Auf in die neue Spielzeit!
Nach der Sommerpause wird durchgestartet

Nach den vielen tollen Freilichtproduktionen des Sommers beginnt nun die neue Spielzeit. Und diese ist wie gehabt bunt, schillernd und abwechslungsreich. Zwischen Geschichte, Thriller und Nervenkitzel ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Konkret wartet die Carambolage im Oktober mit „Na, wenigstens betrachten wir denselben Mond“ von Oliver Bukowski auf (ab 02.10., Regie: Torsten Schilling). Maya lässt beim gemeinsamen Kaffeetrinken eine Bombe platzen: Sie und ihre Partnerin Leo wollen an der Seite der Ukraine kämpfen – vor Ort, im Krieg. Für Mayas Eltern bricht eine Welt zusammen und während die Mutter versucht, ihre Tochter umzustimmen, eskaliert das Gespräch zu einem schonungslosen Schlagabtausch. Alte Verletzungen brechen auf, Welten prallen aufeinander und es entwickelt sich ein brisantes Generationendrama. Mit scharfem Witz erzählt das Stück von einer Familie, die stellvertretend für eine zutiefst verunsicherte Gesellschaft steht. Im Anschluss betreten Gianluca Iocolano und Christa Plank mit „Robe da Mander“ die Bühne der Silbergasse (29.-30.10., Regie: Marta Dalla Via). Dieses zweisprachige Wechselspiel aus Storytelling, Sketches und Singer-Songwriter-Einlagen behandelt das Thema der Männlichkeit, denn Männer tun manchmal so, als würden sie nichts sehen. Oft erkennen sie Mechanismen nicht, die für sie längst zur Gewohnheit geworden sind – unabhängig von der Generation. Gerade deshalb ist es heute wichtiger denn je, Dinge beim Namen zu nennen. Das Stück bricht das Schweigen und schärft den Blick – damit Gewalt früh erkannt wird, selbst dort, wo sie sich in den feinen Nuancen der Sprache verbirgt. Gianluca Iocolano nutzt die Satire, um den Schleier der Gleichgültigkeit zu zerreißen. Und am Ende des Monats erwartet Sie die Halloween-Ausgabe des Improtheaters (31.10.). Nach einem gruselig heißen Sommer geht vielleicht so manchem Politiker ein Licht auf in der Birne… oder im Kürbis? Egal, stellen Sie den allergrößten Kürbiskopf einfach ans Fenster, verlassen Sie das Haus und stürmen Sie das Theater. Denn das Improtheater eröffnet wieder mit schaurigen Schmankerln von schwindligen Schuften die Saison! Horrender Spaß und unheimliche Spannung garantiert! Aber Achtung: immer süß lächeln, sonst gibt’s Saures!
Die Dekadenz in Brixen präsentiert „Faulender Mond“ (bis 17.10., Regie: Julia Jenewein). Sie zerteilen Schweinehälften, belegen Brötchen und kommen sich näher. Die eine wartet auf den großen Gewinn am Spielautomaten, die andere spricht mit ihrem ungeborenen Kind. Skurril, humorvoll und mit großer Zärtlichkeit erzählt die Schweizer Autorin Anaïs Clerc von zwei Frauen, die vom Leben an den Rand gedrängt wurden und dennoch an eine bessere Zukunft glauben. Es ist eine Geschichte über Einsamkeit und Freundschaft, und über eine Partei, die Menschen in schwierigen Lebenslagen mit einfachen Antworten für sich gewinnt.
„Ellen Babić“, ein Psychothriller von Marius von Mayenburg, ist im Stadttheater Bruneck zu sehen (bis 13.10., Regie: Christian Mair). Die Lehrerin Astrid lebt mit der deutlich jüngeren Klara zusammen, einer ehemaligen Schülerin. Als sich Astrids Vorgesetzter bei ihnen ankündigt, wird aus dem scheinbar informellen Gespräch bitterer Ernst: Es geht um die Schülerin Ellen Babić, eine Klassenfahrt und einen schwerwiegenden Verdacht. Mit meisterhafter Präzision entwickelt sich ein vielschichtiges Spiel über Macht, Verantwortung und fragile Gewissheiten. Bis zum Schluss bleibt offen, wo Wahrheit endet und Manipulation beginnt.
Im Theater in der Altstadt Meran wird es hoheitlich mit „Marie Antoniette, oder Kuchen für alle!“ von Peter Jordan (ab 09.10., Regie: Christina Khuen). In Paris herrscht Revolution, im Palast von Versailles hingegen Ratlosigkeit: Während das Volk wütet, warten Marie-Antoinette und Ludwig XVI. seit nunmehr 15 Jahren auf ihre Hinrichtung. Doch damals wie heute die gleichen Probleme: Bürokratie und Intrigen auf allen Ebenen. Das Stück ist eine bitterböse feinhumorige Farce, die soziale Ungleichheit und politische Grabenkämpfe thematisiert und Altbekanntes völlig neu beleuchtet.
Auch abseits der Städtetheater wird es spannend. So bringt das Südtiroler Kulturinstitut zwei Gastspiele ins Land. Eines davon ist das mehrfach preisgekrönte „Prima Facie“ des Residenztheaters München (7.-8.10., Waltherhaus Bozen). Die knallharte Strafverteidigerin Tessa Ensler hat es aus einfachen Verhältnissen in eine Topkanzlei geschafft. Ihre Königsdisziplin ist die Verteidigung bei sexuellen Übergriffen. Doch dann wird sie selbst vergewaltigt, und zwar von einem Kollegen, mit dem sie eine Affäre hatte. Ihr ist sofort klar: die Beweislage spricht gegen sie… Das St. Pauli Theater Hamburg präsentiert „Geheimnisse“, eine Gesellschaftskomödie von Sébastien Blanc (13.10. Schlanders, 14.10. Brixen, 15.10. Meran, 16.10. Sterzing). Eigentlich wollte Fabien (Götz Otto) mit seinen Freunden, die Zwillinge Éric und Jérôme (beide gespielt von TV-Star Sebastian Bezzel), nur Tennis schauen. Doch Éric kommt früher, um Fabien ein Geheimnis anzuvertrauen, das das Leben seines Zwillings grundlegend verändern wird. Kaum ist Éric weg, klingelt Jérôme, der ebenfalls sein Gewissen erleichtert. Zum Stillschweigen verpflichtet, versucht Fabien das sich anbahnende Zerwürfnis der Brüder zu verhindern.
Die Vereinigten Bühnen Bozen bringen die zweisprachige Theaterfassung von Francesca Melandris Erfolgsroman „Eva dorme“ auf die Bühne (bis 11.10., Regie: Sara Ostertag). Nach einem Anruf fährt Eva mit dem Zug 1.397 km von Südtirol nach Süditalien, um Vito wiederzusehen – jenen Mann, der sie als Kind liebevoll „sisiduzza“ (Fünkchen) nannte. Es ist zugleich eine Reise in die Vergangenheit und in die Geschichte Südtirols. Zwei Staaten, zwei Sprachen und zwei Kulturen: 1919 geht ein Riss durch das Land und langsam auch durch die Menschen. Evas Mutter geht hingegen emanzipiert ihren Weg, kämpft dabei wie ihre Heimat um Autonomie und um eine Liebe abseits von Herkunft und Sprache. Geblieben ist eine große Sehnsucht, die Mutter und Tochter verbindet und die einen Wunsch in sich birgt: Grenzen öffnen.
Und im Mesnerhaus in Neumarkt zeigt das Theater an der Etsch den neuen Monolog von Simon Kostner: Das Gastspiel „Ich liebe mich, oder der vom (Un-)Glück, ein Gutmensch zu sein“ (03.-04.10., Regie: Dietmar Gamper). Zehn Jahre nach seinen erfolgreichen Programmen „Badiotten“ und „Über Unverträglichkeiten und andere Haustiere“ öffnet der ladinische Schauspieler erneut die Türen zu seiner schillernden Gedankenwelt – ein Ort voller Ironie, leiser Absurdität und überraschender Erkenntnisse, aus dem man nur mit viel Selbstliebe wieder herausfindet.
[Adina Guarnieri]










































































































































