von Giuseppe Verdi
Muskalische Leitung: Sebastiano Rolli
Regie: Andrea Bernard
Die temperamentvolle wie einfühlsame Musik mit ihren unvergesslichen Melodien adelt in "La Traviata" eine ungewohnte, da unehrenhafte Beziehung - mit ein Grund, dass die heute so beliebte Oper bei der Uraufführung durchfiel. Der Bozner Regisseur Andrea Bernard knüpft an den sozial progressiven, skandalträchtigen Charakter des Sujets an und hinterfragt die berührende Beziehungsgeschichte. Hinter den leidenschaftlichen Liebesbeteuerungen diagnostiziert er eine gegenseitige Abhängigkeit: Violetta und Alfredo, beide einsam und ehrgeizig, brauchen sich für die Festigung ihrer gesellschaftlichen Position. Und wenn bei Verdi die Protagonistin an Schwindsucht stirbt, so wird es in heutiger Lesart die Depression: eine zeitgenössische "Traviata" also, die dem Geist des Meisterwerks treu bleibt.