Leitgedanke des Ausstellungsprojekts ist der bunte Wollfaden, den verschiedene StrickerInnen seit Herbst 2015 quer durch Südtirol „gezogen“ und somit verschiedene Orte miteinander „verstrickt“ haben. Über 10 großformatige Strickwerke machen eine für gewöhnlich private Tätigkeit zu einem öffentlichen künstlerischen Event.
Das Strickwerk ist mobil, zieht einen zarten Faden von Haus zu Haus, es wächst an jedem Ort weiter. Es betritt Privatbereiche, hält sich in Räumen auf, die Außenstehende nie sehen. Es wird für eine kurze Zeit Teil des Schicksals der Menschen, bewohnt die Intimität des Häuslichen.
Masche für Masche, Reihe für Reihe, wächst ein Gewebe, das auf seine abstrakte Art Individualität und Privatsphäre verschiedener Personen vereint. Der Einsatz der einen StrickerIn häuft sich mit den schon geleisteten Beiträgen der VorgängerInnen, und die/der NachfolgerIn reagiert auf die Arbeit der vorherigen, sie entscheidet sich bewusst gegen eine Gestaltungsmöglichkeit und wählt eine andere, um für die NachfolgerIn eine neue Herausforderung zu schaffen.
Das Strickwerk fordert Kommunikation auf vielerlei Weise. Es entsteht ein nonverbaler Dialog zwischen Maschenreihen und variierenden Gestaltungsmustern – die Mobilität der Wolle setzt Verbindungsfäden in der Gesellschaft und zeigt ihre sozialen Verflechtungen auf.
Zuletzt erhalten die Strickwerke eine gleichmäßig Einfassung und einen Rahmen, denn die bunte Pracht dehnt sich. Und es scheint, als wären sie noch nicht zur Ruhe gekommen, als hätten sie noch die Reiselust und die Bearbeitung der vielen Hände im Faden. Dann sind sie eingespannt und entspannt – das Wollwerk ist vollendet.