Der Nussknacker
Choreografie: Jeroen Verbruggen
ITALIENISCHE ERSTAUFFÜHRUNG
Es ist kein Geheimnis, dass Philippe Cohen, der dieses Ensemble seit 2001 leitet, dem Experiment zugewandt ist. Deshalb vertraut er seine von akademischer Strenge geformte und gegenüber neuen Herausforderungen stets aufgeschlossene Truppe sowohl etablierten Gegenwartsautoren als auch jungen Talenten an. Zwischen Erstaufführungen und den vom Gegenwartstanz beeinflussten Neuinterpretationen der großen Klassiker des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts bietet dieses Ensemble in jeder Saison und auf jeder Tournee Neues. In diesem Jahr ist das die von Jeroen Verbruggen geleitete Spielzeiteröffnung in Genf – eine Bearbeitung des Nussknackers von Petipa-Tschaikowsky, die eine Reise in die zärtliche und fröhliche Phantasiewelt des Märchens verspricht. Mit seinen gerade mal 30 Jahren hat der Belgier Jeroen Verbruggen seine choreografischen Fähigkeiten bereits mit Jean-Christophe Maillots Ballets de Monte-Carlo gezeigt, in dem er als Solotänzer arbeitet und mit dem er 2012 Kill bambi herausgebracht hat. Dieses dreißigminütige Stück über den angsteinflößenden und unvermeidlichen Prozess des Reifens war überaus erfolgreich. Der thematische Kern des Nussknackers liegt da ganz nah – ein Ballett, das in den Jahren ausgeprägte freudianische Lesarten erfahren hat. Denn im Traum entdeckt die kleine Maria Liebe und Weiblichkeit, wechselt von der Kindheit in die Pubertät und trifft ihren Märchenprinzen, dessen Identität in einigen Fassungen (und darunter ist auch Nurejews Version) mit der undurchsichtigen Figur des Patenonkels Drosselmeyer zusammenfällt.