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Postkarten „URTIJËI“ – Muriel Senoner - Veröffentlicht von martin_inside

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Event-Informationen

Ausstellung im Schaufenster des Circolo

Konzept Postkarten Urtijëi – Muriel Senoner
Die Postkartenserie „Urtijëi“ bildet die zweite Phase des gleichnamigen Projekts, welches 2015 mit einer lokalen Umfrage und einer anschließenden Ausstellung im Circolo St. Ulrich begann.
Der Massentourismus mit all seinen Folgen ist ein Phänomen, das im Laufe der Jahrzehnte zum bestimmenden Faktor des Alltagslebens der Bewohner:innen geworden ist. In diesem Kontext wird die Postkarte als Kommunikationsmittel mit starker nostalgischer Wirkung wiederbelebt – ein Objekt, das mittlerweile im Niedergang begriffen ist und weitgehend von der Unmittelbarkeit der sozialen Medien verdrängt wurde. Im Schaufenster des Circolo werden die Postkarten von Muriel Senoner als Pop-up-Ausstellung zu sehen sein. Gleichzeitig sind sie an verschiedenen Orten im Dorf erhältlich.
Das Ausgangsmaterial besteht aus Bildmaterial von lokalen Amateurfotografen, das von der Künstlerin mithilfe von Instrumenten der künstlichen Intelligenz überarbeitet wurde. Die generierten Bilder inspirieren sich an den Umfrageergebnissen der ersten Projektphase und setzen die Antworten der Bürger:innen visuell um. Die Einbindung künstlicher Intelligenz spielt im kreativen Prozess eine zentrale Rolle: Diese Technologie erzeugt naturgemäß einen visuellen Code, der sich durch hyperrealistische Perfektion mit campigem Beigeschmack, durch die Übertreibung von Klischees und durch einen Verlust an Authentizität auszeichnet. Diese Elemente weisen Parallelen zur künstlichen und stereotypen Ästhetik der örtlichen Tourismusindustrie auf. Die erzeugten Bilder schweben zwischen Realität und Simulacrum und spielen auf die Metamorphose des Ortes an, der sich im Laufe der Zeit in eine künstliche Kulisse verwandelt hat und einer Art „Disneyfizierung“ erlegen ist. Diese Umstände und der fortschreitende Massentourismus haben für einen Teil der Bevölkerung erhebliche Auswirkungen in verschiedenen Bereichen sowie eine fortschreitende Entfremdung vom „Alltäglichen“ zur Folge, wodurch die dystopische Dimension des Phänomens deutlich wird.
In „Andere Räume“ theoretisierte Michel Foucault das Konzept der Heterotopie – vom Griechischen heteros (anderes) und topos (Ort) – und definiert es als einen Raum, der physisch in der sozialen Realität existiert, aber nach eigenen Logiken funktioniert, die von der alltäglichen Norm getrennt sind. Die Heterotopie präsentiert sich als ein akribisch organisierter Gegenort, der sich im Gegensatz zur Fragmentierung des Realen als verwirklichte Utopie darstellt. St. Ulrich entspricht perfekt dem Paradigma der illusorischen Heterotopie: ein Raum, der einem prototypischen Ideal folgt und in der Lage ist, die Regeln des Alltagslebens für die Besucher:innen außer Kraft zu setzen, indem er eine ausgewählte und kosmetisch konstruierte Version der Realität bietet. Wie Foucault selbst andeutet, offenbart ein solcher Gegenort die wahre Natur des Realen stärker, als es die Realität selbst vermag. Ausgehend von der Monumentalität der Dolomitenlandschaft – die den Rahmen für eine Ortschaft bildet, die von Baufieber, Hypertourismus und totaler Kommerzialisierung durchdrungen ist – offenbart St. Ulrich seine dystopische Dimension. Die Postkartenmotive sind kein beruhigender Zufluchtsort mehr für den Blick der Betrachter:innen, sondern geben durch den surrealen Eingriff in die Wirklichkeit den düsteren Beigeschmack der touristischen Monokultur frei.

Muriel Senoner wurde 1974 in Bozen geboren, wuchs in St. Ulrich auf und besuchte dort die Kunstschule. Sie studierte Bildende Kunst in Berlin, Brescia und Mailand. Ihr künstlerisches Schaffen konzentriert sich auf die Untersuchung alltäglicher Bedingungen, gesellschaftlicher Funktionsweisen und Denksysteme. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Bozen

Kontakte :

Datum und Uhrzeit des Events :

Es gibt Termine vom 09 Juli 2026 bis 19 Juli 2026

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