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GRÜNES HOLZ Neun Künstlerpositionen zeigen die jüngsten Tendenzen im Umgang mit Holz. Die Einladung des Kulturvereins „Tublà da Nives“ an den Südtiroler Künstlerbund eine Ausstellung im neuen Kulturzentrum in Wolkenstein auszurichten, hat –Tobia Moroder und Lisa Trockner – vor die Herausforderung gestellt, eine für den Ort konzipierte Gemeinschaftsausstellung zu erarbeiten. Die Idee, Holz als Werkstoff und schöpferisches Material als gemeinsamen Nenner der Ausstellung einzusetzen, schien zwar nahe liegend doch für das Grödental nicht sonderlich originell. Auch wenn der Gedanke vordergründig an „Eulen nach Athen tragen“ erinnern mag, hat die weit reichende historische Recherche und Beobachtung der gegenwärtigen Tendenzen die Faszination für das Material und seine Tragweite geschürt. Im Bereich der Kunst ist die Geschichte des Holzes eine genauso lange wie prägende, die es vermag, über die jeweilige Zeit zu erzählen: Die filigranen Schnitzarbeiten der gotischen Holzaltäre über die Rokoko-Putti bis hinauf zu den Holzskulpturen der Expressionisten sind jeweils Zeugen epochaler Merkmale für geistige Haltung und Bearbeitungsfertigkeiten. Der Titel „Grünes Holz“ bezieht sich auf den jüngsten Umgang mit einem Jahrtausende alten Material. In dieser Schau werden kaum Positionen gezeigt, die in geschätzter Grödner Manier konkrete oder abstrahierte Formen durch sägen, schnitzen und feilen aus dem Rohstoff herausarbeiten. Vielmehr wird das Material durch raffinierte Handarbeit zur Freiform oder manchmal gar zum Inhaltsträger: In den digitalen und analogen Arbeiten von Michael Sailstorfer und Bertram Kober wird Holz in seiner ursprünglichen sowohl als auch verarbeiteten Form zum motivischen Gegenstand des Mediums; Im Video von Thomas Sterna ist Holz als Werkstoff das bloße Mittel zum Zweck; Peter Senoner benutzt die traditionelle Grödner-Art der Holzbearbeitung als Vorlage visionärer Denkansätze; Carlo Speranza baut aus Holz Wirklichkeitsbilder, die durch Verzerrung auf absurd-hintersinnige Weise den Nerv der Zeit treffen; Sozialkritische Ansätze evoziert auch die Installation Diego Perathoners, der Raubbau am Rohstoff visualisiert; In seiner natürlichen haptischen Form und Formbarkeit begreift Paul Feichter Holz; Hubert Kostner und Arnold Holzknecht thematisieren durch leise Anspielungen oder unbekümmerter Ironie ein für oder gegen Tradition. Die Ausstellung zeigt ein Naturprodukt in seiner Vielfältigkeit in bedacht schöpferischer Verwendung, die durch Zweifel und Gelingen an der Substanz der Materie bohrt.