1914 nach wie vor 2014
Kurator: Valerio Dehò
Der Künstler Matthias Schönweger macht sich zum schöpferischen Interpreten einer Reihe von Originaldokumenten und Objekten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Kunst Meran hat anlässlich des Gedenkjahres zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren einen Künstler aus der Region eingeladen, der dafür bekannt geworden ist, dass er sich zeit seines Lebens mit der Vertiefung der Geschichte dieses Krieges, der Sammlung von Objekten aus jener Zeit und der Aufarbeitung der Ereignisse beschäftigt hat, die für die gesellschaftliche Identität von Südtirol prägend waren, um sich mit einer Ausstellung einem Thema der Vergangenheit mit heutigen Augen anzunähern. In dieser Ausstellung werden Momente persönlichen Erlebens erzählt und eine ansehnliche Auswahl von Bilddokumenten sowie Objekte präsentiert, an denen Schönweger Veränderungen vorgenommen hat, sei es durch Bemalung, durch Hinzufügung neuer Elemente oder durch ihre Umfunktionierung. Die Eingriffe des Künstlers weisen die für ihn typische Ironie aus, verbinden Spielerisches mit Tragischem und bewegen sich manchmal hart an der Grenze zum Grotesken und zum Kitsch. Schönwegers Kunst ist das Ergebnis eines bedingungslosen Schöpfungsgestus, verbunden mit einem stark konzeptionellen Ansatz und einer greifbaren Poesie. Seinem Interesse für Geschichte verleiht er Ausdruck, indem er die Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart ausfindig macht und ungeläufige, auch kuriose Aspekte in seinen Installationen, Skulpturen und Performances verarbeitet. Manchmal hinterfragt er auch die eigentliche Funktion der Dinge, denen er sich annähert, und rekontextualisiert sie in einer konzeptionellen Vorgehensweise, die sich vor allem durch einen spielerischen Umgang mit Worten und ihrer Vieldeutigkeit auszeichnet. Nachdem es seit 1999 möglich geworden ist, in der Autonomen Provinz Bozen Teile der alten Verteidigungsanlagen Südtirols zu erwerben, hat Schönweger mindestens 50 Bunker erworben, von denen er einige zu persönlichen „Objekt-/Werk-Lagern“ umfunktioniert hat. In diesen historischen, klaustrophoben Zufluchtsstätten bringt der Künstler Werke unter, mit denen er über den Zustand der Konsumgesellschaft reflektiert. Sie bilden so etwas wie Orte der Erlösung von der heutigen Kommerzialisierung des Lebens. Diese Bunker sind ebenfalls Bestandteil der Einzelausstellung von Matthias Schönweger, die Kunst Meran präsentiert wird.