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Vernissage: Simon Terzer - Forward to the Roots - Veröffentlicht von martin_inside

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Das Kunstforum Unterland zeigt die Ausstellung „Forward to the Roots“ des aus Margreid stammenden Fotografen Simon Terzer.

Er besucht zur Zeit in Berlin die Ostkreuzschule für Fotografie und Gestaltung, der dort lehrende Dozent Enno Kaufhold schreibt:„Ganz fraglos lassen Simon Terzers farbhomogene Bilder an die abstrakt-expressionistischen Gemälde von Barnett Newman sowie an die Farbfeldmalerei Mark Rothkos denken. Doch anders als deren Malerei verkörpern seine Bilder die Materialität moderner Digitaltechnik.

Der Titel 'Forward tothe Roots' ist als Paradox und zugleich als Wortspiel gemeint, bei näherer Betrachtung erweist er sich jedoch als Ausdruck einer künstlerischen Strategie. Das Voranschreiten meint eigentlich das Zurückblicken auf die Wurzeln, in diesem Fall die fotografischen. Roots bezeichnet zudem die Gattung der Wurzeln, also Gemüse.

Tatsächlich arbeitet Simon Terzer, und schon da unterscheidet er sich von den Malern, mit Karotten, roter Bete, Pastinaken und anderen Wurzelgemüsen. Gekocht und dann fachgerecht püriert trägt er die aus dem Wurzelgemüse gewonnenen 'Emulsionen' in ihren unterschiedlichen Farben und Dichten auf eine Glasscheibe auf. Eine diffuse Hintergrundausleuchtung lässt diese deutlicher hervortreten und konstituiert so die Bildfläche, die dann mit einer Digitalkamera reproduziert wird. Analog, wie bei den Malern die Farbe, ist bei diesem Vorgehen lediglich das pürierte Wurzelgemüse, das jedoch im anschließenden Prozess des Digitalen verschwindet: Aufnahme, Konvertierung im Rechner, Ausdruck im Digital-Drucker.

Das Ergebnis ist ein auf einer matten Papieroberfläche entstehendes, großflächiges Bild, das seine wahre Materialität nicht auf den ersten Blick verrät, denn auch eine gemalte Oberfläche wäre denkbar, gehört zum Konzept, nämlich des intendierten Oszillierens zwischen der Anmutung herkömmlicher Malerei und der des technisch erzeugten digitalen Bildes.

Nicht minder irritierend verhält es sich mit der Frage, in welchem Maße seine Bilder als abstrakt oder aber als konkret zu bezeichnen sind. Mit dem Wurzelgemüse als Ausgangsmaterial, auf das verwiesen werden kann, haftet den Bildern ein Rest des Abstrakten an, in der ästhetischen Anmutung gehen diese jedoch in der von Simon Terzers intendierten konkreten Kunst auf. Schließlich geben ihm die Bilder eine Antwort auf die Frage nach den Wurzeln der Fotografie und zugleich fällt der Blick auf die Opazität dieses Mediums.

Denn Fotografien werden heute nicht mehr allein nach ihrer Bildhaftigkeit, sondern verstärkt nach ihrer physischen und mithin opaken Materialität befragt. In dem pürierten Wurzelgemüse anstelle der fotografischen Emulsionen, wie in früheren Tagen, ist diese Materialität ebenso gegeben wie in dem modernen digitalen Ausdruck. Metaphorisch betrachtet kann von einer ökologisch originären Substanz gesprochen werden, die dann im Zuge der Digitalisierung in eine neue materielle und zugleich ästhetische Form übergeht. Das zeigt die aus der Vergangenheit erwachsene Zukunft, sichtbar gemacht in konkreten Bildern, in denen die organisch gewonnenen Farben in ihren je flächig variierten Farbaufträgen als autonome ästhetische Objekte in den Vordergrund treten “

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