Die Ausstellung untersucht die Eigenheiten des Zusammenlebens von zwei oder mehreren Volksgruppen über die Jahrhunderte in Grenzgebieten, die aufgrund von historischen Ereignissen oder strategischer Politik, territoriale Veränderungen erfahren haben: Sudetenland (CZ), Trentino / Südtirol (I) und Istrien (CRO).
Die 10 Künstler_innen interpretieren die Gefühle, den kulturellen Hintergrund und die geschichtliche Erinnerung der jeweiligen Minder- bzw. Mehrheiten, ohne dokumentaristisch zu sein. Die Ausstellung zeigt auf, wie die verschiedenen Volksgruppen in den besagten Grenzgebieten vom Zusammenleben bereichert wurden, aber auch wie Momente der Spannung aufgrund der jeweiligen Politik und Nationalismen erlebt wurden. In Trentino-Südtirol, Sudentenland und Istrien lebten oder leben verschiedene ethnische und sprachliche Gruppen zusammen und erinnern sich an schwierige Bedingungen, Auseinandersetzungen und Ereignisse welche reale Ungerechtigkeiten und Frustrationen mit sich brachten. Explizit geht es um das Zusammenleben von Tschechen und Deutschen im Sudetenland, von Kroaten und Italienern in Istrien und von Österreichern und Italienern in Trentino-Südtirol.
Die ausgestellten Werke nehmen poetischen Bezüge vor, laden zu gegensätzlichen Überlegungen ein, stellen Fragen und provozieren anthropologische Zweifel durch unterschiedliche Standpunkte. Die Ausstellung besteht vor allem aus Installationen, Skulpturen, Fotographie und Videoarbeiten. Die Mannigfaltigkeit der Medien zeigt eine rege Recherchetätigkeit, die auch die Konfrontation und das Experiment nicht scheuen.
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit zwischen der Werkbank Lana und der Kunsthalle Eurocenter Lana, dem House of Arts der Fakultät für Kunst und Design der Universität von Usti nad Labem (Tschechischen Republik), sowie dem Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst in Rijeka (Kroatien). Nach der Präsentation in Südtirol, wandert die Ausstellung im Oktober nach Usti nad Labem und 2017 ist sie in Rijeka zu sehen. Zum Ausstellungsprojekt wird eine umfangreiche Publikation veröffentlicht die Texte von verschiedenen Intellektuellen zum Thema enthält.
Rahmenprogramm:
Ein geführter Rundgang durch die Ausstellung, geleitet von der Kuratorin Camilla Martinelli, wird am Mittwoch, 21. September um 19 Uhr angeboten. Am Freitag, 23. September um 20 Uhr wird im Kultur.Lana in Lana der Film „Grenzgänge – Eine Sudetendeutsche Spurensuche“ (Regie: Martin Hanni) gezeigt. Der Film ist ein Portrait der Publizistin Wolftraud de Concini Schreiber die seit vielen Jahren in der Region Trentino/Südtirol lebt. Geboren wurde sie allerdings in Böhmen, einer Gegend, aus der nach dem 2. Weltkrieg viele deutschsprachige Tschechen vertrieben bzw. ausgesiedelt wurden – auch die damals fünfjährige Wolftraud, samt Eltern und Geschwister.