Einloggen

Einloggen

Der Grazer Gehfotograf - Veröffentlicht von martin_inside

0
×

Achtung

Dieses Event ist vorbei, bleibe mit uns für weitere Events

Event-Informationen

Kuratiert von: Mila Palm, Nicolò Degiorgis
Aus der Sammlung von: Mila Palm
Ein Buch von: Rorhof
Ausstellungsdesign: Flaim Prünster Architekten
Ausstellung: 13.4. - 6.5.2023
Finissage & Buchpräsentation: 6.5.2023, 11 Uhr

Die sogenannten “Gehfotografen” waren zwischen 1927 und 1935 auf den Straßen von Großstädten und touristischen Orten in ganz Europa tätig. Der Beruf wurde während der Weltwirtschaftskrise weit verbreitet, als der New Yorker Börsencrash von 1929 eine Wirtschaftskrise einläutete, die den ganzen Kontinent erfasste und deren Arbeitslosigkeit und Elend in Österreich zum Bürgerkrieg von 1934 führte.

In diesem Klima gingen die Aufträge zurück, so dass Berufsfotografen gezwungen waren, nach neuen Einnahmequellen zu suchen. So entstand das, was im angelsächsischen Kontext als “Street Photography" bekannt wurde.

Heutzutage gilt das Fotografieren an einem öffentlichen Ort ohne Zustimmung des Sujets als Verletzung der Privatsphäre. Doch im Graz der 1930er Jahre waren die Gehfotografen vor allem auf öffentlichen Plätzen aktiv, wo sie auf 35-mm-Film eine Serie von drei Bildern pro Passant aufnahmen. Belichtet und als Postkarten gedruckt, wurden die Fotos als Souvenirs an Passanten verkauft.

Ob ausgeschnitten oder in einer Brieftasche gefaltet, wurden die Fotos zu einer Art Tauschwährung zwischen dem Fotograf und diesen einfachen Leuten, die das Privileg hatten, fotografiert zu werden. Der Fotograf überreichte den Passanten einen Zettel mit den Worten: “Sie sind gefilmt worden”. Die Bilder konnten in den örtlichen Geschäften für je 1,5 Schilling abgeholt werden, was damals ungefähr dem Preis eines Mittagessens entsprach.

Der anonyme Fotograf nutzte die gestiegenen Besucherzahlen der Grazer Herbstmesse, die in den Jahren ab 1906 bis zu 60.000 Menschen in die Stadt lockte, und machte vermutlich zwischen 1927 und 1935 insgesamt über 10.000 Aufnahmen, von denen Foto Forum in der Ausstellung 1.400 Bildsequenzen präsentiert, die wahrscheinlich nie abgeholt worden waren.

Der Fotograf mit seinem Stativ musste bereits in einer längeren Distanz sichtbar gewesen sein. Die Reaktionen der Menschen auf den Anblick der Kamera sind sehr unterschiedlich, wie diverse Aufnahmen in der Ausstellung zeigen: Nicht alle waren davon positiv überrascht und lächelten der Kamera entgegen. Viele wirkten unbeholfen, überrascht, misstrauisch bis irritiert. Nur ein Teil der Abgebildeten ergriff die Möglichkeit, das Bild mitzugestalten und zu posieren.

Als Alltagsfotografie war ihnen oft nur eine kurzfristige Existenz beschienen und nur wenige Beispiele sind erhalten geblieben. Der Umfang dieses Bestands erscheint in dieser Hinsicht besonders reizvoll. Er bietet nicht nur einen umfassenden Einblick in das Straßenleben von Graz der 1920er und 1930er Jahre, sondern auch einen einmaligen Querschnitt der Grazer Gesellschaft. Erfasst wurden auch jene Personen, die sich diese Fotografien nicht leisten konnten, zumal es sich um jene Beispiele handelt, die nicht abgeholt wurden.

Die Straßenfotografen waren ein Phänomen das unter den heutigen Bestimmungen nicht mehr existieren könnte. Andererseits ist die Videoüberwachung unserer Straßen zum Alltag geworden.

Die gezeigten Bilder werfen nachdenklich stimmende Fragen über die Privatsphäre heute und damals auf. Vor allem aber dokumentieren sie auf subtile und kaleidoskopische Weise, wie der Bürgersteig zum Laufsteg wurde.

Am 6. Mai um 11 Uhr laden wir Sie herzlich zur Finissage mit Buchpräsentation ein.

Kontakte :

Datum und Uhrzeit des Events :

Veröffentlicht von :

Könnte dich auch interessieren :

  • Avremo l’onore di ospitare i coniugi Schilirò, genitori del bambino che nel 2002 è guarito miracolosamente da una malformazione congenita ai polmoni. Ci offriranno la loro toccante testimonianza di fede e di vita, raccontando il miracolo che, certificato dall'équipe medica, ha portato alla beatificazione dei santi Luigi (1823-1894) e Zelia Martin (1832-1877), genitori di santa Teresa di Lisieux (1873-1897). Si tratta di un evento di straordinaria rilevanza, che rappresenta una preziosa occasione di riflessione e di condivisione per tutta la comunità. È un’opportunità rara poter ascoltare la voce diretta di chi ha vissuto un’esperienza così profonda e significativa.
  • Keramik-Workshop auf Schloss Runkelstein „Von der Wand zum Kunstobjekt“ Leitung: Stefania Titton, Keramikerin und Archäologin Termine: Samstag, 14. und 28. März 2026, 10:00-12:30 Uhr Zwei Termine, um das eigene Kunstwerk zu modellieren und zu bemalen, inspiriert von den Details der Schlossfresken. Samstag, 14. März – Modellierung einer Führung durch die „Bilderburg“ und einer Einführung in die historische Keramikkunst können die Teilnehmer*innen unter Anleitung der Keramikerin eigene Werke aus Ton modellieren. Samstag, 28. März – Dekoration Die bereits gebrannten Stücke werden mit Engoben (tonhaltigen Farben) dekoriert, inspiriert von den Fresken des Schlosses, die Szenen des höfischen Lebens, Legenden, Ritterepen und verschiedene dekorative Motive zeigen. Durch das genaue Studieren und Nachempfinden der Wandmalereien entdecken die Teilnehmer*innen geometrische und gestalterische Details, die einem flüchtigen Blick entgehen würden. So entsteht ein lebendiges Erinnerungsbild der Fresken, sowohl geistig als auch in Form eines eigenen, handgefertigten Keramikobjekts. Teilnahmegebühr: 50 € (inkl. Material und Brennvorgang) Info: runkelstein@runkelstein.info / 0471329808 Reservierung erforderlich
  • Das Museion freut sich, eine umfassende Ausstellung des Künstlers Franco Vaccari (Modena, 1936–2025) zu präsentieren, der zu den prägnantesten Stimmen der italienischen Konzeptkunst der Nachkriegszeit zählt. Sie versammelt Foto- und Videoarbeiten, Künstlerbücher und Archivmaterialien und bietet erstmals einen eingehenden Überblick über die im Zentrum seines Schaffens stehenden Rauminstallationen. Ursprünglich aus Anlass von Vaccaris 90. Geburtstag geplant, ist dies die erste große institutionelle Ausstellung des Künstlers in Italien seit über einem Jahrzehnt. Sie ordnet sein Werk in einen breiteren internationalen Diskurs ein, der um die Mitwirkung des Publikums kreiste und den Besucher*innen eine aktive Rolle bei der Gestaltung des Kunstwerks selbst zuwies. Nach einem Studium der Physik wandte sich Franco Vaccari Ende der 1960er-Jahre der bildenden Kunst zu und hinterfragte in seiner Praxis konsequent die Vorstellung des Kunstwerks als eines feststehenden Objekts. Anstatt autonome Werke zu erschaffen, konzipierte er die von ihm entwickelten Projekte als Ausstellungen in Echtzeit (Esposizioni in tempo reale): Hierbei entfaltet sich das Kunstwerk in der Zeit und wird durch Gegenwart und Handlungen der Betrachter*innen geformt. Dieser Ansatz zieht sich durch sein mehr als 50 Jahre umspannendes Œuvre und vereint Werke mit einer großen medialen Bandbreite – von der Fotografie und der Filmkunst über Sound und Video bis hin zu frühen internetbasierten Projektarbeiten. Für Vaccari spielt die Technologie eine wichtige Rolle in der Weise, wie Wirklichkeit wahrgenommen, erinnert und geteilt wird. Diese künstlerische Strategie beschrieb der Künstler in seinem wegweisenden Essay Fotografia e inconscio tecnologico (Fotografie und das technologische Unbewusste) (1979) als „occultamento dell’autore” („Verschwinden des Autors“). Anstatt diesem eine endgültige Form zu geben, schafft er vielmehr Bedingungen, unter denen Bedeutung – im Zusammenwirken von Interaktion, Zufall und kollektiver Präsenz – entstehen kann. Die Betrachtenden stellen somit keine passiven Beobachter*innen dar, sondern sind wesentlicher Bestandteil des Kunstwerks an sich. Vollendeten Ausdruck findet dieses Prinzip in Vaccaris Rauminstallationen: Meist handelt es sich dabei um temporäre Architekturen, die Ausstellungsräume in Orte der Erfahrung verwandeln. Vaccaris Werke verfolgen keine bestimmte gestalterische oder architektonische Absicht, stattdessen sind sie oft angeregt von alltäglichen oder wiederverwendeten Materialien. Sie bleiben offen für das Unvorhersehbare und geben dem, was in ihnen geschieht, den Vorrang gegenüber ihrer physischen Struktur. Die thematisch geordnete Ausstellung entfaltet sich in einer Abfolge von Rauminstallationen und weiteren Arbeiten, die grundlegende Aspekte von Vaccaris Praxis ausloten. Themensetzungen zu den Spuren, die Menschen hinterlassen, zum kollektiven Unbewussten und zur Bildung von Erinnerungen lenken den Blick auf die Werke und bestimmen die von Fosbury Architecture besorgte Ausstellungsgestaltung. Den Auftakt zur Ausstellung bilden Projektarbeiten, die auf die Dunkelheit fokussieren – als Möglichkeit einer Annäherung an die Welt des Unbewussten und des Traumes. Im übertragenen wie im wörtlichen Sinne sind die Besucher*innen eingeladen, in das eigene Innere „hinabzusteigen“. In gedimmter Umgebung verlangsamt sich die Wahrnehmung, und vertraute Sichtweisen treten in den Hintergrund, erlauben ein aufmerksameres Erleben über die Sinne. Rauminstallationen wie La Scultura Buia (1968), Esposizione in tempo reale n. 19, Codemondo (1980) und Esposizione in tempo reale n. 20, Ambiente grigio multiuso, scatola per sondare lo spazio vicino e lontano (1987) schaffen Situationen, in denen die persönliche Erfahrung Teil eines gemeinsamen Raumes wird. Die Ausstellung setzt sich fort mit Rauminstallationen, die Vaccaris Interesse an den Spuren menschlicher Gegenwart adressieren. Diese finden ihren Niederschlag in öffentlichen urbanen Räumen ebenso wie in den gesellschaftlichen Dynamiken temporärer Gemeinschaften. Neben dem 1972 auf der Biennale in Venedig vorgestellten, ikonischen Projekt Esposizione in tempo reale n. 4, Lascia su queste pareti una traccia fotografica del tuo passaggio und dem hieraus entwickelten, ambitionierten Werk Photomatic d’Italia (1972–1975), das unter Einbeziehung von Fotoautomaten in öffentlichen Räumen in ganz Italien entstand, spüren auch die beiden Arbeiten Esposizione in tempo reale n. 21, Bar Code – Code Bar (1993) und Mini cinema (2003) Aspekten von sozialer Interaktion, kollektivem Verhalten und Momenten spontaner Begegnungen nach. Vaccaris Rauminstallationen werden in der Ausstellung nicht im Sinne statischer Rekonstruktionen präsentiert, sie bilden vielmehr reaktivierte Situationen, die den ursprünglichen Intentionen des Künstlers treu bleiben und zugleich auf das heutige Publikum reagieren. Die Sammlung des Museion umfasst etwa 20 Werke Franco Vaccaris, die überwiegend dem im Jahr 2020 dem Museum als Schenkung überlassenen Archivio di Nuova Scrittura angehören. Dieses Werkkompendium beinhaltet auch einige der frühen Text-Bild-Arbeiten des Künstlers, die seine Anfänge als visueller Dichter markieren und in denen bereits sein anhaltendes Interesse an Sprache, Spuren und menschlicher Präsenz hervortritt. Die Aufnahme einiger dieser Werke in die aktuelle Ausstellung zeigt Querverbindungen zwischen Vaccaris frühen künstlerischen Erkundungen und den Sammlungsbeständen des Museums auf. Franco Vaccari Franco Vaccari wurde am 18. Juni 1936 in Modena geboren und absolvierte zunächst eine wissenschaftliche Ausbildung im Bereich der Physik. Nach künstlerischen Anfängen als visueller Dichter gestaltete er 1969 seine erste Esposizione in tempo reale, in der er das für seine spätere künstlerische Praxis zentrale Konzept der „Ausstellung in Echtzeit“ einführte. Wenngleich sein Schaffen unterschiedliche Herangehensweisen umfasst, wird es doch häufig aus dem Blickwinkel des konzeptuellen Realismus betrachtet. Esposizione in tempo reale n. 4, Lascia su queste pareti una traccia fotografica del tuo passaggio gehört zu seinen bekanntesten Arbeiten und war 1972 in einem eigenen Raum im Hauptpavillon der Biennale von Venedig zu sehen; in den Jahren 1980 und 1993 bespielte Vaccari dort erneut separate Räume. Neben seiner künstlerischen Arbeit begründete Vaccari ebenfalls eine einflussreiche theoretische Tätigkeit und publizierte wegweisende Texte wie Duchamp e l’occultamento del lavoro (1978) und Fotografia e inconscio tecnologico (1979). Seine Werke wurden international in bedeutenden Ausstellungen und Institutionen präsentiert, so etwa auf der Gwangju Biennale in Südkorea, in der Kunsthalle Basel, im Musée de l’Elysée in Lausanne, im Mostyn in Wales, in der Fondazione Morra Greco in Neapel und auf der Mailänder Triennale. Franco Vaccari verstarb 2025.

Trag deine Veranstaltungen in den ersten und beliebtesten Veranstaltungskalender Südtirols ein!

BIST DU SCHON REGISTRIERT?

LOGGE DICH EIN

NOCH NICHT?

Verpasse nicht die besten Veranstaltungen in Südtirol!

ABONNIERE UNSEREN WÖCHENTLICHEN NEWSLETTER

Möchtest du deine Events in unserem Magazin veröffentlicht sehen?

ERHALTE EINEN MONATLICHEN HINWEIS ZUM REDAKTIONSSCHLUSS

Möchtest du deine Veranstaltungen oder dein Unternehmen bewerben? Wir sind dein idealer Partner und können maßgeschneiderte Lösungen und Pakete für alle deine Bedürfnisse anbieten.

GEHE ZUR WERBEBEREICH

KONTAKTIERE UNS DIREKT

INSIDE EVENTS & CULTURE

Magazine mensile gratuito di cultura, eventi e manifestazioni in Alto Adige-Südtirol, Trentino e Tirolo.
Testata iscritta al registro stampe del Tribunale di Bolzano al n. 25/2002 del 09.12.2002 | Iscrizione al R.O.C. al n. 12.446.
Editore: InSide Società Cooperativa Sociale ETS | Via Louis Braille, 4 | 39100 Bolzano | 0471 052121 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..