Bello ciao – ciao bello?
Neues von Barbara Bachmann und Franziska Gilli

Ob „principe azzurro“, Casanova oder „mammone“, der mit 40 Jahren immer noch bei seinen Eltern wohnt: In Italien gibt es viele Klischees. Barbara Bachmann und Franziska Gilli treffen Menschen, die diese Bilder bestätigen, ihnen widersprechen oder an ihnen leiden. In „Bello ciao. Italiens Männlichkeit im Wandel“ verbinden sie journalistische Reportage, Interviews und Erfahrungsberichte zu einem vielschichtigen Portrait männlicher Lebenswelten.
2021 veröffentlichten Barbara Bachmann und Franziska Gilli ihr vielbeachtetes Buch „Hure oder Heilige – Frau sein in Italien“. Kurz darauf entstand die Idee, sich auch männlichen Stereotypen zu widmen. Doch die Suche nach passenden Protagonistinnen und Protagonisten war aufwändig: Aufrufe im Internet, Nachfragen bei Kontaktpersonen, Anfragen an Sportclubs und Zeitungsredaktionen, die oft unbeantwortet blieben. Es gehöre auch eine gute Portion Reporterinnen-Glück dazu, meint Barbara Bachmann, denn oft seien sie direkt vor Ort losgezogen und hätten sich auf der Straße durchgefragt. Ein solcher Zufallstreffer war Leonardo, der auf dem Cover zu sehen ist. Ihn trafen die beiden auf einer Comic-Messe in Turin, wo der 16-jährige mit seinem Fahnenschwingensemble unterwegs war.
Ein Begriff – viele Ebenen
Das Buch präsentiert nicht DEN italienischen Mann, sondern zeigt den Facettenreichtum von „Männlichkeit“. Nicht wertend, sondern vorurteilsfrei gehen die Autorinnen auf die Menschen zu. Besonders interessant ist in dieser Hinsicht der Erfahrungsbericht von Barbara Bachmann, die bei mehreren Sitzungen eines Anti-Gewalt-Trainings dabei war. In eine völlig andere Welt taucht man hingegen mit Christian und Danilo aus Bozen ein, die 2023 dank einer Leihmutter den kleinen Noah bekamen. Ein anderes Beispiel für eine Familie, diesmal im übertragenen Sinn, ist die Amateurfußballmannschaft des MP San Giorgio aus Ercolano. Die Fotos von Franziska Gilli erzählen von Zusammenhalt und Nähe zwischen den Spielern und von einem Ort, an dem auch geweint werden „darf“.
Wandel zurück und nach vorn
Die Autorinnen hatten auf ihren Reisen gemischte Gefühle. Einige Räume blieben ihnen verschlossen, andere Male erlebten sie die geballte Macht ihres Gegenübers, zum Beispiel als Franziska Gilli im April 2025 beim Begräbnis von Papst Franziskus fotografierte und keinerlei Bewegungsfreiheit hatte. Ein zähes Erlebnis war auch die sogenannte „festa degli uomini“ im Friaul-Julisch-Venetien, bei dem raue Mengen Alkohol fließen und ein riesengroßer Holz-Penis verehrt wird. Sie seien am darauffolgenden Tag immer noch schockiert gewesen, meinen die Autorinnen, zugleich aber habe es auch einen Hoffnungsschimmer gegeben: Beim nächsten Termin hätten sie nämlich einen Mann kennengelernt, der sich seit vielen Jahren für die Gleichberechtigung von Frauen im Erbrecht von Ländereien einsetzt. Italiens Männlichkeit ist im Wandel – manchmal nach hinten, aber glücklicherweise auch ganz oft nach vorn.
[Adina Guarnieri]
Barbara Bachmann (*1985, Bruneck) ist freie Reporterin und arbeitet u. a. für das „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Ihre Arbeit wurde vielfach prämiert, z. B. mit dem „Axel-Springer-Preis“ und der „Auszeichnung für hervorragenden Journalismus im Gedenken an Claus Gatterer“.
Franziska Gilli (*1987, Bozen) lebt als freie Fotografin in Hannover. Zu ihren Auftraggeber:innen zählen „Der Spiegel“ und „Die Zeit“. Sie zeigte ihre Arbeiten in Einzelausstellungen und bei Fotofestivals. 2023 erhielt sie den Förderpreis „Walther von der Vogelweide“.





























































































































































