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Virtual Opening: Georg Zeller - Koloko Street - Veröffentlicht von martin_inside

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Event-Informationen

Die Fotoserie “Koloko Street” des Filmemachers und Fotografen Georg Zeller zeigt erstmals Bilder aus dem Security Estate Silver Hills in der Provinz Gauteng in Südafrika. Die Häuser dieser Agglomeration sind umgeben von Mauern und Elektrozäunen und werden von hunderten Kameras überwacht und von bewaffnetem Sicherheitpersonal geschützt. Eine Straße des Viertels gibt der Ausstellung ihren Titel.

Der Begriff Apartheid bezeichnet auf Afrikaans die extremistische Politik der Rassentrennung, die fast ein Jahrhundert lang das Land kennzeichnete. Auf Deutsch könnte man das Wort mit “Getrenntheit” übersetzen. Silver Hills ist eines der über 6.500 Hochsicherheits-Wohnviertel in Südafrika, die die gesellschaftliche und rassistische Segregation heute in Form von planerisch-architektonischer Abschottung fortsetzen und damit die hier weiterhin vorherrschende Gewalt und mangelnde Inklusion und soziale Mobilität augenscheinlich machen. Um in solch eine Gated Community (“Umzäunte Gemeinschaft”) aufgenommen zu werden, ist Geld Voraussetzung. Mit Unterzeichnung viele Seiten umfassender Verträge verpflichten sich die Bewohner zur Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen, bestimmter Verhaltensweisen, der Achtung der Privatsphäre der anderen Bewohner sowie der gesamten Struktur. Gäste kommen nur auf Einladung ins Gelände und müssen sich einer Sicherheitskontrolle unterziehen. Alle anderen bleiben draußen.

Security Estates gibt es nicht nur in Südafrika, sie sind typisch für Länder mit extremem Wohlstandsgefälle und polarisierten Gesellschaften wie beispielsweise Brasilien, Mexico, Argentinien, Indien, Israel, Indonesien oder Thailand. Aber auch in den USA, Großbritannien und Rumänien oder in den Luxus-Wohnvierteln Roms und Mailands sind ähnliche Situationen anzutreffen.
Den Bewohnern geht es immer darum, ihr Geld und ihre Privilegien vor dem Zugriff Außenstehender zu bewahren: Arme, Randgruppen, Menschen ohne Zugang zu Welfare und Sozialstrukturen, die in der Konsequenz oft zu allem bereit sind: Kampf, Raub oder gar Mord. “Koloko Street” reflektiert folglich eine Frage von globaler Relevanz, die nicht einem bestimmtem geografischen oder historischen Kontext zugeordnet ist.

Und gerade heute, wo das sich Einschließen zu Hause und soziale Distanz oberstes Gebot sind, erscheint es noch beunruhigender, sich mit dieser selbstauferlegten Segregation der Security Estates zu befassen, die nicht in einem Virus begründet liegt, sondern in der falschen Verteilung wirtschaftlicher und natürlicher Ressourcen: Geld, Zugang zum Gesundheitssystem, zu politischer Inklusion, Wasser und dem Reichtum durch Bodenschätze. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass obwohl Südafrika mit extremer Wasserknappheit zu kämpfen hat, unzählige der Gated Communities um einen Golfplatz herum angelegt sind zu dessen Bewässerung täglich je zirka 2.000 Kubikmeter Wasser verbraucht werden (so viel wie eine Stadt mit 9.000 Einwohnern täglich). Außerdem hat hier fast jedes Haus einen eigenen Pool und einen tropischen Garten der gegossen werden muss.

Die von Zeller fotografierten Häuser erinnern an Bunker ohne jegliche Empathie, wie Modelle eines dystopischen Stadtmodells, jedoch in einer realen Welt. “Diese Orte haben sehr wenig mit den Wohnvierteln einer gewöhnlichen Stadt gemein. Hier kennt man von seinen Nachbarn nur die bevorzugte Automarke und vielleicht noch, wie viele Hausangestellte sie sich leisten können.” – berichtet Georg Zeller und weiter – “Hier verlässt man sich nicht auf staatliche Gewalt und Polizei, sondern legt die eigene Sicherheit in die Hände privater Unternehmen. Hier zu leben fühlt sich an wie in einem großen Luxus-Gefängnis. Die Fotografien der Serie sind Nachtaufnahmen, um das Gefühl der häuslichen Segregation zu unterstreichen. Die Anwesenheit von Menschen wird einzig durch die brennenden Lichter hier und dort angedeutet.”

Die Bewohner der Umzäunten Gemeinschaften haben hinter Mauern, Stacheldraht und Sicherheitsleuten nicht nur eine bedrohliche Außenwelt außen vor gelassen, sondern auch viele Freiheiten und positive Eigenschaften: Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit (hier werden die Farben der Fassaden und die Pflanzensorten der Vorgärten vertraglich vorgeschrieben), die Möglichkeit empathisch und solidarisch sein zu können. Italo Calvino schreibt in seinem “Baron auf den Bäumen”: “Wenn du eine Mauer errichtest, bedenke was du außen vor lässt.” Ein weiser Rat, der viel zu häufig überhört wird.

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