Ein Literatursalon
Eva Menasse ist eine Meisterin des geschliffenen Wortes. Das gilt für ihre in viele Sprachen übersetzten und mehrfach ausgezeichneten Romane und Essays wie für ihre gesellschaftspolitischen Äußerungen. Ihr neuer Roman „Alleinruhelage“ ist die Zwischenbilanz eines Lebens, eine gewitzte Reflexion über Fremdheit, Heimat und das Abschiednehmen: Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen. Die nötige Hilfe bieten Alla und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die alles können. Die Renovierungen und Rückschläge, die geplatzten Wasserleitungen und die Bosheiten der benachbarten Schrebergärtner lösen viele Erinnerungen und neue Erkenntnisse aus. Und so manche Fallstricke der deutsch-deutschen Geschichte nimmt die Erzählerin – als Wienerin in der doppelten Fremde – womöglich genauer wahr. Dann beschließt sie, das geliebte Haus zu verkaufen, um noch einmal aus- und aufzubrechen aus ihrer „stabilen Alleinruhelage“.
Ein Literatursalon
Die Auszeichnung mit dem Siegfried-Lenz-Preis 2026 und die Nominierung für den Leipziger Buchpreis sind nur zwei Belege dafür, dass Norbert Gstrein mit seinem neuen Roman „Im ersten Licht“ ein weiteres Meisterwerk seines umfangreichen Schaffens vorgelegt hat. Er schenkt uns darin ein ganzes Menschenleben, das ein Jahrhundert und zwei Weltkriege umspannt. Es ist die Geschichte Adrians, den sein Vater durch einen Axthieb untauglich für den Krieg macht. Der störrische, zärtliche Mensch, der von da an durch über achtzig Lebensjahre hinkt, sieht zweimal seine Welt untergehen, hat zweimal mit jungen Männern zu tun, die weniger Glück hatten als er, und erlebt im Alter die unverhoffte Liebesgeschichte eines Mannes, der zu allem erzogen wurde, bloß nicht zum Lieben. Es ist ein Roman von großer Sprachkraft, der mit seinem Blick in die Vergangenheit letztlich direkt ins Herz der großen Fragen unserer Gegenwart trifft.
Steve Ayan: „Seelenzauber und die Erfindung des modernen Ich“
Ein Sachbuchsalon
Im Wien des Fin-de-Siècle entwickelte sich die Psychologie zu einer der prägenden Wissenschaften des 20. Jahrhunderts. Visionäre wie Sigmund Freud, C. G. Jung oder Viktor Adler läuteten die Geburtsstunde der Psychotherapie ein. Das Bahnbrechende wie Abgründige dieser Anfänge betrachtet der Wissenschaftsjournalist und Psychologe Steve Ayan in seinem Buch „Seelenzauber“ und erzählt darin die Geschichte der Psychotherapie so spannend wie in einem Roman. Auch heute leben wir in einer Ära der Selbstbespiegelung: Die Befassung mit dem Ich bis hin zur Selbstoptimierung und Achtsamkeit zählen zum Kernstück unserer Kultur. Karen Horney, Erich Fromm, Paul Watzlawick und Alice Miller haben durch ihr Denken die Erfindung dieses modernen Selbst entscheidend geprägt. Ihnen widmet Steve Ayan mit „Die Revolutionäre des Ich“ ein weiteres spannendes wie kritisches Buch. Im Sachbuchsalon spricht Steve Ayan mit Moderatorin Nina Schröder über seine zwei Bücher und liest Passagen daraus vor.
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