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Giovanni Castell - solo show - Veröffentlicht von Galleria Alessandro Casciaro

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Event-Informationen

Was soll ich lieben, wenn nicht das Rätsel?
(Arthur C. Danto)

In seinem gesamten künstlerischen Werdegang wollte Giovanni Castell
– ob er sich nun mehr dem Figürlichen zuwandte oder Phasen durchlief,
in denen das Bild immer weniger „greifbar“ wurde und sich einer Erklärbarkeit zunehmend entzog – seine Umwelt immer mit forschendem Auge beobachten und folglich ihre bestehende Dimension interpretieren. "In meinen Augen hat die Fotografie die Realität nach und nach getötet. Sie hat sie verschwinden lassen. Bevor wir eine Landschaft real erfahren, haben wir sie schon auf Fotos gesehen. Das bewusste Sehen ist uns verloren gegangen. Auch verliert in einer Zeit, in der wir täglich von tausenden digitalen Bildern bombardiert werden, die morgen schon wieder vergessen sind, das einzelne fotografische Bild an Bedeutung. Der Zauber der Fotografie ist vorbei. Ich möchte weiterkommen, eine neue technische wie künstlerische Dimension erreichen". Mit diesen Worten legt Giovanni Castell perfekt seine Anschauung und die Richtung seiner Suche dar, die über die „simple“ Fotografie hinausgeht und sich der digitalen Bearbeitung und der digitalen Malerei bedient. Dabei verbindet er malerische und fotografische Prozesse, archaische und zeitgenössische Werkstoffe und verleiht so einer Gegenwartskunst Form, die die Vergangenheit nicht vergisst und auf ein anderes Morgen hofft. Die Farbe wird, wie wir unterstrichen haben, zusammen mit der Materie zu einer Szenendarstellerin; sie erscheint und zeigt sich dem Auge des Rezipienten ganz bewusst mehr als Malerei denn als fotografisches Element. Ein Verweis auf Mark Rothko und ein Zeugnis unausweichlicher Bewunderung für ihn, deutlich gemacht durch die Verteilung der Farbe mit horizontalen „fotografischen Pinselstrichen“, die Castell auf die Oberfläche aufträgt, wobei er faszinierende Wirkungen erzielt, die auf der Durchdringung von Farbe, Raum und Materie beruhen. Linien und horizontale Streifen in verschiedenen Farben, die sich in unzähligen Varianten spielerisch durchdringen, die in ihrem Bestehen nicht definiert sind, sondern zerfließen und eine unbestimmte, fluktuierende Wirkung erzeugen. Die Farbtonbereiche breiten und dehnen sich aus und rufen ein Gefühl des Vorrückens und dann des Zurückweichens hervor.
Die menschliche Gestalt hat sich entfernt, hat die Bühne verlassen und überlässt das Feld der Farbe (Farbfeld) und der Lumineszenz, die sich artikulieren und dabei das Aussehen ewiger Theophanien annehmen,
in denen Stille und Meditation entscheidend werden. Ein weiteres Werk, in dem die Stille, das Versenken und die Spiritualität ebenso wesentlich sind, jenes von Giorgio Morandi, der mit seinen Stillleben die Zeit in der Beziehung zwischen Subjekt und Objekt angehalten zu haben scheint. Flaschen, Tassen, Vasen, Karaffen werden auch von Castell ins Spiel gebracht, zwischen den Texturen seiner Farbfelder, die durch das Harz wie verschwommene, unscharfe Bilder erscheinen, so wie es bei fernen Erinnerungen der Fall ist, die längst ihre Schärfe verloren haben. Weit zurückliegende Erinnerungen, personifiziert durch zeitlose Gegenstände, die aber den unschätzbaren Wert von etwas annehmen,
was Thomas Eliot und dann Eugenio Montale im objektiven Korrelat gefunden haben: Ereignisse, Zustände oder, wie in diesem Fall, Gegenstände, die den Zweck haben, eine klare und besondere Gemütsregung anzudeuten und hervorzurufen. Wenn Nietzsche behauptet, nichts ist Kunst, es sei denn, man trotzt der rationalen Erklärung und es sei denn, dass uns ihre Bedeutung irgendwie entgeht, können wir ohne Zögern bekräftigen, dass der kreative Ausdruck Giovanni Castells genau in diese Richtung geht. Mit seiner Kunst versucht er nämlich, den Zustand der Ungewissheit, den man erlebt, während man träumt, wiederzugeben und somit sichtbar zu machen.

Alberto Mattia Martini

Kontakte :

Datum und Uhrzeit des Events :

Es gibt Termine vom 06 Okt. 2022 bis 12 Nov. 2022

Notizen über die Uhrzeiten :

Vernissage: giovedì / Donnerstag, 06.10.2022, ore 18.00 Uhr

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Juni 1936 in Modena geboren und absolvierte zunächst eine wissenschaftliche Ausbildung im Bereich der Physik. Nach künstlerischen Anfängen als visueller Dichter gestaltete er 1969 seine erste Esposizione in tempo reale, in der er das für seine spätere künstlerische Praxis zentrale Konzept der „Ausstellung in Echtzeit“ einführte. Wenngleich sein Schaffen unterschiedliche Herangehensweisen umfasst, wird es doch häufig aus dem Blickwinkel des konzeptuellen Realismus betrachtet. Esposizione in tempo reale n. 4, Lascia su queste pareti una traccia fotografica del tuo passaggio gehört zu seinen bekanntesten Arbeiten und war 1972 in einem eigenen Raum im Hauptpavillon der Biennale von Venedig zu sehen; in den Jahren 1980 und 1993 bespielte Vaccari dort erneut separate Räume. Neben seiner künstlerischen Arbeit begründete Vaccari ebenfalls eine einflussreiche theoretische Tätigkeit und publizierte wegweisende Texte wie Duchamp e l’occultamento del lavoro (1978) und Fotografia e inconscio tecnologico (1979). Seine Werke wurden international in bedeutenden Ausstellungen und Institutionen präsentiert, so etwa auf der Gwangju Biennale in Südkorea, in der Kunsthalle Basel, im Musée de l’Elysée in Lausanne, im Mostyn in Wales, in der Fondazione Morra Greco in Neapel und auf der Mailänder Triennale. Franco Vaccari verstarb 2025.

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