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Paolo Riolzi - Green Screen - Veröffentlicht von ale inside

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Event-Informationen

Wenn man sich an einen Ort begibt, setzt man Wünsche oder Erwartungen um, die dann durch die Erfahrung vor Ortbestätigt werden, besonders wenn es sich um einen Platz handelt, der mit einem Kollektivbewusstsein zusammenhängt. Und wenn dieser Ort formal und ästhetisch genau dazu gedacht wäre, diese Erwartungen zu erfüllen? Der Beitrag von Paolo Riolzi (Mailand 1967) in der Goethe Galerie versteht sich nicht als banales divertissement, sondern er ist einfach nur die schlichte Demonstration eines Mechanismus. Beim Betreten des Raumes wird der Blick sofort vom Bild an der rechten Wand angezogen. Das auf dem großen Wallpaper abgebildete Foto vermittelt eine kurze Illusion, man hat das Gefühl, physisch an einem bestimmten Ort zu sein, nämlich in einem Schwimmbad. Eine klassizistische Balustrade, Felsen, Säulen mit dorischen Kapitälen, eine weiße Statue in klassischem Stil rings um das Wasserbecken entführen den Betrachter in eine andere Welt, fern der Gegenwart. Es sind Vorstellungen einer italienischen Landschaft aus dem Reisetagebuch, genau jene Landschaft, die im Kollektivbewusstsein gegenwärtig ist und die die Reisenden von jenseits der Alpen besuchen wollten. In anderem Format werden weitere Ansichten von Schwimmbädern in Hotels gezeigt, deren Ausstattung aus einer Reihe von Nachbildungen von Landschaften mit gezielten Bezügen besteht; diese betreffen sowohl den exotischen Geschmack –Palmen, Dünen–als auch die Atmosphäre des romantischen Gemäldes mit gelegentlichen gezierten Ausschmückungen–die kleine Holzbrücke, die Felsenburg, die eine oder andere klassische Ruine – als auch die Darstellung schneebedeckter Gipfel, die vom Balkon eines Bergchalets von Figuren in Trachtenbestaunt werden. Außerhalb der Hotelanlage hebt sich die Berglandschaft in ihrer Wirklichkeit und Greifbarkeit ab, wie man sie eben von Cavalese, Schlanders oder Lüsen aus bewundern kann. Die Ausstellung umfasst auch ein an der Riviera gedrehtes Video mit derselben thematischen Auswahl. Der Name Riviera evoziert bereits eine ganz bestimmte Ansichtskarte mit Stränden, schlaflosen Lokalen und wimmelnden Menschen. Ein Maler-DJ reproduziert im Rhythmus der Musik eine Meerlandschaft auf Leinwand. Er tut dies am Strand, wobei er auf das Meer sieht, und zwar das wirkliche. Das Publikum wohnt der musikalischen und malerischen Darbietung bei: auf der Leinwand sieht man das Meer, einen Delfin, der in den Wellen spielt, den Sonnenuntergang. Der Mechanismus Disneyscher Prägung zeigt, was visuell zu unserer Erinnerung gehört, und setzt einen Selbsterkennungsprozess in Gang. Die Ausstellung Green Screen ist der erste Teil einer speziellen Untersuchung über einige Hotels in Trentino-Südtirol und Tirol. Die Auswahl der Aufnahmen ist eine Zusammenfassung der Neigung zur Selbstdarstellung – häufig ist es die gleiche Landschaft, die sich außerhalb dieser Schwimmbäder befindet –, mit einer gewissen kompositorischen Freiheit, die verschiedene Kodexe und Ausdrucksmittel vermischt. Auch dieses Ausstellungsprojekt versteht sich als Mosaikstein, der Teil unserer Identität ist, und eröffnet ein neues Kapitel in der Nachforschung des Künstlers. Was wir sind und was wir begehren, ist häufig das Abbild der kollektiven Erfahrung, und zwar unter Verlust einer identitären Entwicklung, die individuell durchlaufen werden muss. Die kollektive Identität ist ein Begriff, anhand dessen das Individuum seine Selbstbestätigung in Beziehung setzt, indem es sie als Teil einer Gemeinschaft zurückführt. Es ist eine Form der Selbstidentifikation durch Zuweisung der Zugehörigkeit zu einer Allgemeinheit. Jedes Individuum verfügt über verschiedene kollektive Identitäten, macht sie sich zu eigen und lebt sie; diese ersetzen die weit problematischere Bildung einer spezifischen Einmaligkeit. In diesem Sinne können Räume und Bauwerkeerkennbar, vertraut und zu einem Teil von uns werden, da sie eine Welt ins Bewusstsein rufen und nachbilden, die zu unserer kollektiven Erinnerung gehört, die sich über die Gegenwart legt und uns in eine zeitlose Welt versetzt. „Fotografien erklären nicht: sie stellen fest“, sagt Susan Sontag. Und so zeigen die Bilder von Paolo Riolzi den Mechanismus, der die identitäre Entwicklung begründet und gestaltet. Die fotografische Wiedergabe dieser Untersuchung erfolgt nach einer Methode, die eine ganz bestimmte Einstellung vorsieht, in der es keine Menschen gibt, wo die Farben lebhaft sind und alles klar und scharfdargestellt wird. Man kann alles bis ins kleinste Detail perfekt erkennen und beobachten. Die Fotos werden zu Objekten, die man betrachten kann, Details, in denen man sich verlieren kann. Im Spiel des „als ob“ hat die Rekonstruktion der auf den Fotos abgebildeten Wirklichkeit die Kraft, diese Daseinsebene zu verlassen und in jene der Authentizität überzugehen.
So werden die Schwimmbäder und auch die anderen Orte des menschlichen Wohnens, die der Künstler erforscht, zu unserem Green Screen, dem Hintergrund, auf den wir unsere Vorstellungen und unsere Identität projizieren; wobei „unser“ kein individueller Wunsch ist, sondern vielmehr ein nostalgischer Kunstgriff, in dem die Stereotypen und der Fetisch Formen annehmen und inszeniert werden.

Kontakte :

Datum und Uhrzeit des Events :

Es gibt Termine vom 16 Mai 2014 bis 20 Juni 2014

Notizen über die Uhrzeiten :

lun-Mo-ven-Fr ore 15.00-19.00 Uhr; Mattina su appuntamento - Vormittags nach Vereinbarung

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