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Hans Piffrader - Die zwei Welten in seiner Kunst - Veröffentlicht von martin_inside

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Der SÜDTIROLER KÜNSTLERBUND widmet diese - von Mathias FREI kuratierte - Ausstellung dem zwiespältigen Werk des 1888 in Klausen geborenen Bildhauers und Kunstgrafikers Hans Piffrader. Er war von 1947 bis kurz vor seinem Tod 1950 auch Präsident des Künstlerbundes.

Die zweigeteilte Werkschau gewährt erstmalig einen (wenn auch begrenzten) Einblick in beide Seiten seines künstlerischen Schaffens, das unter dem Motto „Die zwei Welten in seiner Kunst“ vorgestellt wird. Sie soll auch zur kritischen Betrachtung und Auseinandersetzung mit zeitgeschichtlichen politischen Gegebenheiten und Ereignissen anregen, die nicht nur das künstlerische Geschehen zwischen den beiden Weltkriegen leidvoll berührt und mitgeprägt haben.

Hans Piffraders „freies“ Kunstschaffen begann zwar schon während des zweiten Abschnittes seiner Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste in Wien (Klasse Bildhauerei und Spezialkurs für Kunstgrafik), nachdem er sein 1911 in Wien begonnenes Studium infolge der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915 unterbrechen musste. Am exponierten Pasubio-Plateaus der Dolomiten-Südfront erlebte und erlitt er als Kaiserjägeroberleutnant die äußerst blutigen Kämpfe, die sich als lebenslanges Trauma tief in sein schwermütiges Innere eingeprägt haben.

Diese Werkphase reicht von 1920 bis 1937 (Piffrader ist 1924 von Wien nach Klausen zurückgekehrt und hat sich ab 1931 definitiv in der Bozner Vintlerstrasse niedergelassen). Sein Werkspektrum umfasst Skulptur (besonders Bronze, auch Holz) und noch mehr Grafik als Bleistift- und Kohlezeichnung (auch koloriert), seltener Ölbilder. Die thematischen Inhalte und Grundstimmung sowie die formale Gestaltung seiner profanen als auch sakralen Werke kreisen in flackernden Licht-Schatten-Kontrasten und dramatisch expressiv bis surreal übersteigerter Ausdrucksgestik und Gebärdensprache als beklemmende Visionen um Leid und Schmerz des menschlichen Seins (manch gespenstischen Bilderwelten von Alfred Kubin vergleichbar). Piffraders Aussagen sind “ keineswegs dazu geschaffen, Ängstlichen zu gefallen!“ Erst in den 1930er Jahren kann man eine Hinwendung zu kompositorischer Formverfestigung und auch zu thematischer Weitung feststellen (Porträts, bäuerliches Leben und sinnenfrohe Akte).

Die „Zweite Welt“ in seiner Kunst beginnt 1938 und reicht bis 1943 (Fertigstellung des „Mussolini-Reliefs“ und Fall des Faschismus). In den „Sog“ des Faschismus geriet Hans Piffrader vor allem anlässlich der von faschistischen Künstlersyndikat der „Venezia Tridentina“ (im Rahmen der seit 1922 ausgerichteten Bozner Biennale) 1938 ausgeschriebenen und ideologisch dominierten großen Kunstausstellung im Neubau des Istituto Tecnico „Cesare Battisti“ in der Bozner Cadornastraße. In der unter dem vom Syndikat „empfohlenen“ programmatischen Leitmotiv „LA GRANDEZZA DEL TEMPO DI MUSSOLINI“ stehenden Werkschau war Piffrader mit einem mächtigen BRONZERELIEF vertreten, das den stolzen Siegesspruch Cäsars „VENI, VIDI, VICI“ trägt und den von einem martialischen Legionär unterjochten „Löwen von Juda“ (das Emblem des gemäß Tradition vom biblischen Stamme Juda abstammenden äthiopischen Kaisers) abbildet. Die große Relieftafel hängt heute noch „friedlich“ im Atrium der Schule!

Nach dieser „Hommage“ an das Regime erhielt Piffrader – als damals bekanntester Künstler des „Alto Adige“ – den Auftrag zu Planung und Ausführung des 57 Szenen umfassenden Marmorreliefs an der Frontfläche ober dem „arengario“ (ausladender Balkon) der als „Casa Littorio“ neuerrichteten faschistischen Parteizentrale am heutigen Gerichtsplatz in Bozen. Dem von Piffrader 1939 mit Hunderten Kohlezeichnungen, Skizzen und entsprechenden Gipsmodellen begonnenen und mühsam in edlem Marmor umgesetzten monumentalen Hochrelief fehlten beim Sturz Mussolinis und der faschistischen Diktatur (25. Juli 1943) immer noch drei zwar ausgeführte, jedoch aus „Zeitgründen“ nicht mehr eingesetzte Reliefszenen, die erst im April 1957 (!) angebracht worden sind.

Die maßlose Inszenierung des Siegesmythos des Regimes und seines Duce Mussolini sollte thematisch und formal die Ideologie und das Pathos imperialer Machtdemonstration eines totalitären Staates zelebrieren und mithin „in Stein gemeißelt“ auf „ewig“ verherrlichen – mit dem kategorischen Imperativ des CREDERE, OBBEDIRE, COMBATTERE in der Szene des Duce in Herrscherpose auf ungezäumtem Hengst, die Rechte zum „saluto romano“ erhoben.

Dass Hans Piffrader - trotz der 1940 erworbenen Parteimitgliedschaft – in einzelnen Themenvorgaben nicht immer den Vorstellungen des Auftraggebers entsprochen hat und darob auch harsch gerügt wurde, davon kann man sich in der Ausstellung auch selbst überzeugen.

Weitere Unterlagen und Zeitdokumente in Wort, Bild und Film zu Piffraders Lebensweg, Werk und Umfeld begleiten diese anspruchsvolle Ausstellung. (mf)

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