Event-Informationen

Jeden Tag hasten wir daran vorbei: an dem einen Dorfwinkel, an dieser Stadtkreuzung, an jener Mauer. Und was sehen wir? Wir speichern einen Gesamteindruck, fangen unbewusst die Stimmung ein, verheddern uns in ein kurioses Detail. Aber nur sehr selten schweift unser Blick über die alte Mauer und entdeckt die Schönheit, die sie ausstrahlt. Oder erkennt darauf die Zeichen der Zeit: schichtenweise aufgetragen als wär‘s von einem launischen Maler - mal zart und filigran, mal grob und ungeschliffen. Auch bleiben unsere Augen nur gelegentlich an den Farben, ihren Nuancen und Schattierungen, hängen. Sie haben sich langsam gebildet, durch Sonneneinstrahlung, durch die Einwirkung von Wind, Regen, Feuchtigkeit, Korrosion, auch Luftverschmutzung, durch das Wachsen von Moosen und Flechten, durch Tierspuren vielleicht. Die Fotografin hat ein Auge dafür entwickelt, für diese „marode Schönheiten“, wie sie die Bilder unserer nächsten Umgebung selbst nennt. Und um den sinnlichen Reiz dieser MauerWerke deutlicher hervorzuheben, verwebt und montiert sie auf deren Textur andere fotografische Elemente und schafft damit ihre eigenen Kompositionen. Marion Overkamp stülpt mit ihren „gemalten“ Mauerwerken dem Wohlvertrauten eine neue Komponente über, sie schärft unseren Blick, sie kratzt an der Oberfläche unserer Wahrnehmung. Anita Rossi, Journalistin