Kunst unter die Leute bringen!
Die Kunstvermittlerin Helga Pichler verwandelt Alltagsräume in Galerien

Für Helga Pichler ist Kultur ein Lebenselixier, sie kuratiert Ausstellungen an ungewöhnlichen Orten und bringt somit Kunstwerke den Menschen näher. Seit ihrer Pensionierung ist ihre Leidenschaft für Kunst noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. An den Wochenenden arbeitet sie bei Kunst Meran im Bereich Shop und Besucherservice. Inside gewann im Gespräch Einblicke in ihr Wirken und Denken.
Wo hat deine Begeisterung für Kunst und Kultur ihren Ursprung?
Literatur, bildende Kunst, Musik und Theater spielten immer schon und immer wieder eine große Rolle in meinen Leben. Als Kind las ich lieber, als mit Puppen zu spielen. Meine Begeisterung für Kultur begann also mit dem Lesen. Zu meiner Oberschulzeit verbrachte ich die viele Mittagspausen in der legendären „Kuperion Galerie“. Der Galerist und Maler Guido Miglioranzi hatte diese erste private Galerie in Meran gegründet und über ein Viertel- Jahrhundert geführt. Er spürte wohl mein Interesse und erzählte mir viel über die Kunstwerke und die Künstler. Das war sozusagen meine Schule des Schauens, mein persönliches „Grundstudium“.
Kultur ist ein Lebensmittel….
Auf mich trifft das voll und ganz zu. Ich bin sehr früh Mutter geworden, als 20-Jährige, und hab immer Vollzeit gearbeitet. Die Kultur – Lesen, Theateraufführungen und Vernissagen besuchen – hat mir viel Kraft gegeben, um den Alltag gut zu bewältigen. Man taucht in andere Welten ein und es gelingt, neue Erkenntnisse und Perspektiven zu erlangen. Auch die Schönheit, die Kunst verkörpert übt eine besondere Anziehungskraft für ich aus. Kunst hat für mich viele Daseinsgründe, genauso wichtig wie gesellschaftspolitisch engagierte Kunstwerke, sind solche, die das Leben, die Natur und die Schönheit feiern.
Wie vollzog sich der Schritt von der Kultur-Genießerin zur Kultur-Vermittlerin?
Wie so oft, durch glückliche Zufälle. Jahrzehntelang, bis zu meiner Pensionierung, arbeitete ich im Autohaus Ford Reschen Garage, später Autocity. Eine Kundin war Künstlerin und sie fragte mich, ob sie dort eine Ausstellung machen könnte. Wobei ich die Vorstellungen einer klassischen Garage sofort zurechtrücken muss. Das Gebäude war architektonisch sehr hochwertig. Es handelt sich um einen ovalen Bau mit verspiegelter Glasfassaden, innen ausgestattet mit Säulen, Treppen und Bodenbelag aus schwarzem Marmor. Sechs Jahre lang organisierte ich, unterstützt von meinen Kollegen, regelmäßig Ausstellungen u.a. von Hansgeorg Hölzl, Bogi Fabian, Martha Videsott und viele anderen. Während der Corona Zeit baute ich dann meine Galerie KunsTraum HP auf Facebook und Instagram auf. Dort veröffentliche ich Eindrücke von eigenen und besuchten Ausstellungen sowie von Atelierbesuchen.
Warum bringst du Kunstausstellungen in den öffentlichen Raum, bzw. in Alltagsräume wie ein Autohaus, eine Eisdiele, Schaufensterauslagen….
Ich möchte Kunst sichtbar machen! Es geht darum der Kunst eine Plattform, einen Raum zu geben, nah am Menschen und nicht nur exklusiv für die sogenannten Eliten. An Alltagsorten gibt es keine Hemmschwellen wie in Museen oder Galerien. Man wird einfach konfrontiert und überrascht, ist frei sich damit zu befassen oder einfach nur vorüberzugehen.
Das Konzept ist eine win-win-win Situation. Die Werke der Künstler:innen werden wahrgenommen, die Menschen, welche ihre Räume für Kunst öffnen, schaffen eine einzigartige Atmosphäre und die Betrachtenden werden mit Eindrücken beschenkt.
Im September und Oktober sind Bilder von Barbara Natter in Lana in der Eisdiele Tschelatti und in der Jollyboutique zu sehen. Was hast du als nächstes geplant?
Seit einigen Jahren kuratiere ich die Ausstellungen im Rahmen des Festivals Sprachspiele/Linguaggi in gioco in der öffentlichen Bibliothek kultur.lana. Die Vernissage zur Ausstellung von Bregtje Piva wird am Donnerstag, 22. Oktober, um 19 Uhr stattfinden. Bei diesem „Gesamtkunstwerk“-Abend gib es außerdem ein DJ-Set von Veloziped, Walter Garber zu hören und die Präsentation seines Buches. Weitere Gäste sind ein Kollektiv von Kreativen um Davide Marchi, die ihre „rivista culturale More bananas“ vorstellen.
SEHENSWERT
Werke von Barbara Natter
in der Eisdiele Tschelatti und in der Jollyboutique in Lana bis Ende Oktober zu sehen.
Barbara Natter
lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin und Dozentin für Kunstpädagogik und Technik (Fakultät für Bildungswissenschaften Brixen) in Bozen. Sie arbeitet mit Farbpigmenten, Tusche, Acrylfarben, Collagen und verschiedenen Drucktechniken sowie mit Ton. barbaranatter.com
Werke von Bregtje Piva
in der Öffentlichen Bibliothek kultur.lana
vom 22. Oktober bis 21. November 2026
Bregtje Piva
Die Schwerpunkte der 1963 in Bozen geborene Künstlerin sind das Malen mit Acryl und das Formen mit Ton. Sie arbeitet in ihrer SILBENTRENNUNG: Kunsthand-werkstätte im Eggental. Ihre Werke sind geprägt vom Ausdruck von Freude, Leichtigkeit und Sinnlichkeit.










































































































































