DER TAG DER LANDSCHAFT IST ANLASS FÜR DIE VON DER STIFTUNG LANDSCHAFT SÜDTIROL INITIIERTE AUSSTELLUNG.
Brave New Alps, Ulrich Egger, Siggi Hofer, Irene Hopfgartner, Hubert Kostner,
Sonia Leimer, Philipp Messner, Carmen Müller, Walter Niedermayr,
Gabriela Oberkofler, Petra Polli, Othmar Seehauser, Karl Unterbrauner
Kurator: Jürgen Tabor
Auf Initiative der Stiftung Landschaft Südtirol findet am Freitag, 27. Mai 2016 die vierte Ausgabe des TAGS DER LANDSCHAFT in Südtirol statt.
Die ausgestellten Werke reflektieren die Veränderung der Natur und Landschaft in Südtirol sowie die sozialen Auswirkungen dieser Transformationen, die sich zukünftig wahrscheinlich intensivieren.
Eingeladen wurde der Kurator der bedeutenden Galerie im Taxispalais in Innsbruck, um die Ausstellung zusammenzustellen. Seine Recherche konzentriert sich auf Reflexionen über Landschaft und Natur. Er hat ein Konzept erarbeitet, das vom Tag der Landschaft inspiriert ist und ein Thema bearbeitet, das der Stiftung Landschaft Südtirol sehr am Herzen liegt: die Veränderung der Natur.
Die Stiftung Landschaft Südtirol beschäftigt sich mit der Dokumentation und Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Belange der Kultur- und Naturlandschaft, mit der Anregung öffentlicher Diskussionen sowie der Unterstützung von Initiativen und Projekten zur nachhaltigen und ökologisch sensiblen Nutzung von Kulturlandschaft und der Übernahme von Bereichen (Biotope, Wiesen usw.), die als Erbe charakteristischer Natur- und Kulturlandschaft bewahrt werden sollen.
Die Stiftung unterstützt sowohl Maßnahmen zum Schutz selten gewordener Lebensräume als auch Initiativen zur Wiedergewinnung und Weiterentwicklung gewachsener Kultur- und Naturlandschaften.
Zum Konzept der Ausstellung:
Die ökonomischen, technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des 20. und 21. Jahrhunderts haben die Naturräume derart umfassend transformiert, dass unberührte Natur heute nur noch als Vorstellungsbild und Sehnsuchtsort existiert. Der aktuell intensiv diskutierte Begriff des Anthropozän für eine neue Epoche der Erdgeschichte, die von einer tiefgreifenden Veränderung der natürlichen Lebenswelt durch den Menschen charakterisiert ist, fasst diese Situation paradigmatisch. Die Prozesse der Industrialisierung, der großräumigen Urbanisierung und technologischen Vernetzung, der landwirtschaftlichen Monokulturen und massenhaften Nutzung von Pestiziden wie auch die gentechnologische Manipulierbarkeit von Pflanzen und Tieren haben zu einer Transformation unseres Lebensraums geführt, die im besten Fall ambivalent, im ungünstigsten apokalyptisch anmutet. Immer scheinen zivilisatorische Fortschritte mit unwägbaren Folgen für die Natur verbunden zu sein, wie die Klimaerwärmung und Gletscherschmelze, die Versauerung der Atmosphäre und der Gewässer oder das massenhafte Artensterben.
Wissenschaftler sprechen daher heute nicht mehr von natürlichen Ökosystemen, in denen der Mensch als Teil agiert und integriert ist, sondern von Anthromen, von Lebensräumen, deren grundlegende Eigenschaften vom menschlichen Gebrauch der Natur geprägt sind, von neuartigen hybriden Räumen aus Menschen, Tieren, Pflanzen und Technologien.
Vor diesem Hintergrund gilt es eine Anwaltschaft für Tiere und Pflanzen, für sogenannte Nicht-humane, zu entwickeln. Dabei geht es ebenso um die Respektierung der Würde anderer Lebensformen wie um die Bewusstseinsbildung für die Fragilität der Natur und die Begrenztheit der natürlichen Ressourcen.
Die Ausstellung widmet sich in diesem Kontext 13 Südtiroler Künstlerinnen und Künstlern, die in Auseinandersetzung mit dem spezifischen Kultur- und Naturraum Südtirols und darüber hinaus den gegenwärtigen Wandel von Natur und Landschaft und die daraus entstehenden gesellschaftlichen Auswirkungen untersuchen.
Die Ausstellung versteht sich als Teil eines Bewusstwerdungsprozesses über die Beziehungen zwischen den Menschen und ihrer natürlichen Umwelt, indem sie künstlerische Untersuchungen und Antworten auf die gegenwärtige Situation in Bezug zueinander setzt.