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Vernissage: Josef Kostner - Picëi - Veröffentlicht von martin_inside

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„Immer still sein, Hände auf dem Rücken, nicht denken, nur immer nachplappern.“

Gerne hatte man damals, wenn die Leute folgsam und achtsam waren. Mit dem Künstler Josef Kostner war es aber nicht so. Er, der im Jahre 1933 geboren wurde und die schwierigen Jahre während und nach dem zweiten Weltkrieg miterlebt hatte, konnte und wollte nicht schweigen. Es war nicht in seinem Charakter, sich befehlen zu lassen. Kostner wollte alles hinterfragen und selbst seine Meinung bilden. Die Erfahrungen einer armen und unterdrückenden Kindheit hatte ihm gelehrt, mit dem eigenen Kopf zu denken. Tief in seinem Inneren spürte er den Drang, seine Gedanken und Emotionen preiszugeben. Schon in seinen Jugendjahren hatte Kostner erkannt, dass er nicht für das tradizionelle Handwerk geschaffen ist, denn sein Herz schlug für etwas Anderes. Schon im Jahre 1949 schrieb er in sein Tagebuch: „Gehe ich den für den Grödner normalen Weg da brauche ich mich überhaupt nicht zu ängstigen, doch mit dem bin ich nicht zufrieden, ich möchte einen Weg gehen, der durch Entlehnungen, Opfer, ja Leiden dennoch zum großen Ziele führt.“ Diesen inneren Drang spürte er so stark, höher als jede Leidenschaft, eher schon als eine Berufung. Mit dem Entschluss eigene persönliche Ideen zu verwiklichen, war ihm klar, dass er einen steilen schwierigen Weg gegen den Strom antritt. Bewusst war ihm auch, dass seine individuelle Ausdrucksformen wenig Verständnis erreichen konnten. Umso größer war sein Schritt und seine Überzeugungskraft, sich von der Tradition und Erziehung zu distanzieren. Eine seiner einschneidenden Hürden war sicherlich die Überwindung der so eingeprägten Sündenschuld. Denn Kostner gehörte noch zu dieser letzten Generation, die große Ehrfurcht vor der Sünde hatte. Sünde war ein überaus entscheidendes Wort, vor dem man Respekt und Angst haben musste. Auch in Kostners Familie wurden die christlichen Vorsätze zu tiefst beachtet. So lastete Kostner schon auf dem Gewissen, wenn er eigene Meinungen hatte und andere Wege gehen wollte. Auch seine Mutter sorgte sich um ihn, deshalb schrieb er 1953 in sein Tagebuch: „Keinen Zweifel lies mir je die Mutter, dass sie mich sehr liebt und eben aus großer Liebe glaube ich, suchte sie immer meine abenteurlichen Pläne aus den Kopf zu schlagen. “So musste Kostner sich zwischen zwei Welten hin und hergezogen fühlen. Einerseits die innere Sehnsucht und andererseits die große Angst durch sein Anders-Sein zu sündigen. Diese Beunruhigung war so stark eingeprägt, dass sie ihn lebenslang charakterisiert hat.

Vor Respekt und Liebe seiner Familie gegenüber hat Josef Kostner 15 Jahre lang in der väterlichen Werkstatt gearbeitet, die ganze Woche von sieben Uhr früh bis sieben Uhr abends. Es blieben ihm nur die Abendstunden und die Sonntage zur Verfügung, um seine Kunst nach eigenem Empfinden zu realisieren. Der Künstler selbst beschreibt diese Jahre als eher belastend, weil er sich doch der Arbeit zum Broterwerb verpflichtet fühlte. Sein Verlangen nach persönlicher Weiterbildung und Entwicklung konnte er nur zwischenzeitlich erfüllen. In dieser Zeit fühlte sich Kostner oft verzweifelt, weil der Traum Künstler zu werden ins Schwanken kam. Die ewige Konfrontation von Tradition und Eigenverwirklichung haben ihm sehr zu Schaffen gemacht. Aber das Feuer in ihm war nicht zu tilgen und so konnte er sich schließlich von den Fesseln der Tradition befreien. Dies belebt seine klare Aussage im Tagebuch: „Ich habe bewusst der Jahrhundertenalten Tradition den Rücken gekehrt, indem ich bewusst meine Skulpturen in Ton und Beton ausführe, um dem ererbten Holzkomplex auszuweichen.“

Die größte Freude für den Künstler war sicherlich die gebotene Stelle als Professor der Kunstschule annehmen zu können. Nun konnte er sich vom Kunsthandwerk als Broterwerb distanzieren und seine Ideen frei realisieren. Mit Überzeugung und Konsequenz schuf er in den Jahren eine ausdrucksstarke und authentische Kunst. Sicherlich haben ihn die vielen Kenntnisse der antiken Kulturen bis zu den Kunstströmungen seiner Jahre eine Basis für die eigene künstlerische Entwicklung gegeben. Entwicklung, die trotz allem von den eigenen Lebenserfahrungen und dem Gefühl für die menschliche Existenz charakterisiert ist. Wie der Künstler aber selbst sagte, war sein Kunstschaffen nicht nur dazu bestrebt, eigene Emotionen und Empfindungen loszulassen, sondern auch andere Menschen anzusprechen, sie zum Nachdenken anzuregen und eigene Meinungen zu entwickeln.

Die Ausstellung im Kreis für Kunst und Kultur in St. Ulrich bietet eine große Möglichkeit sich mit Kostners Aussage zu beschäftigen. Der Künstler hinterlässt seiner geliebten ladinischen Kultur nicht nur sein literarischen Werk sondern verdient seine Anerkennung als Pionier der Moderne in Grödental gewirkt zu haben.

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