CULTURE

Tiefe Gefühle: Macht, Liebe, Frieden
Die Konzertsaison 2026/2027 des Haydn Orchesters

12 Tiefe

„Emotions included“ hat die Stiftung Haydn für die Konzertsaison des Haydn Orchesters von Bozen und Trient als Thema ausgelobt. Der künstlerische Leiter André Comploi verspricht „eine Saison zwischen Kontinuität und neuen Akzenten“.

Das Haydn Orchester, wie Comploi in der neuen Programmbroschüre erläutert, spiegele „eine große Vielfalt kultureller und musikalischer Traditionen wider, sowohl im Repertoire als auch in den besonderen Projekten der Saison“. Zudem sei Südtirol seit jeher ein „kleines Labor Europas“. Dementsprechend bunt gestaltet sich die neue Konzertsaison: Die Stiftung Haydn möchte besonders auch die Verbindung zum Publikum stärken, nicht zuletzt durch Vermittlungsangebote wie „Haydn Surround“, bei dem man Plätze buchstäblich zwischen den Musikerinnen und Musikern buchen kann. Oder mit neuen Formaten wie den kammermusikalischen „Haydn Matinées“ sowie Einführungen und Gesprächen als Räume der Begegnung. Wie schon gehabt, zieht es das Orchester auch in die Peripherie: Meran, St. Ulrich, Deutschnofen, Naturns, Toblach, Brixen und Schlanders stehen neben Trentiner Ortschaften auf dem Programm und verdeutlichen den starken Bezug der Stiftung zur Region.

Macht, Liebe und Frieden
Besonders die Musik vermag diesen drei großen, nie aus der Zeit kommenden Themen eine große Ausdruckskraft zu verleihen. Das Konzertprogramm spannt dabei einen Bogen zwischen jungen Talenten und etablierten Interpretinnen und Interpreten, zwischen internationaler Offenheit und der gezielten Förderung der Musikerinnen und Musiker des Orchesters sowie regionaler Nachwuchskräfte, zwischen Komponistinnen und Komponisten der unterschiedlichsten Stilepochen.

Frauen im Fokus
Besonders interessant: Ein großes Augenmerk der neuen Saison wird auf die Sichtbarkeit von Frauen im musikalischen Schaffen und in der Interpretation gelegt. Dies äußert sich beispielsweise durch das Engagement der Dirigentin Clelia Cafiero, die im Oktober unter anderem die italienische Erstaufführung des 14-minütigen Werks „Within Her Arms“ der Komponistin Anna Clyne dirigieren wird. Vorher noch ist die Sopranistin Francesca Aspromonte bei den Auftaktkonzerten Anfang Oktober unter der Leitung von Ivor Bolton zu hören. Im Februar steht die amerikanische Dirigentin Shira Samuels-Shragg, Absolventin der renommierten Juilliard School in New York, bei zwei Konzerten des Haydn Orchesters am Pult, unter anderem mit der Symphonie Nr. 3 von Louise Farrenc. Fans der Südtiroler Klarinettistin Andrea Götsch kommen Anfang Dezember auf ihre Kosten, wenn die Ausnahmemusikerin das Klarinettenkonzert von Mozart zu Gehör bringen wird, ein absoluter Klassiker.

Abwechslungsreich, experimentierfreudig, vernetzt
Wer das Konzertprogramm genauer unter die Lupe nimmt, wird bemerken, dass die künstlerische Leitung darin eine Vielzahl an Themen und Anlässen aufgreift. Beispielsweise wird bei den Filmkonzerten im März neben anderen der Kurzfilm „The Immigrant“ von Charlie Chaplin gezeigt, dessen Todestag sich 2027 zum 150. Mal jährt. Den 200. Todestag von Ludwig van Beethoven (+26.3.1827) würdigt die Stiftung Haydn mit der Aufführung seiner Symphonien Nr. 6 und Nr. 9. Letztere wird am 10. Juni 2027 am Domplatz in Brixen gespielt beim „Konzert für den Frieden“ anlässlich des Internationalen Tages des Dialogs zwischen den Kulturen. Gepflegt wird weiterhin die Zusammenarbeit mit den beiden Musikkonservatorien von Bozen und Trient; bei den Konzerten im Oktober und im Mai stehen Studierende beider Institutionen gemeinsam mit dem Haydn Orchester auf der Bühne. Nicht alltäglich ist ein Konzert für Kontrabass und Orchester, zu hören im November mit dem Solisten Adriano Piccioni unter der Leitung von Diego Ceretta. Das Werk „Deep Dazzling Darkness“ für Kontrabass und Streichorchester ist zudem eine weitere italienische Erstaufführung. Auch zeitgenössisches Musikschaffen aus Südtirol findet seinen Platz: Mit „Polyphonic Superpower“ steht im Februar ein Auftragswerk der Stiftung Haydn an den aus dem Vinschgau stammenden Komponisten Gerd Hermann Ortler auf dem Programm. Diese Liste ließe sich noch länger fortsetzen, nur fehlt hier der Platz; wer jetzt Lust bekommen hat auf Orchestermusik in all ihren Formen und Klangfarben, der konsultiere das ausführliche Konzertprogramm – es ist bestimmt für jede und jeden etwas dabei.

[Sibylle Finatzer]

KONZERTSAISON 2026/2027 der Stiftung Haydn von Bozen und Trient www.haydn.it

 

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