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Volksstück von Ludwig Anzengruber Bearbeitung und Regie Ulrich Kofler. In den fünfziger Jahren erregte eine Filmgesellschaft in Pfitsch großes Aufsehen. In St. Jakob wurde unter der Regie von Rudolf Jugert das Bekannte Bühnenstück „Der Meineidbauer“ des ober-österreichischen Dramatikers Ludwig Anzengruber, der im vorigen Jahrhundert lebte, verfilmt. Namhafte Schauspieler, darunter Carl Wery, Christiane Hörbiger-Wessely und Attila Hörbiger, bewiesen als Charakterdarsteller ihr Können. Als Kreuzweghof standen der alte Fuchshof in Innerpfitsch und als dazugehörendes Ausgedigene das naheliegende Paulerhäusl im Mittelpunkt der Filmaufnahmen. Schauspieltruppe und Filmleute hatten im Gasthof Knappenhof Quartier bezogen. Für die Bevölkerung von Pfitsch bildete das ganze Drum und Dran bei den Filmarbeiten für längere Zeit einen beliebten interressanten Gesprächsstoff. Mit diesem Film wurde das Pfitscher Hochtal im ganzen deutschen Sprachraum bekannt. Nun, sechzig jahre später zeigt die Pfitscher Volksbühne Anzengrubers vielleicht eindringlichstes Werk „Der Meineidbauer“ als Theaterstück auf der Bühne. Ein zeitloses, tiefgründiges Volkstheaterstück in einer neuen Bearbeitung und modernen Inszenierung von Ulrich Kofler. Ausgeprägte und kraftvolle Dialoge prägen das Geschehen. Mit einem Meineid erschleicht sich der Kreuzwegbauer den Hof seines Ziehbruders und stürzt die rechtmäßige Erbin samt ihrer Kinder in Not und Schande. Tatsächlich blüht der Hof auf, und mit Frömmelei lässt sich das Gewissen beruhigen. Doch nun wächst die nächste Generation heran, und alte Wunden brechen auf: Die Tochter der Vertriebenen erfährt, welches Unrecht ihrer Mutter angetan wurde. Der Sohn des reichen Bauern muss schmerzlich die schwere Schuld des Vaters wahrhaben. Wird Wiedergutmachung oder Verzeihen möglich sein? Die Frage der Schuld und des Verzeihens wird unerbittlich gestellt. Wir untersuchen im „Meineidbauer“, wie sich einmal getätigte Schuld weiterentwickelt und durch zwangsläufig folgende neue Verbrechen potenziert wird. Der Ausstieg aus der Unglücksspirale wird mit jeder weiteren Tat schwerer. Wir erleben alle Stufen der Eskalation – und am Ende einen Hoffnungsschimmer auf verbrannter Erde.