Thom Luz
Ein rauchendes Autowrack auf einer nächtlichen Waldlichtung, aus dessen kaputtem Radio romantische Salon-Träume von Felix Mendelssohn Bartholdy rauschen. Diese musikalische Crash-Skulptur wird im Lauf einer Vorstellung von fünf Klang- und Illusionsexpert*innen minutiös aufgebaut - Scherbe um Scherbe, Klang um Klang. In der Gegenüberstellung zu dieser sich langsam zusammensetzenden Blech-Katastrophe erweitert ein elektrisches Kammermusiktrio Mendelssohns Klavierzyklus Lieder ohne Worte um ungeahnte Hall- und Geräuschdimensionen. So wird das Ende eines Road-Movies zum Ausgangspunkt der neuen Musiktheater-Entwicklung des Schweizer Regisseurs und Bühnenbildners Thom Luz.
Lieder ohne Worte handelt von Schock und Sprachlosigkeit, von Perspektivenwechseln, Zerstörung und Zukunft und der notwendigen Neukonstruktion der Gegenwart. Wie haben wir uns gegen die Wand gefahren? Existieren wir noch? Und was nun? Wo die Worte nicht hinreichen, formieren sich die Töne neu. Im Zusammenspiel von katastrophischen Bildern und musikalischen Überlagerungen entsteht eine filigrane, minutiös durchdachte Raumkomposition.
Wenig Sprache auf Deutsch/Englisch/Französisch mit Untertiteln.
Manuel Zwerger
Ein verlassener Ort wird zum Klangkörper. The Sanatorium of Soft Gravity ist ein immersives Musiktheater zwischen Installation, Konzert und szenischer Komposition – Raum, Klang, Bewegung und Licht verdichten sich zu einer begehbaren Erfahrung. Den Kern bilden zwei Ensembles. Ihre Instrumente treffen auf Audioplaybacks, selbstgebaute Klangobjekte und eine eigens entwickelte semianaloge Maschine, die über Schläuche und mechanische Verbindungen direkt mit den Musiker*innen gekoppelt ist – Klangkörper, skulpturales Bühnenelement und eigenständiger Akteur in einem. Die Klänge wandern durch den Raum, verändern Gestalt und Ursprung, knüpfen immer neue räumliche Beziehungen. Inspiriert von der Atmosphäre des Sanatoriums in Thomas Manns Der Zauberberg entsteht ein Zustand sanfter Verschiebung – zwischen Konzert, Installation und Traum.
Von und mit Gianluca Iocolano
Musik: Christa Plank
Regie: Marta Dalla Via
Männer tun manchmal so, als würden sie nichts sehen. Oft erkennen sie Mechanismen nicht, die für sie längst zur Gewohnheit geworden sind – unabhängig von der Generation. Gerade deshalb ist es heute wichtiger denn je, Dinge beim Namen zu nennen. Das Stück lädt dazu ein, das Schweigen zu brechen und den Blick zu schärfen – damit Gewalt früh erkannt wird, selbst dort, wo sie sich in den feinen Nuancen der Sprache verbirgt. Nicht mit dem Anspruch auf die große Revolution, sondern mit kleinen Schritten, die Veränderung möglich machen.
Gianluca Iocolano nutzt die Satire, um den Schleier der Gleichgültigkeit zu zerreißen. Freuen Sie sich auf ein zweisprachiges Wechselspiel aus Storytelling, Sketches und eigenen Singer-Songwriter-Stücken.
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