Einloggen

Einloggen

Josef Rainer Metamorphoses - Veröffentlicht von martin_inside

0
×

Achtung

Dieses Event ist vorbei, bleibe mit uns für weitere Events

Event-Informationen

In Ovids kosmologisch-mythologischem Epos „Metamorphosen“ sind die Protagonisten – Götter wie Helden – stetem Wandel unterworfen. Beginnend mit der Weltentstehung aus dem Chaos und durch alle Zeiten hindurch ändern sie ihre Existenzform und Physis, überwinden Grenzen und treten in unterschiedlicher Gestalt auf. Unter dem Gesichtspunkt der dauernden Veränderung der Welt sind sie und ihre Umwelt ständiger Umformung ausgesetzt, stets auf der Suche nach Identität und Verwirklichung. Verpackt in mythologische Geschichten werden Erneuerung, Scheitern und kafkaeske Verwandlung vorweggenommen und beschrieben. Trotz aller Umgestaltung behalten die Akteure aber stets ihren wesensbestimmenden Kern. Nicht zuletzt durch die Idee der Wandelbarkeit, der antistatischen Grundhaltung und der fließend verscheinenden Grenzen zwischen Kosmos, Natur und Mensch waren und sind Ovids Verwandlungssagen reiche Inspirationsquelle für Wissenschaft und Kunst – schließlich ist jede Kunst Metamorphose. Für Ovid selbst scheint seine Dichtung Mittel zur Antwortfindung auf eine Frage gewesen zu sein: Was mag hinter allen Erscheinungen Dauer besitzen? – eine Frage, der sich auch diese Ausstellung stellt, ebenso wie der Frage nach Ambiguität und veränderlichen Erscheinungsformen. Dieses Thema wird bereits im Hauptwerk dieser Zusammenstellung aufgegriffen; weiche, glitschige Tonerde wird zu wunderbaren Skulpturen modelliert und durch verschiedene Brennvorgänge in glasharte, bunte Geschichten verwandelt. Klein-Josef bestaunt, auf dem Rand von insgesamt 23 tellerartigen Bühnen sitzend, Kunstwerke berühmter Künstler. Werke, welche die Entwicklung von Josef Rainer in irgendeiner Weise berührt und so sein Schaffen beeinflusst und vielleicht auch verändert haben.
Drei Büsten knüpfen an diesen Versuch einer kurzen Kulturgeschichte an. In zwei Keramikbüsten werden Klassiker der Literatur interpretiert. Italo Calvinos „Il barone rampante“ und Jules Vernes „Die Leiden eines Chinesen in China“. Der Baron scheint mit einem Baumstamm verwachsen zu sein, ein Hinweis auf seine selbstgewählte Einsiedelei in einer Baumkrone. Den Kopf des Chinesen ziert anstelle einer Kopfbedeckung eine Flussszene samt Dschunke, ein Hinweis auf eine Schlüsselszene des Buches. Die dritte Büste, diesmal ein sich drehendes Doppelportrait aus Gips, wechselt janusköpfig vom Bildnis eines Schimpansen in das Charles Darwins. Der Evolutionsforscher Darwin ist in diesem Werk untrennbar mit seinem Forschungsobjekt verbunden. Eine Reihe von Malereien greift dieses Motiv des Menschen-Affen auf und vertieft dieses. Affen blättern und lesen in Büchern der Weltliteratur. Wirken diese Leseaffen nicht sehr menschlich? Liegt der Grund dafür lediglich im Akt des Lesens? Die Thematik des Tier-Menschen wirkt im Keramik-Froschkönig weiter. Der sein Recht einfordernde Frosch scheint just in diesem Moment von der Prinzessin an die Wand geklatscht worden zu sein, noch ganz Froschgestalt. Aber möglicherweise im nächsten Moment schon ein wunderschöner Königssohn.
All diese Überlegungen und Gedankenspiele scheinen die zwei Künstler, auf Schulstühlen sitzend, zu langweilen. Ob sich diese zwei etwas zu klein geratenen Künstler vielleicht mehr an den Museums- und Kunstbauten erfreuen können? Z.B. an dem Modell eines fiktiven Kulturzentrums, welches in Zusammenarbeit mit Bienen entstanden ist. Ein Bauwerk, welches die Wichtigkeit der Kultur im Allgemeinen und besonders in Krisenzeiten unterstreichen will. Dieses futuristisch anmutende Architekturmodell verbindet das baumeisterliche Können der Bienen mit der Zurücknahme, ja beinahe dem Ausblenden des künstlerischen Eingriffes und Egos. Hier kann der Künstler ruhigen Gewissens den Bienen bei der Arbeit zusehen und sich dabei langweilen. Oder sich mit der komplexen Welt des „Theater der Erinnerungen“ beschäftigen. Dieses Anatomie- und Sammlungssaal-Modell vereint verschiedene Elemente, wie die Drachensammlung eines Ulisse Aldrovandi, mit der Platonischen Idee eines „Theater der Erinnerungen“. Und versteht sich als eine Art Welterklärungsmodell, ähnlich den höfischen Kunstsammlungen. Genauso komplex und aktuell ist das Theatersaalmodell, welches Goethes Text „Über Wahrheit und Wahrscheinlichkeit der Kunstwerke“ zitiert und in einer Theaterszene komprimiert. Ein dreidimensionales Gespräch zwischen einem Zuschauer und dem Anwalt des Künstlers. Welches den Wert, aber auch die Aufgabe der Kunst zum Inhalt hat. Vielleicht sind in diesem Rahmen die Wichtigkeit und der Wert der Kunst das einzig Andauernde.

Tags

Kontakte :

Datum und Uhrzeit des Events :

Veröffentlicht von :

Könnte dich auch interessieren :

  • Conferenza. “Arnaldo Loner: il valore della memoria”. Iniziativa organizzata in collaborazione con l’ANPI Alto Adige Südtirol. Letture di Controtempo teatro. Una serata dedicata all’avvocato che ha riportato alla luce la verità sul lager di via Resia, per ricordare che la giustizia si costruisce anche attraverso il ricordo.
  • Bücherpräsentation der Bücher Limitis. und Through the Prism of Borders mit Katia Anguelova, Angelika Burtscher, Sabine Gamper und Karin Schmuck Wann: 20. Januar 2026, 19:00 Uhr Wo: Lungomare, Rafensteiner Weg 12
  • Ilija Trojanow ist der Ehrengast bei der Eröffnung der Ausstellung "Bücherwelten im Waltherhaus". Ilija Trojanow wurde 1965 in Bulgarien geboren. 1971 flohen seine Eltern mit ihm über Jugoslawien und Italien nach Deutschland. Er wuchs in Nairobi und München auf, wo er Rechtswissenschaften und Ethnologie studierte. 1998 zog er nach Mumbai, 2003 nach Kapstadt, heute lebt er in Wien. Seine Romane und Reportagen, darunter „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“, „Der Weltensammler“, „Meine Olympiade“ oder „Tausend und ein Morgen“, sind gefeierte Bestseller, wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und in 31 Sprachen übersetzt. Mit dem Schwerpunkt-Thema der diesjährigen Bücherwelten „Macht“ sowie mit den Themen Freiheit und Unterdrückung hat sich Ilija Trojanow mehrfach auseinandergesetzt, etwa in dem gemeinsam mit Juli Zeh veröffentlichten Essay „Angriff auf die Freiheit“ oder im Roman „Macht und Widerstand“. 2025 publizierte er „Das Buch der Macht“, über das er bei der Eröffnung der Bücherwelten mit Nina Schröder spricht und aus dem er eine kurze Passage vorlesen wird. Es diskutiert und liest: Ilija Trojanow, Autor und Publizist Moderation: Nina Schröder Termin: Di 20.1.2026, 18 Uhr Ort: Oberes Foyer, Waltherhaus Bozen Eintritt frei Die Ausstellung "Bücherwelten im Waltherhaus" ist vom 21. Jänner bis 24. Februar 2026 montags bis samstags von 9-18 Uhr im Waltherhaus, Schlernstraße 1 in Bozen geöffnet. Eintritt frei. Eine Buchausstellung mit umfangreichem Rahmenprogramm. Infos: www.kulturinstitut.org

Trag deine Veranstaltungen in den ersten und beliebtesten Veranstaltungskalender Südtirols ein!

BIST DU SCHON REGISTRIERT?

LOGGE DICH EIN

NOCH NICHT?

Verpasse nicht die besten Veranstaltungen in Südtirol!

ABONNIERE UNSEREN WÖCHENTLICHEN NEWSLETTER

Möchtest du deine Events in unserem Magazin veröffentlicht sehen?

ERHALTE EINEN MONATLICHEN HINWEIS ZUM REDAKTIONSSCHLUSS

Möchtest du deine Veranstaltungen oder dein Unternehmen bewerben? Wir sind dein idealer Partner und können maßgeschneiderte Lösungen und Pakete für alle deine Bedürfnisse anbieten.

GEHE ZUR WERBEBEREICH

KONTAKTIERE UNS DIREKT

INSIDE EVENTS & CULTURE

Magazine mensile gratuito di cultura, eventi e manifestazioni in Alto Adige-Südtirol, Trentino e Tirolo.
Testata iscritta al registro stampe del Tribunale di Bolzano al n. 25/2002 del 09.12.2002 | Iscrizione al R.O.C. al n. 12.446.
Editore: InSide Società Cooperativa Sociale ETS | Via Louis Braille, 4 | 39100 Bolzano | 0471 052121 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..