theaterliebende Menschen – Laien und Profis aller Altersgruppen – auf die Bühne, um sich als jemand anderes zu sehen. Durch das Erforschen von Figuren und Geschichten öffnen sie Spielräume, in denen jedes Ich, jede Perspektive gehört und gelebt werden kann. Regisseur Peter Lorenz, der bereits erfolgreich „Ein Hund kam in die Küche“ inszeniert hat, erprobt mit dem Ensemble, was es bedeutet, die eigene Identität zu hinterfragen und neu zu erfinden. Mit Humor, Musik, aufwendigen Kostümen und viel Originalität lädt diese Komödie dazu ein, fantasievoll den Ausbruch zu wagen.
Hoffnung macht die Volksbühne Latsch, die „Schimmer zur Glückseligkeit“ präsentiert (ab 10.04.). Gabe kommt frisch aus der Psychiatrie und will, geplagt von Halluzinationen, alles tun, um seine Frau Rose zurückzugewinnen. Dabei begegnet er Lilien, einer temperamentvollen jungen Witwe, die ihn mit ihrem trockenen Humor auf den Boden der Tatsachen zurückholt und dazu bringt, mit ihr an einem Tanzwettbewerb teilzunehmen. Gemeinsam wagen sie einen Neuanfang in einer Welt, die wenig Verständnis für zerbrochene Seelen hat. Ein mitfühlendes und dennoch humorvolles Stück über psychische Gesundheit, Vorurteile und über zwei Menschen, die lernen, dass Hoffnung manchmal dort wächst, wo man sie am wenigsten erwartet.
[Adina Guarnieri]



























































