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Sissa Micheli - MUSEUM’S RHAPSODY - Veröffentlicht von martin_inside

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Event-Informationen

Die Kunsthalle West Lana freut sich,die Personalausstellung MUSEUM’S RHAPSODY von Sissa Micheliim Sitz des Palais-Mamming-Museums zu präsentieren. Die Eröffnung findet am Donnerstag, den 24. Oktoberum 19.00 Uhr mit einer Einführung der Kuratorin Sara Salute und der Künstlerin, statt.Das site-specific Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Galerie Alessandro Casciaro entwickelt.

„Von Marcel Duchamp stammt die „bilderstürmerische“ Empfehlung, ein Gemälde von Rembrandt als Bügelbrett zu verwenden. Bekanntlich hat der Schöpfer des Readymade sein 1916 erstmals formuliertes Konzept 1934 um das sogenannte „reziproke Readymade“ erweitert. Während im Readymade ein beliebiger Gebrauchsgegenstand allein durch die Wahl des Künstlers in den Rang eines Kunstwerks erhoben wird, läuft es im reziproken Readymade in umgekehrter Richtung: Ein Kunstwerk wird in ein Gebrauchsobjekt zurückverwandelt. So weit geht Sissa Micheli nicht. Sie bleibt innerhalb der Musealität, aber ihre kombinatorisches Verfahren steht in der Tradition von Duchamps Readymade-Konzept. Der Akt der Wahl, der die Herstellung im handwerklichen Sinn ersetzt, die Zuweisung eines neuen Zwecks und das Überführen der ästhetischen Qualitäten in eine neue visuelle Präsenz stehen konzeptuell im Kontext des reziproken Readymades. In der Ausstellung Museum ?s Rhapsodykombiniert die Künstlerin im Sinne von Duchamps „most unexpected contacts“ Objekte aus der Sammlung des Palais Mamming mit Pelzstücken und anderen Objekten, um neue in Zusammenarbeit mit
diskursive Zusammenhänge und Sichtweisen zu ermöglichen. Ihr Leitmotiv könnte ein Bonmot des Lyrikers Comte de Lautréamont sein, das zum surrealistischen Glaubensbekenntnis wurde: „Schön wie die zufällige Begegnung zwischen einem Regenschirm und einer Nähmaschine auf einem Seziertisch“. Den von den Faschisten abgeschlagenen Kopf von Kaiserin Sissi kombiniert sie mit Quarzsteinen, die wie steinerne Tränen (Tears of the Past) ausschauen. Einen Totenkopf aus Marmor (King of Pins) krönt sie mit einem prunkvollen historischen Haarkamm, der Frucht-Zapfen einer Föhre wird durch die Kombination mit einem Pelzkragen zu einem Igel (Armored Procupine), drei hölzerne Mikroskope (TheFactory) ordnet sie zu Fabrikstürmen, über denen eine dunkle Pelzwolke dräut, aus einem Pelzkragen ragt eine Ruinenstadt aus Mineralgestein(City in Furs) heraus. Das Harte trifft auf das Weiche, das Mineralische auf die Tierwelt, und man geht nicht fehl, darin einen Reflex von Meret Oppenheims legendärer surrealistischer Pelztasse zu erkennen. Überhaupt sind die Bezüge von Sissa Micheli zu Werken der frühen Moderne und Avantgarde zahlreich. Die Tränen der Sissi lassen an die ikonischen „Glasperlentränen“ von ManRay denken, City in Furskönnte auf den Song „Venus in Furs“ der US-Rockband The Velvet Underground anspielen. Michelis Objektassemblagen sind temporäre Inszenierungen, die als Fotografien fixiert sind. Aus dem Museumsschlaf gerissen, wo sie als passive Zeugen und Beweisstücke ihrer einstigen Funktion fungieren, werden sie für einen fotografischen Augenblick lang reaktiviert, um danach erneut in den musealen Kontext zurückzukehren. Die Fotografien dokumentieren und speichern Michelis Museum auf Zeit. Begreift man eine Fotografie als Gedächtnis, kommt auch noch das Großthema Erinnerung ins Spiel. Um ihre kombinatorische Praxis zu beschreiben, verwendet Micheli den von T. S. Eliot geprägten literarischen Begriff des „objektiven Korrelats“. Für welche Emotionen sucht die Künstlerin Korrelate in Gegenständen, Situationen oder Ereignissen? Der Titel der Ausstellung, Museum ?s Rhapsody. A Microcosmos of Collection Objects, deutet auf ein musikalisches Denken hin. Die Künstlerin als Kuratorin betätigt sich als Dirigentin oder Komponistin eines Orchesters von Objekten, auf dass diese ihre „ursprüngliche“, wissenschaftlich klassifizierte Bedeutung einen Moment lang preisgeben und in einem sinnesfreudigeres Sammelprinzip existieren. Damit stellt sie sich in die Tradition der Museums-und Institutionskritik, die seit den Futuristen die Institution Museum mehr oder weniger revolutionär zur Disposition stellte. Der Protest der futuristischen Avantgarde richtete sich gegen die Institution Museum als solcher und scheiterte ander Abhängigkeit von genau der Institution, auf die sich ihre Kritik richtete.

Die Künstlermuseen von Daniel Spoerri und Claes Oldenburg hingegen machten sich die Seriosität des Museums zu eigen, um das exklusive Recht der Kuratoren, die Kunstgegenstände auszuwählen, zu sammeln und zu präsentieren, zu unterlaufen. Sie waren ein Versuch, die Ordnung der Dinge neu zu denken: Nicht hierarchisch, ohne Prioritäten, ironisch gegenüber den Ansprüchen der katalogisierenden Wissenschaft und mit viel surrealistischer Kombinatorik begabt. Sissa Michelis musikalisch grundierte Bedeutungsmetamorphosen stehen in dieser genealogischen Linie. Ihre Objekte beleben im Kleinformat das Prinzip der historischen Kunst-und Wunderkammern wieder, die die Welt einst in einer überbordenden Mixtur aus Kunst, Handwerk und Natur, Folklore und Technik, Rarem, Kostbarem und Kuriosem einfingen. Mit der Aufklärung gerieten die Wunderkammern außer Mode und wurden von den Museen als überholt und unwissenschaftlich verbannt. Dinge miteinander zu verkuppeln, die vordergründig jeder Logik widersprechen, bringt hintergründig Wunder ans Licht.“Heinrich Schwazer

Sissa Micheli wurde 1975 in Bruneck in Italien geboren. Sie studierte von 2000 bis 2002 an der Schule Friedl Kubelka für künstlerische Fotografie in Wien und absolvierte in den Jahren 2002 bis 2007 ihr Diplomstudium an der Akademie der bildenden Künste Wien bei den Professoren Franz Graf, Gunther Damisch und Matthias Herrmann, dasssie mit Auszeichnung abschloss. Sissa Micheli erhielt mehrere Preise und Stipendien, darunter 2008 den Preis der Akademie in Wien und den „Premio Pagine Bianche d'Autore“, Mailand, in den Jahren 2009 und 2013 das Atelierstipendium London und Paris des BKA sowie im Jahr 2015 das Staatsstipendium für künstlerische Fotografie. Im Jahr 2016 wurde sie mit dem Preis „Künstlerin des Jahres“ des Südtiroler Künstlerbunds und des HGV ausgezeichnet. Sie verzeichnet zahlreiche nationale und internationale Einzel-und Gruppenausstellungen und ist in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Sissa Micheli lebt und arbeitet in Wien.

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Kontakte :

Datum und Uhrzeit des Events :

Es gibt Termine vom 25 Okt. 2019 bis 06 Jan. 2020

Notizen über die Uhrzeiten :

Domenica e festivi/Sonntag und Feiertage h. 10:30-13:00

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