Einloggen

Einloggen

Art and Textiles - A selection by Lottozero - Veröffentlicht von Vijion Art Gallery

0
×

Achtung

Dieses Event ist vorbei, bleibe mit uns für weitere Events

Event-Informationen

Ausstellung „Art and Textiles - A selection by Lottozero“

In der gegenwärtigen, absoluten Vielfalt unterschiedlichster Medien mit denen sich zeitgenössische Künstler*innen auseinandersetzen, ragen jene hervor, die sich ausschließlich bzw. zum überwiegenden Teil auf das Medium Textil konzentrieren. Wenn noch Ende des 19. Jahrhunderts eine heftige Ablehnung des Textils in der Kunst voran ging, so folgte das 20. Jahrhundert mit innovative textile Kunstperspektiven. Zunächst waren es textile Werke, die von den Künstlern, in enger Zusammenarbeit mit den Tapisseriehersteller entstanden. Es war dies eine Kombination aus künstlerischer Finesse und hervorragender Handwerkskunst. Bedeutende Künstler wie Henri Matisse, Pablo Picasso, Le Corbusier, Jan Miro und Luise Bourgeois entwarfen Wandteppiche, die zum größten Teil von der französischen Staatsmanufaktur Gobelins Manufactory in Paris, ausgeführt wurden.
In der Jahrhundertwende der Moderne förderten die Wiener Werkstätten, gemeinsam mit ihren Professoren Josef Hoffmann und Kolo Moser, die Textilkunst und im Besonderen die Modeabteilung. Von Anfang an fanden sich die Künstler der Secession mit dem Vorurteil konfrontiert, nur oberflächliche Dekoration und Zierde zu produzieren. Doch weckte die angewandte Kunst der 20er Jahre tiefe Vorstellungen und Empfindungen, widerspiegelt komplexe Ideologien und machte dadurch ihre Überlegenheit geltend. Tapisserie reagiert hier vor allem auf die Implikationen des langwierigen Entstehungsprozesses. Im Anschluss erlebt die Textilkunst im Bauhaus in Weimar und Dessau einen Höhepunkt. Die alten Webtechniken fanden hier kreative Innovation.
Es begann eine Abkehr vom strengen Websystem und das Textile als Medium, Technik, Material oder Idee wurde in die moderne Kunst integriert. Gleichzeitig wurden die Grenzen zwischen Kunst und Gestaltung aufgebrochen und die Hierarchien zwischen Kunst und Kunsthandwerk gelöst. Aus diesem Prozess entstand die Aufwertung des textilen Materials, welches auch nicht mehr als rein weibliche Domäne verstanden wurde. Ein Dispositiv, das über eine Kritik, an der traditionellen weiblichen Rollenzuweisung, der Handarbeit und der dekorative Künste, hinausgeht. „Ich möchte dieses Wort „dekorativ“ nicht mal in den Mund nehmen, denn ich will nicht, dass man es mit meiner Arbeit in Verbindung bringt…. Dieses Wort, so wie ich es verwende und empfinde, bezeichnet die einzige Sünde, die es in der Kunst gibt.“ sagte die Künstlerin Eva Hesse im Gespräch mit Cindy Nemser, 1970.
Einen entscheidenden Schritt in der Textilkunst schaffte der Künstler Lucio Fontana. Mit seinen Durchlöcherungen und Schlitzungen hat er die Hüllen der Kultur ignoriert, um der Malerei einen neuen, metaphysischen Raum zu öffnen. Damit gehört er zu den wichtigsten Bahnbrechern für jenen Umsturz, der sich in den fünfziger Jahren vollzog. Durch die Zerstörung des Leinwandbildes setzte ein Prozess der Grenzüberschreitung ein, mit der sich das textile Material zu verselbständigen begann. Für die Bildende Kunst generell bedeutet diese Transformation einen Paradigmenwechsel, in dem zugleich auch das Ende der „klassischen Moderne“ festgeschrieben steht.
Auf Initiative des französischen Malers Jean Lurcat wurde 1962 die 1. Internationale Biennale der Tapisserie in Lusanne gegründet. Diese Ausstellung, die zunächst an die Tradition des Bildteppichs anknüpfte, entwickelte sich zu einer Tapisseriebiennale, die progressive und experimentelle Werke in ihre Ausstellung aufnahm. Damit etablierte sich die textile Kunst als selbstständige Gattung.
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts haben verschiedenste Materialien und Methoden wie die Collage, das Ready-made usw. in der Kunst Eingang gefunden. Dabei haben die 60er Jahre die spezielle Prägung in der Kunst durch weiche Materialien hervorgebracht. Die Abbildung eines sozial definierten Objektes im Textilbild lässt eine intelligente Auseinandersetzung entstehen, zwischen den Spannungspolen flexibler Weichheit des textilen Materials und der exakten Konstruktion der Form.
Cleas Oldenburg, der 1963 mit seinem Soft Typewriter den Begriff Soft Sculpture kreierte, begründete damit eine neue Kunstform. Seine Neuerung, sich mit vergänglichen Materialien zu befassen war ein Ereignis mit weitreichender Wirkung. Die Verwendung dieser weichen, organischen Materialien, wie Textil, Papier, Latex usw., zeigt die Absicht zur Annäherung und Betonung der Lebensprozesse. Weiches ist vergänglich und daher dem Leben näher – vergänglich wie das Leben selbst. Die Materie wurde Bedeutungsträger, war nicht mehr nur Bild- oder Formträger. Am prägnantesten und am nachhaltigsten stehen hierfür die Filzarbeiten von Josef Beuys, in denen seine Botschaft direkt und körperlich spürbar ist.
Eine Künstlerin, die die Textile Kunst revolutioniert hat, ist die polnische Künstlerin Magdalena Abakanowicz. In den 60er Jahren hat sie die verschiedensten Materialien in ihren textilen Werken miteingewebt. Auch hat sie nicht wie ihre Vorgänger nach Vorlagen gearbeitet, sondern webte ohne Muster und damit Annäherungen an einer gestischen Abstraktion erreicht. Ein neuer Weg zu einem veränderten textilen Verständnis ist beschritten und damit war die Einheit aus Geist und Materie möglich. In ihrem Entstehungsprozess führen Einzelelemente aus vielfältigsten Materialien zu einem vernetzten Gefüge, welches die Intensionen und Ideen des Künstlers miteinbezieht. Einen weiteren wichtigen Schritt hat Abakanowicz mit ihren raumgreifenden Arbeiten gemacht, die ausschließlich aus textilen Material bestehen. Diese Loslösung mit der Wand, schafft Körper- und Raumrelationen, die ein Prozess des Vordringens thematisiert. Es sind dies plastische Werke, die Menschenhüllen und Gestalten darstellen. „Das Weiche mit seinem komplizierten Gewebe wurde zu meinem Werkstoff. Ich spüre darin die Nähe dieser Welt, meine Verwandtschaft mit ihr – eine Welt, die ich nicht anders erkennen will als im Berühren, Nachempfinden, Assoziieren mit jenem Teil meiner eigenen Welt, die ich am tiefsten in mir trage.“
Die Öffnung der Bildfläche des Wandteppichs zu skulpturalen Gestaltungen, ließ ein umfassend neues künstlerisches Bewusstsein im Umgang mit dem textilen Material entstehen. Es entwickelten sich neue gestalterische Möglichkeiten die sich durch Ballung, Verknüpfung bzw. Weberei zum emanzipierten, selbstständigen Ausdrucksträger formten. Die künstlerische Entwicklung der Raumeinnahme, gestaltet sich als Prozess, der mit Ritualen und Aktion verbunden ist.
Mit einem solch offenen Kunstbegriff in der Textilkunst, öffnete sich eine neue Weltsicht und Weltgestaltung. Die Möglichkeit der textilen Bilder, Objekten, Rauminszenierungen und Projekten sind charakterisiert vom Aspekt der weichen, beweglichen Verbindungsfähigkeit. Dabei ist die Tapisserie oder das textile Objekt zumal ohne Träger und zeichnet sich gerade durch diese Gerüstlosigkeit. Die ausgeprägte Körperlichkeit der textilen Bildobjekte, fordert ein Betrachten von unterschiedlichen Standorten, um neue Perspektiven zu erschließen.
Seit den siebziger Jahren finden sich textile Materialien als künstlerische Gestaltungelemente in Performance und Aktionen.
Der Bogen in die zeitgenössische Kunstwelt zeigt eine Vielzahl der künstlerischen Äußerungen der Textilkunst, die prägnante und aussagekräftige Erzählstränge bündeln. Textilwerke werden nicht nur als Produkt manueller Arbeit verstanden, sondern auch als kognitivkonzeptuelle Gestaltung. Zu den unzähligen, zeitgenössischen Künstler, die sich mit Textil auseinandersetzen, zählt insbesondere Sheila Hicks, Olaf Nicolai, Yinka Shonibare, Birgit Dieker, sowie auch Rosemarie Trockel, deren Stickbildern einen Paradigmenwechsel im Kunstverständnis der Gesellschaft aufzeigen.
Die kreative Nutzung textiler Formen war zu allen Zeiten wichtiger Bestandteil im Alltag und im Schaffen der Künstler. Durch die Verbindung von Material, Technik und Konzept wurde und werden weiterhin textile Werke geschaffen, die die eigene Relevanz als Kunstwerk durch Aussagekraft, und handwerkliche Qualität bestätigen.

Gerade um diese Ansicht zu unterstützen, werden in der Vijion Art Gallery 10 Künstler, der im Jahre 2016 gegründeten Textilwerkstatt „Lottozero“ in Prato, präsentiert. „Art and Textiles – A selection by Lottozero” ist eine Gruppenausstellung, welche einen Einblick in das Textile Schaffen dieser Kunstwerkstatt bietet, welches ein Zentrum für textile Kunst und Design und generell für Textile Kultur ist. Die Initiatorinnen dieses Projektes, Arianna und Tessa Moroder, haben südtirolerische Wurzeln.
Die Ausstellung möchte die Faszination der vielgestaltigen und vielschichtigen, künstlerischen Möglichkeiten, die das Textil bietet, aufzeigen. Eine Kunstform die ihre Ausdrucksmöglichkeiten in der Skulptur, Fotografie, Keramik, Installation und Malerei manifestiert und in der zeitgenössischen Kunst noch lange nicht ausdiskutiert ist. Die kulturelle Kodierung und Bedeutung der Textilen Kunst verändert und modifiziert sich ständig und findet als Material künstlerischer Produktion und Praxis im Rahmen kulturkritischer Ansätze stets neue Verwendung.
Unter den ausgestellten Künstlern ragen die Werke des Duos Elena Khurtova & Ilse Bourlanges. Die Eine in Frankreich und die Andere in Russland aufgewachsen, haben sie sich nun in Holland niedergelassen. Sie stellen eine Kollektion von „Gestricktem“ aus; Werke die ausschließlich aus Keramik und Porzellan hergestellt sind. Aus Stränge aus manuell hergestellter Keramikmasse haben die Künstlerinnen mit großen Holzstricknadeln einzelne Teile gestrickt. Diese Werke charakterisieren sich durch zum Teil fehlerhafte Verstrickungen, die als Ausdruck der Verletzlichkeit des Menschen interpretiert werden können.
Die „Anti-Flaggen“ und die genähten und gepolsterten Skulpturen der iranischen Künstlerin Farkhondeh Shahroudi, die seit den 1990er Jahren in Berlin lebt, sind hingegen Überlieferungen einer poetischen Erzählung, die von ihrem eigenen Leben und Erleben erzählen. Ihre Künstlerischen Äußerungen implizieren soziale, persönliche, intime und politische Dimensionen.
Auch die Sprache der Fotografie wird durch verschiedene Herangehensweisen und Interpretationen gezeigt: Anna M. Rose (amerikanische Künstlerin mit aktuellem Wohnsitz in Florenz) nützt die Fotografie, um eine Reihe ihrer privaten performativen Aktionen, in verlassenen und unbewohnten Räumen, zu verewigen. Gekleidet mit anthropomorphen Hüllen aus Kunsthaaren erweckt sie eine primordiale und fast monströse Verwundbarkeit. „Under Cover“ der schweizer Künstlerin Virginie Rebetez ist eine Fotoserie, die ein Bestattungsritual in Südafrika dokumentiert. Neben der scheinbaren Objektivität der Aufnahmen, suggerieren die auftretenden Falten der Stoffe und Decken weite, surrealistische Erinnerungen.
Eine Auseinandersetzung mit der Malerei zeigt das Werk des Berliner Künstlers Roland Barth, der seit 2016 mit dem Begriff Screenpainting eine eigene Bildsprache definiert. Für diese eigene persönliche Siebdrucktechnik nützt er Werkzeuge, die auch für den Stoffdruck Verwendung finden.
Robin-Darius Dolatyari-Dolatdoust (französischer Künstler, in Brüssel ansässiger, Performer und Designer) verbindet in seinen Textilbildern einen malerischen Ausdruck mit textiler Materialität. Mit seinem unverwechselbaren grafischen Zeichen bringt er ein dekonstruktives Spiel der Formen eines Picassos in Zusammenhang mit einer geschwungenen Eleganz der Linie von Matisse. Es ist größtenteils die Neigung zur Malerei, die das vielfältige Werk der in Berlin lebenden schweizer Künstlerin Stefanie Kägi zusammenhält. Die Künstlerin verflechtet Materialien und Textilarbeiten in digitalen Bildbearbeitungsprozessen; analoge und digitale Techniken durchdringen sich und finden im Irrtum und in der Unvollkommenheit neue formale Lösungen, die die Grenzen des malerischen Prozesses erweitern.
Zu den internationalen Künstler*innen kommen noch zwei italienische Namen hinzu: Claudia Losi, eine der italienischen Künstlerinnen, die seit den 90er Jahren das Medium Textil in ihre Arbeit integriert hat, und Luca Vanello, von dem eine limitierte Auflage des Projekts „Tired Eyes Dislike the Young“ zu sehen ist.
Diese Künstler*innen haben mit Lottozero eine unterstützende und vertretende Institution gefunden. Lottozero ist ein Ort der Forschung und Kreation: Die strategische Lage innerhalb der Textilen Umgebung von Prato, die Möglichkeit ein eigenes internes Labor mit Textilmaschinen vorzufinden, und die Absicht Designer und Künstler in der Residenz und in der Ausstellungsfläche einzuladen, machen es zu einer einzigartigen Realität in Italien. Ein idealer Ort für alle Künstler, die Materialien, Techniken, Bedeutungen und konzeptionelle Implikationen des Textils für ihr Kunstschaffen vertiefen wollen.
Seit 2016 hat Lottozero in Zusammenarbeit mit Museen und Kulturinstitutionen zahlreiche Ausstellungsprojekte entwickelt, darunter das Tessuto Museum in Prato, das Zentrum für zeitgenössische Kunst Luigi Pecci in Prato, die Villa Romana in Florenz und das Museion in Bozen.
Die Ausstellung Art and Textiles - A selection by Lottozero ist eine erste Zusammenarbeit mit der Vijion Art Gallery in St. Ulrich.
Ausstellende Künstler:
Roland Barth (Berlino 1983. Vive e lavora a Berlino)
Marie Ilse Bourlanges (Parigi 1983. Vive e lavora ad Amsterdam)
Robin-Darius Dolatyari-Dolatdoust (Chambery en Savoie / Francia 1994. Vive e lavora a Bruxelles)
Stefanie Ka?gi (Winterthur / Svizzera 1987. Vive e lavora a Berlino)
Elena Khurtova (Samara / Russia 1982. Vive e lavora ad Amsterdam)
Claudia Losi (Piacenza 1971. Vive e lavora a Piacenza)
Anna M. Rose (Massachusetts / USA. Vive e lavora a Firenze)
Farkhondeh Shahroudi (Teheran 1962. Vive e lavora a Berlino)
Luca Vanello (Trieste 1986. Vive e lavora a Bruxelles)
Virginie Rebetez (Svizzera 1979. Vive e lavora a Losanna)

Tags

Kontakte :

Datum und Uhrzeit des Events :

Es gibt Termine vom 25 Juni 2021 bis 04 Aug. 2021

Notizen über die Uhrzeiten :

Lun - Sab 16:00 - 19:00

Veröffentlicht von :

Könnte dich auch interessieren :

  • Es gibt Termine vom 31 Mai 2026 bis 13 Sep. 2026
    Die Biennale Gherdëina ist eine internationale Biennale für zeitgenössische Kunst, die in Gröden im Herzen der Dolomiten, einem UNESCO-Welterbe, stattfindet Die Dolomiten bieten eine inspirierende Kulisse, eine atemberaubende Landschaft, handwerkliche Traditionen und Berglegenden – ein idealer Rahmen, um das Konzept der (Future) Paradise Gardens zu erkunden. Diese Gärten, die an der Schnittstelle zwischen natürlicher Erhabenheit und Kulturlandschaft liegen, sind nicht nur als Zufluchtsorte für Flora und Fauna gedacht, sondern auch als Räume, die unser kollektives Streben nach einer Zukunft auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Gleichheit widerspiegeln. Hier können Gärten sowohl Körper als auch Geist nähren und als Orte des Rückzugs, der Möglichkeit und der Erneuerung für alle dienen. Die Ausstellung ist in verschiedene Kapitel gegliedert, die jeweils einen anderen Aspekt des vom Menschen geschaffenen Konstrukts namens Garten untersuchen. Symbolisch, metaphorisch und emotional kreisen die Themen um Vorstellungen des “Commoning“ (gemeinsame Nutzung) – wo das Anbauen und Teilen von Nahrung sowie das Pflegen und Bewahren aller Lebensspuren Priorität haben. Ein weiteres Kapitel mit dem Titel “Divine Love and Growth” (Göttliche Liebe und Wachstum), lädt dazu ein, den Garten als Symbol spirituellen Wachstums und transzendenter Entfaltung zu betrachten. Die Ausstellung geht zudem auf das Konzept des “Violent Garden” (Gewaltsamen Gartens), ein, das die dringende Notwendigkeit anspricht, den Garten zu dekolonisieren – anthropozentrische Sichtweisen infrage zu stellen und Raum für Tiere und die Natur zu schaffen, sich frei zu bewegen und Eigenständigkeit zurückzugewinnen. Das Kapitel über ”Queer Ecology” (Queere Ökologie) untersucht, warum die Natur oft als inhärent queer wahrgenommen wird, und erweitert die Diskussion über Diversität und Fluidität innerhalb ökologischer Systeme. Darüber hinaus erforschen wir das “Botanical” (Botanische) – das Ordnen und Klassifizieren von Pflanzen Exemplaren – im Gegensatz zu “Gardens as Spaces for Reflection and Poetry” (Gärten als Räume für Reflexion und Poesie), in denen sich Gärten in Orte der Introspektion, Schönheit und kreativen Fantasie verwandeln.Die Dolomiten bieten eine inspirierende Kulisse, eine atemberaubende Landschaft, handwerkliche Traditionen und Berglegenden – ein idealer Rahmen, um das Konzept der (Future) Paradise Gardens zu erkunden. Diese Gärten, die an der Schnittstelle zwischen natürlicher Erhabenheit und Kulturlandschaft liegen, sind nicht nur als Zufluchtsorte für Flora und Fauna gedacht, sondern auch als Räume, die unser kollektives Streben nach einer Zukunft auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Gleichheit widerspiegeln. Hier können Gärten sowohl Körper als auch Geist nähren und als Orte des Rückzugs, der Möglichkeit und der Erneuerung für alle dienen.
  • Es gibt Termine vom 10 Juli 2026 bis 10 Aug. 2026
    Theatrum Naturae richtet den Blick auf das leise große Spektakel der Natur: auf Bewegungen, die oft unbemerkt bleiben, und auf Prozesse, die sich jenseits unseres eigenen Tempos entfalten. Seit jeher prägen Formen, Farben und Rhythmen der Natur die Kunst – nicht nur als Motiv, sondern als lebendiger Impuls für Wahrnehmung, Material und Idee. Die Schönheit von Kunst und Natur vermag uns in staunende Beobachter zu verwandeln. Gebannt stehen wir vor der zarten Anmut einer Landschaft, einer organischen Form oder den faszinierenden Entfaltungen von Flora und Fauna. Schönheit zeigt sich dabei nicht allein im Natürlichen, sondern ebenso in der schöpferischen Kraft der Kunst, universelle menschliche Erfahrungen sichtbar und sinnlich erfahrbar zu machen – und uns eine Ahnung von etwas Zeitlosem und Verbindendem zu schenken. Die Ausstellung eröffnet einen Raum, in dem Kunst und Natur nicht als Gegensätze erscheinen, sondern als ineinander wirkende Kräfte. Dadurch erweitert sich unser Blick, und neue Perspektiven entstehen. Natur und Kultur treten heute zunehmend in hybriden Konstellationen auf: als Bestandteile eines komplexen Gefüges wechselseitiger Beziehungen und Einflüsse. Die gedanklichen Voraussetzungen vieler zeitgenössischer Kunstformen sind eng mit Fragen nach Ökologie, Materialität und Lebensformen verwoben. Natur, Zivilisation und Kultur lassen sich daher weniger als getrennte Sphären, denn als vielfältig interagierende Systeme begreifen. Ihre Grenzen sind porös geworden. Der Philosoph Bruno Latour schlug deshalb vor, den Begriff der „Natur“ durch die Einheit von „Natur/Kultur“ zu ersetzen. Während Natur oft als spontan, ursprünglich und vollkommen erscheint, ist Kunst Ausdruck von Reflexion, Technik und gestalterischem Willen. In der zeitgenössischen Kunst tritt Natur jedoch nicht mehr bloß als dargestelltes Objekt auf, sondern zunehmend als Mitgestalterin: in sich wandelnden Strukturen, in Prozessen des Wachsens und Vergehens sowie im Spiel von Licht, Bewegung und Zeit. Die gezeigten Arbeiten greifen diese Qualitäten auf und übersetzen sie in unterschiedliche künstlerische Sprachen. Der Mensch selbst ist Teil der Natur. Bereits seit der Antike wird sie als Lehrmeisterin verstanden, deren Gesetzmäßigkeiten erforscht und interpretiert werden. Theatrum Naturae untersucht, wie zeitgenössische Kunst neue Formen der Naturwahrnehmung hervorbringt und sich zugleich mit ökologischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzt. Erst wenn die Erde als grundlegende Bedingung menschlichen Lebens anerkannt wird – zugleich aber als ein System, das dem Menschen nicht verpflichtet ist –, lässt sich die tiefgreifende Beziehung zwischen Natur und Kultur in ihrer ganzen Dimension erfassen. Ausstellende Künstler*innen: Karoline Gacke, Hanna Battisti, Hans Finezza, Julia Bornefeld, Kristina Weiss und Egon Digon Karoline Gacke Karoline Gackes Arbeiten sind keine Abbilder einer äußeren Realität, sondern Ausdruck dessen, was sich im Verlauf der Zeit wahrnehmen und erspüren lässt. Ihre Malerei folgt keinem festgelegten oder bis ins Detail geplanten Entwurf. Ausgangspunkt ihrer Werke ist vielmehr ein Impuls, eine vage innere Vorstellung. Im Prozess des Malens entwickeln sich die Bilder Schritt für Schritt vor ihren Augen – Geste für Geste, geleitet von etwas schwer Fassbarem: dem Unbewussten, einer inneren Stimme oder dem Instinkt. Hanna Battisti Mit ihren künstlerischen Fotografien erweitert Hanna Battisti die Ausstellung um eine Reflexion über die Schönheit und zugleich die Zerbrechlichkeit der Natur. Im Mittelpunkt steht die Vielfalt von Tier- und Pflanzenwelt in ihren jeweiligen Lebensräumen. Für die Künstlerin bedeutet die Darstellung der Natur vor allem, jene Emotionen sichtbar zu machen, die in der Begegnung mit dem Nicht-Menschlichen entstehen. Ihre Arbeiten schaffen meditative Momente und würdigen die Komplexität und Eigenständigkeit der natürlichen Welt. Hans Finezza Die Werke von Hans Finezza eröffnen neue Perspektiven auf Landschaft und Wahrnehmung, indem sie dasselbe Motiv aus unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen. Dadurch entsteht ein Moment der Verfremdung, das tradierte Vorstellungen klassischer Landschaftsdarstellung infrage stellt. Seine Arbeiten laden dazu ein, diese lebendigen und komplexen Ökosysteme nicht nur zu betrachten, sondern in sie einzutauchen. Die daraus entstehende Irritation wird zur metaphorischen Aufforderung, den Blick für das Unbekannte zu schärfen und eine bewusste Haltung einzunehmen. Kristina Weiss Kristina Weiss erzählt unausgesprochene Geschichten und erschafft imaginäre Orte. In ihren Kompositionen begegnen sich Sichtbares und Unsichtbares, Präsenz und Abwesenheit, Verdichtung und Leere. Ihre feinen Pinselstriche entwickeln organisch wirkende, beinahe höhlenartige Strukturen mit eigenem Rhythmus und Eigenleben. Aus der Distanz erscheinen die schmalen Bahnen ihrer Arbeiten paradox und vieldeutig. Ihre Bildwelten folgen keiner eindeutigen Erzählung; die Allegorien bleiben fragmentarisch und offen. Sie wirken wie gegenseitige Ergänzungen – niemals abgeschlossen, stets auf der Suche nach einem Gegenüber. Julia Bornefeld Bornefeld nähert sich dem Thema des „Natürlichen“ durch intensive visuelle Eindrücke und vielschichtige Bildwelten. Mit einem zugleich ironischen und bitteren Unterton verknüpft sie diese mit gesellschaftlichen Fragestellungen unserer Gegenwart und richtet den Blick auf ein hochaktuelles Spannungsfeld. Im Zentrum ihrer Arbeiten steht die Beziehung zur „natürlichen Natur“ — der Versuch, sie durch Vorstellungskraft zu erfassen und den unterschiedlichen Formen biologischen Lebens eine Ordnung zu geben. Zugleich unterläuft die Künstlerin diesen Ansatz bewusst und provokativ: Durch die Konstruktion vollständig künstlicher Szenarien sowie die Bearbeitung neuer technischer Materialien verweist sie auf jene para-natürlichen Lebensräume, die unseren Alltag zunehmend prägen. Ihre Werke bewegen sich damit im Spannungsfeld zwischen Natur, Künstlichkeit und gesellschaftlicher Realität. Egon Digon Egons Assemblagen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen organischem Wachstum und konstruktiver Ordnung. Durch die Verbindung von fein gearbeiteten Holzskulpturen mit architektonischen Fragmenten und industriellen Relikten entstehen Werke, in denen das Verhältnis von Natur und Kultur neu verhandelt wird. Die Natur erscheint dabei nicht als romantischer Gegenentwurf zur Zivilisation, sondern als autonome Kraft, die bestehende Ordnungen durchdringt und transformiert. Blüten, Ranken und vegetabile Strukturen entfalten sich innerhalb technischer Gefüge und architektonischer Überreste. In diesem Zusammenspiel von Verfall und Erneuerung thematisieren die Arbeiten sowohl die Beharrlichkeit natürlicher Wachstumsprozesse als auch die Fragilität menschlicher Konstruktionen. So werden Vergänglichkeit und Beständigkeit, Widerstand und Wandel gleichermaßen sichtbar.
  • Es gibt Termine vom 06 Juni 2026 bis 28 Juni 2026
    Die gezeigten Arbeiten von Mirjiam Heiler und Arnold Holzknecht entfalten sich aus einem prozessualen Vorgehen, das auf Variation, Wiederholung und minimale Verschiebungen setzt. Ihre jeweilige Praxis bewegt sich zwischen konstruktiver Strenge und organischer Anmutung und steht in enger Beziehung zur konkreten und minimalistischen Kunst. Ausgangspunkt ist stets ein Akt der formalen Reduktion, der nicht als Verarmung, sondern als bewusste Verdichtung verstanden wird. Diese Haltung fordert ein verlangsamtes Sehen ein und macht komplexe Beziehungsgefüge sichtbar, die sich aus Reduktion, Ordnung und Wiederholung, aus Struktur und Abweichung sowie aus dem Spannungsverhältnis von Präzision und Unschärfe ergeben. Insbesondere bei Mirijam Heiler (geb. 1991 in Brixen, lebt und arbeitet in Bozen) zeigt sich ein zeichnerisches Verfahren, das an religiöse Praktiken erinnert: ritualisiert, konzentriert, potenziell theoretisch ins Unendliche fortsetzend. Minimale Abweichungen und Irregularitäten öffnen feine Brüche, durch die Bedeutung nicht festgelegt, sondern immer wieder neu verhandelt wird. Die entstehenden Zeichen bilden eine Art „asemantischer Schrift“, ein Zeichensystem ohne referenzielle Funktion, die sich bewusst jeder eindeutigen Lesart entzieht. Ihre Strukturen funktionieren als Metapher für Rückzug, Zugehörigkeit und temporäre Geborgenheit. Sie markieren eine bewusste Abkehr von Überfülle, Lärm und narrativer Überdeterminierung der Gegenwart. In der konzentrierten Wiederholung und im bewussten Weglassen entsteht ein Raum für die Untersuchung von Sinn im Alltäglichen. Die Qualität ihrer Arbeiten liegt in der universellen Lesbarkeit und Offenheit. Arnold Holzknecht (geb. 1960 in Brixen, lebt und arbeitet in St. Ulrich) lässt sich als Künstler verorten, dessen Werk sich konsequent im Spannungsfeld zwischen Skulptur, Zeichnung und malerischer Setzung entfaltet. Ausgehend von einer bildhauerischen Ausbildung bildet das Material – Holz, Bienenwaben, Baumnadeln und andere organische Stoffe – den primären Ausgangspunkt seines Arbeitens. Holzknechts Arbeiten bewegen sich zwischen konstruktiver Strenge und organischer Anmutung, zwischen kontrollierter Setzung und einem Moment scheinbaren Wachsens. Lineare Strukturen, Schichtungen und serielle Ordnungen erzeugen visuelle Rhythmen, die weniger auf ikonische Lesbarkeit als auf Wahrnehmungsprozesse zielen. In diesem Sinne sind seine Werke nicht primär als abgeschlossene Objekte zu verstehen, sondern als Felder, in denen sich Sehen zeitlich entfaltet. Die oft betonte Dichotomie von Ordnung und Geste wird bei Holzknecht nicht aufgelöst, sondern produktiv gehalten. Kontrolle und Offenheit, Konstruktion und Intuition stehen in einem kontinuierlichen Austausch, der sich in der formalen Ausarbeitung ebenso manifestiert wie in der Wahrnehmung durch die Betrachter*innen. Beide Positionen eint der Versuch, der Komplexität der Gegenwart mit Stille zu begegnen – durch Reduktion, Aufmerksamkeit und eine Praxis, die Offenheit nicht behauptet, sondern ermöglicht.

Trag deine Veranstaltungen in den ersten und beliebtesten Veranstaltungskalender Südtirols ein!

BIST DU SCHON REGISTRIERT?

LOGGE DICH EIN

NOCH NICHT?

Verpasse nicht die besten Veranstaltungen in Südtirol!

ABONNIERE UNSEREN WÖCHENTLICHEN NEWSLETTER

Möchtest du deine Events in unserem Magazin veröffentlicht sehen?

ERHALTE EINEN MONATLICHEN HINWEIS ZUM REDAKTIONSSCHLUSS

Möchtest du deine Veranstaltungen oder dein Unternehmen bewerben? Wir sind dein idealer Partner und können maßgeschneiderte Lösungen und Pakete für alle deine Bedürfnisse anbieten.

GEHE ZUR WERBEBEREICH

KONTAKTIERE UNS DIREKT

INSIDE EVENTS & CULTURE

Magazine mensile gratuito di cultura, eventi e manifestazioni in Alto Adige-Südtirol, Trentino e Tirolo.
Testata iscritta al registro stampe del Tribunale di Bolzano al n. 25/2002 del 09.12.2002 | Iscrizione al R.O.C. al n. 12.446.
Editore: InSide Società Cooperativa Sociale ETS | Via Louis Braille, 4 | 39100 Bolzano | 0471 052121 | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..