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In Nataly Maiers Malerei scheint die dichte, tief geschichtete Farbe dem Malkörper selbst zu entspringen, und sie ist es, die unsere Sinne so anregt, dass sie zum Gefühlserlebnis wird. Die formaltheoretische Recherche, die die Künstlerin in den Achtzigerjahren begonnen hat, schreibt nämlich der evozierenden Macht der Farbe eine Hauptrolle zu und eröffnet uns, dass sowohl jede Situation als auch jeder Gegenstand in entsprechende Farbtöne umgesetzt werden kann. Die Farbe wird demnach als sich entwickelnde Erfahrung aufgefasst, als etwas, was gerade geschieht, nicht als eine feste, unverrückbare Gegebenheit. Die seit langem in Mailand lebende deutsche Künstlerin (*1957 in München) kommt von der Fotografie, innerhalb der sie die Beziehungen zwischen gemalter und fotografierter Farbe untersuchte; anschließend setzte sie ihre Recherche fort, indem sie sich schrittweise immer stärker auf die Malerei als solche konzentrierte. Schon 2005 hob Letizia Ragaglia im Katalogtext zur ersten Personale Nataly Maiers in der Galerie von Antonella Cattani hervor, dass ihre Vorgangsweise sachgemäß in der Kunst zur Anwendung kam, die wir heute als minimalistische amerikanische Malerei definieren. Heute noch erinnern die Beweggründe für Nataly Maiers Arbeit an einen Ausspruch von Robert Ryman: there is never a question of what to paint, but only how to paint – Nicht, was man malt, sondern nur, wie man malt, ist die Frage. Einem Prozess der Demontage und Rekonstruktion von Eindrücken und Erfahrungen entsprechen dagegen die Werke, die als Diptychen konzipiert sind. Die Künstlerin verknüpft mit einer monochromen Fläche, der sie zutraut, das in seiner Essenz dargestellte Sujet zu evozieren, nur einen Namen oder mitunter auch ein Bild, die berühmten Gemälden von Künstlern wie Botticelli oder Caravaggio entnommen sind. Farbverwandtschaften, genauer gesagt, das Ausstellungsprojekt, das am Freitag, den 6. Mai um 18.30 Uhr eröffnet wird, verdeutlicht die Poetik der Künstlerin; darin sind Reflexion und Synthese der Elemente ihrer Recherche klar zu erkennen, da sich in den letzten zwei Jahren ihre Werke gerade darauf konzentrieren. Die reiche, natürliche Energie, die diese Werke vermitteln, wird durch den Einsatz mineralischer Pigmente verstärkt, die in Verbindung mit der Eitempera an Dichte und Tiefe gewinnen. Die Künstlerin fügt mehrere Malschichten hinzu, ohne die darunter liegenden auszulöschen, bis die Farbe vibriert und sich alle chromatischen Wertigkeiten einverleibt.