Frauenmuseum Meran: Vorschau 2026!
Lebenswelten von Frauen sichtbar machen

Seit über 30 Jahren besteht das Frauenmuseum Meran, eines der ältesten seiner Art weltweit. Gegründet wurde es von Evelyn Ortner (1944-1997) 1988 als „Kleines Museum für Kleid und Tand“ in den Lauben. Seit 2010 hat das Frauenmuseum seinen Sitz im ehemaligen Klarissenkloster am Kornplatz.
Die langjährige Direktorin Sigrid (Sissi) Prader übergibt das Zepter nun an die Germanistin und Kulturarbeiterin Julia Aufderklamm.
Nach einigen Jahren beim Südtiroler Kulturinstitut wagst du jetzt einen Neubeginn beim Frauenmuseum Meran. Was reizt dich an dieser neuen Aufgabe?
Nach meiner Tätigkeit in einer etablierten Institution, die über Landesgrenzen hinaus agiert, reizt mich am Frauenmuseum besonders seine unmittelbare Nähe zu den Bürger:innen, Vereinen und Bildungsinstitutionen. Diese regionale Verankerung sowie der partizipative Ansatz – etwa durch Gastvitrinen, Ausstellungen oder Vorträge – ermöglichen einen direkten Austausch und machen kulturelle Arbeit konkret und wirksam. So kann das Frauenmuseum zum Resonanzraum für Erfahrungen, vergessene Biografien und gesellschaftspolitische Fragen werden.
Du bist Meranerin. Was war dein erster Kontakt mit dem Frauenmuseum?
Mein erster bewusster Kontakt fällt in meine Gymnasialzeit. Bei einer Ausstellung über Philosophinnen hat es schlagartig „Klick“ gemacht: Ich habe erkannt, wie systematisch Frauen aus dem Denken, der Geschichte und dem kulturellen Gedächtnis ausgeschlossen wurden. Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf Gesellschaft nachhaltig verändert.
Im Studium habe ich diese Themen weiterverfolgt und dabei Konzepte und Formen des Widerstands gegen das Nicht-Gesehen-Werden gefunden.
Was sind die neuen Ziele und Schwerpunkte?
Mein Ziel ist es zunächst, das Frauenmuseum als lebendigen Lern- und Begegnungsort zu sehen und die verschiedenen Bereiche miteinander zu verbinden. Besonders wichtig ist mir die enge Verzahnung von Ausstellungen, Archiv, Vermittlungsarbeit und Fachbibliothek. Neben den bestehenden Angeboten möchte ich verstärkt literarische Formate einbringen – etwa Leseclubs für Erwachsene, literarische Projekte für Schulklassen oder einen Parcours durch die Ausstellung, der literarische Werke und Vitrinen miteinander verknüpft.
Das Frauenmuseum möchte die Besucher:innen aktiv einbeziehen, zum Hinterfragen anregen und neue Perspektiven auf die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Frauen eröffnen. Auf diese Weise können wir die Themen des Museums noch vielfältiger erleben, und das Haus, seine Rolle als Ort des Wissens, der Reflexion und des Austauschs weiter ausbauen.
Gibt es für 2026 schon ein konkretes Programm? Worauf dürfen wir uns freuen?
2026 erwartet die Besucher:innen ein vielfältiges Programm:
• Schwerpunkt ist die Wanderausstellung „Meine Oma, meine Mutter und ich“, die sich mit der Weitergabe transgenerationaler Traumata durch sexualisierte Gewalt auseinandersetzt – ein Thema, das aufrüttelt und berührt.
• Ein weiterer Schwerpunkt ist das Jahr der Bäuerinnen, das in Zusammenarbeit mit der Südtiroler Bäuerinnenorganisation gestaltet wird: Frauen auf dem Land werden sichtbar, ihre Geschichten erzählt und ihre Stimmen gestärkt.
• Ergänzt wird das Programm durch literarische Begegnungen mit starken Autorinnen, die brisante Fragen zur Rolle der Frau in der Gesellschaft aufgreifen.
Julia Aufderklamm studierte Germanistik an der Universität Innsbruck und leitete von 2017 bis 2025 das Jugendkinderbuchzentrum im Südtiroler Kulturinstitut (SKI) in Bozen. Dort organisierte sie Lesungen, Ausstellungen und Fortbildungen rund um Kinder- und Jugendliteratur, sammelte wertvolle Erfahrungen im Vereinswesen und knüpfte Kontakte mit Vertreter:innen der Kulturvermittlung. Im Meraner Stadttheater Puccini führt sie seit 2021 das Publikum in die Theaterabende der SKI-Gastspiele ein.
Frauenmuseum
Meran, Meinhardstrasse 2,
Öffnungszeiten: Mo.–Fr. 10:00–17:00,
Sa. 10:00–12:30, So. geschlossen






























