Event-Informationen
Arbeitsgruppe: Milica Tomi mit Ana Bezi (archaeologist) Produktion: Stefano Riba (Projekt Manager) Ar/Ge Kunst freut sich, ein neues Werk der Künstlerin Milica Tomi, einer wichtigen künstlerischen Stimme der letzten 30 Jahre, in Auftrag zu geben. Milica Tomi positioniert den Ort, insbesondere seinen Boden (sowohl das, was er enthält, als auch das, was er erhält), als entscheidenden und aktiven Akteur im Prozess der Wissensbildung. Milica Tomi und die Archäologin Ana Bezi – beide sind Mitglieder der Grupa Spomenik (oder Monument Group) – betrachten die Erde als Archiv und richten den Blick auf das, was als materielles Zeugnis erscheint, um aufzuzeigen, wie Wetter, Wald, Landwirtschaft, Eigentumsregelungen, Alltagsleben, Arbeit, Klasse und Ethnizität einander kontinuierlich überlagern. Der Schlamm selbst wird ausgestellt, das, was noch zu filtern ist, und das, was bereits aufbereitet wurde. Ein mechanisches Filtersystem, bestehend aus Tanks, Rohren und Sieben – es gleicht dem an der archäologischen Stätte von Can Hasan in der Türkei entwickelten Ankara-Flotationstanksystem –, enthält Emulsionen aus Erde und Wasser, wobei ein und dasselbe Wasser in einem geschlossenen System zirkuliert, und nimmt den gesamten Ausstellungsraum ein. Erde von eigens ausgewählten Orten in Südtirol wird während der Monate der Ausstellung in wiederkehrenden Zeitabständen durch den Tank geleitet. Der Ausstellungsakt verdichtet sich hier zu einem durchsichtigen Schnitt oder Querschnitt durch den Hauptfiltrationstank. Er gewährt uns Einblick in den Bereich zwischen den Sieben, die flot – Schwebeteilchen mit einer Größe von weniger als 4 mm – auffangen, und dem Rückstand am Boden des Filtrationszylinders, auf den schwerere Teilchen herabsinken. Ausstellen bedeutet hier, die dichte Opazität der Materie, ein Gemenge der Komplexität, die vierte Wand des Theaters auf einem Schleier aus spiralförmig kreisender Erde aufscheinen zu lassen – die nicht-performierende Materie. Dieser sich neu auftuende Zwischenraum zeigt den Bereich des Un-Siebbaren und nimmt die unsichtbare Materie in den Blick, das potenziell nicht Existierende, das möglicherweise Existierende oder das noch zu Erdenkende. Sie ist ein Überrest, der anzeigt, was nach einem Prozess oder Ereignis übrig bleibt. Die nicht bestimmbare Erinnerung an das, was verborgen war, übersehen wurde oder unberücksichtigt blieb. Sie ist ein Überschuss entwerteter Materie, die eine materielle Erinnerung darstellt und einen realen Raum für das Unbekannte eröffnet. Der künstlerische Akt liegt in der Suche nach dem Aufscheinen eines politischen Subjekts – des Betrachtenden – im Boden-als-Archiv. Auf diese Weise erzählt das Werk von den Kontinuitäten und Diskontinuitäten jedweder politischen Wahrheit. Mit besonderem Dank an: Jasmine Rizzi (Archäologische Untersuchungen) Hannes Obermair (EURAC Research) Catrin Marzoli (Amt für Archäologie, Autonome Provinz Bozen) Annemarie Augschöll (Forschungs- und Dokumentationszentrum zur Südtiroler Bildungsgeschichte. Fakultät für Bildungswissenschaften – Freie Universität Bozen) Heidi Hintner (Maria-Hueber-Gymnasium / Sozialwissenschaftliches Gymnasium) Roland Messner (Amt für Archäologie, Autonome Provinz Bozen) Philipp Sattler, researcher, artist, writer Dragana Filipovi (Archäologin/Archäobotanikerin, CAU Kiel, Germany) Atelier Museion, Bolzano