Ausstellung "con.tain #4" - Alan Biehlig | Clara Pötsch | Nele Hendrikje Sandner | Katharina Schreiter | Teresa Szepes zu besuchen
Im Fokus der Ausstellung steht die Wiederverwendung von „Abfall“ und der Prozess des Findens und Transformierens von Zurückgelassenem. Objekte, Zustände und Situationen verschiedener Art werden beobachtet, gesammelt, kategorisiert, umgewandelt und in Form von Fotografie, Malerei, Collage, Drucktechnik, Texten sowie Installation in neue inhaltliche und formale Kontexte gesetzt. Die Arbeitsweise der fünf Künstlerinnen und Künstler verbindet, dass sie vorhandene Ressourcen, in Form von gesammeltem Material, für ihre Werke nutzen. Dieser Aspekt der Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Positionen. Darüber hinaus verfolgen sie individuelle Fragestellungen und Themen in ihren Werken wie Mythendarstellung, Diversität, Identität und Beziehungsfähigkeit, Organismen, Körperwahrnehmung und Körperlichkeit. Der Name unseres Kollektivs, „Con.tain“ wurde in seiner Schreibweise dem Lexikon entnommen. Die Bedeutung des Wortes reicht dabei von Enthalten und Beinhalten, bis hin zu Kontrollieren, Umfassen, Einbinden oder Eingrenzen. Er deutet ein Beobachten und Durchschreiten der Welt an, das Ähnlichkeiten mit Forschungsarbeiten aufweist. Objekte, Zustände und Situationen verschiedenster Art werden gefunden, gesammelt, kategorisiert, umgewandelt oder in neue Kontexte gesetzt. Diese Überreste oder Hinterlassenschaften und deren Transformation bilden den roten Faden der Arbeiten. Sowohl in seiner Wortbedeutung als auch in seiner Schreibweise greift der Titel verschiedene Denkräume auf. Er stellt daher die Frage nach dem Wesen der Dinge, die uns umgeben sowie den Inhalten und Funktionen, die wir ihnen zuschreiben.
Sowohl in den Bildern, als auch in den Plastiken von Alan Biehlig (@alanogismus) finden sich Spuren von menschlichen Hinterlassenschaften wieder. Dabei handelt es sich meistens um Müll, den er auf der Straße aufsammelt. Gefundene Objekte erzeugen farbige Abdrücke im Kreidegrund oder auf Glas, Fragmente von Gegenständen werden mit Hilfe von Abgusstechniken zu scheinbar zeitlosen Fossilien. Die Arbeiten spielen mit menschlichen Vorstellungen von Naturkunde und Naturbetrachtung. Sie befragen uns selbst und die Beschaffenheit der Spuren, die wir auf der Erde hinterlassen, während sie gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit und Kraft der Natur beschwören. Alan Biehlig studierte Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Helmut Mark und Annette Schröter. 2021 schloss er sein Studium mit Diplom ab. Er lebt und arbeitet in Leipzig.
Nele Hendrikje Sandner (@nelehendrikjesandner) schafft Zeichnungen, Collagen und Bildobjekte aus Papier. Mal von Hand geschöpft, mal eingefärbt, mal auseinandergeschnitten und neu zusammengesetzt ist für sie das Papier der wichtigste Werkstoff. Das Material bietet ihr eine flexible Haptik, die sie je nach thematischer Ausrichtung vielfältig einsetzen kann. Ausgangspunkt ihrer Untersuchungen ist der menschliche Körper in seiner Ganzheit. Sandner entwickelt abstrakte und subtile Werke, die das Figurative hinter sich lassen, ohne den Körper zu vergessen. Dabei interessieren die Künstlerin vor allem die Spuren und Zeichnungen, die das Leben auf und an uns Menschen hinterlässt. Nele Hendrikje Sandner lernte den Beruf der Theatermalerin- und Plastikerin am Stadttheater Bielefeld um anschließend für ihr Studium der Malerei/Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst nach Leipzig zu gehen. Heute arbeitet sie als selbstständige Künstlerin und künstlerische Mitarbeiterin für Malerei an der Burg Giebichenstein in Halle.
Katharina Schreiter (@meta_katharina_schreiter) arbeitet mit Fotografie, Installation und Text. Ihre künstlerische Auseinandersetzung kreist um zentrale Fragen: Was konstituiert Identität? Wie bewahren wir Erinnerung, und wie entgleitet sie uns? Wie entstehen Beziehungen, und wo liegen die Grenzen unserer Fähigkeit zur Resonanz? In ihrer Arbeit werden tatsächliche und inszenierte Räume zu Projektionsflächen und Spiegeln der menschlichen Psyche. Sie arbeitet mit echten Situationen und Beobachtungen, erweitert sie jedoch fiktiv – ein Verfahren, das ihr erlaubt, persönliche Fragen auszuloten und zu klären. Diese Fragen werden zum Angebot an die Betrachtenden, sich selbst zu befragen. Das Reale wird zum Ausgangspunkt, das Fiktive zur Methode. Dabei bleibt die Arbeit immer fragmentarisch, nie abgeschlossen und offen für das Ungewisse. Dabei verwendet sie tatsächliche und inszenierte Räume als Projektionsflächen und Analogien zur menschlichen Psyche. Katharina Schreiter schloss 2022 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Prof. Tina Bara mit Diplom ab und war von 2022 bis 2025 Meisterschülerin bei Pro. Joachim Blank.
Teresa Szepes (@teresa.szepes) stellt Bilder und Objekte aus gesammelten Papieren und anderen Materialien her. In den einzelnen Serien beschäftigt sie sich neben eigenen, persönlichen Themen, auch mit gesellschaftspolitischen Fragen von Verteilung, Konsum und wissenschaftlicher Naturbetrachtung. Ihre Arbeiten sind vielschichtig, farbintensiv, können klein und detailreich, aber auch raumgreifend in ihrer Ausgestaltung und Präsentation sein. Neu entstandene Arbeiten sind der Anfang neuer Serien oder schließen an ältere an. So bleibt es ein sich ständig erweiterndes und veränderndes Archiv. Teresa Szepes hat Kunstpädagogik mit Abschluss Master of Art an der Universität Leipzig und Malerei an der Kunstakademie in Budapest bei András Halász studiert. Sie arbeitet seit 2011 als freischaffende Künstlerin in Leipzig und nahm an unterschiedlichen Stipendienprogrammen teil wie Leonardo da Vinci in Porto, Möb-Stipendium in Budapest und Salz-Stipendium in Bernburg.
Clara Pötsch (@clara_poetsch) befasst sich in ihren Malereien formal wie auch inhaltlich mit Werken der frühchristlichen Kunst bis zur Renaissancemalerei. Das geschieht aus einer tiefen Bewunderung und Verwunderung spezifischer Ästhetiken. Zum anderen möchte sie die Wirkmächtigkeit solcher Bilder und den fortwährenden Einfluss auf Sehgewohnheiten im Jetzt künstlerisch erforschen. Durch das Wiederaufgreifen und Kombinieren bestimmter Elemente werden Geschichten neu erzählt, kritisch hinterfragt, interpretiert und erweitert. Wegwerfverpackungen, Holzreste und andere Hinterlassenschaften dienen ihr als Träger und Kompositionsgrundlage der Werke. Mit Hilfe von Blattgold, Eitempera und Acrylfarben entstehen kleinformatige Miniaturmalereien, die komplexe Szenen in bühnenhafter Landschaft zeigen. Clara Pötsch studierte Malerei/Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Prof. Anne Speier und Prof. Ingo Meller, welches sie 2022 abschloss. Sie lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Leipzig.