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Von Donnerstag, 8.Mai bis Samstag, 28. Juni 2014 zeigt die Goethe Galerie Bozen die Ausstellung BEUNRUHIGENDE MUSEN mit einer Auswahl von Werken von: Sylvester Ambroziak, Lois Anvidalfarei, Georg Baselitz, Claudio Bonichi, Giuseppe Bergomi, Dino Boschi, Pedro Cano, Giovanni Castell, Leonardo Cremonini, Aron Demetz, Otto Dix, Andrea Facco, Lucian Freud, Adolf Frohner, Ernst Fuchs, Domenico Grenci, Giselbert Hoke, Alfred Hrdlicka, Marco Perroni, Karl Plattner, Giovanni Sesia, Klaus Stephan, Alberto Sughi, Wainer Vaccari, Markus Vallazza, Paolo Vallorz. Mütter, Ehefrauen, Musen, Geliebte. Im Panorama der Kunstgeschichte haben die Frauen viele Rollen in den Bildern bekleidet, die ihre Geschichte enthüllt oder ein Stückchen ihrer Seele gestohlen haben. Doch der auf sie gerichtete Blick war natürlich stets ein zweifacher. Auf der einen Seite die Perspektive von Frauen, die von anderen Frauen erzählten. Von Artemisia Gentileschi zu Käthe Kollwitz bis hin zu Louise Bourgois, um nur einige Beispiele zu nennen. Auf der anderen Seite gab es hingegen Männer, die die Welt der Frauen ergründet haben, um sie zum Ausdruck zu bringen, oder weil sie sich als Protagonisten im Leben ihrer Frauen empfanden, da sie die Möglichkeit hatten, ihnen sehr nahezukommen. Man braucht nur an den großen Rembrandt (1606-1669) zu denken, der zahlreiche Frauen – von der Ehefrau zur Amme bis zum Dienstmädchen – geliebt und ebenso viele porträtiert hat. Oder an Egon Schiele, der gerade wegen der Frauen – Heranwachsende ohne Hemmungen wie die Schwester Gerti, die erste Gefährtin Wally oder die Ehefrau Edith – sogar der Verführung Minderjähriger angeklagt wurde und im Gefängnis landete. Armer Schiele, dessen Schuld nur darin bestand, dass er mit drastischen Zeichen die Angst vor dem Leben beschrieben hat, das verzweifelt an einem wehrlosen Körper hängt. Es gibt viele Fälle, wo die Frau von ihrem Interpreten an der Staffelei abhängig ist, dem sie sich ohne Schleier anvertraut zu haben scheint; vielfach aber handelt es sich um Situationen, die man andersherum sehen muss, und zwar als Formen der Abhängigkeit des Künstlers von seinem Modell. Cézanne porträtierte seine Frau Hortense unzählige Male, wobei er ihr lange und zermürbende Porträtsitzungen auferlegte. Sie hasste ihn beinahe! Er dagegen sah in ihr seine Liebe zur Natur der Dinge widergespiegelt. Er konnte nicht umhin, sie zu betrachten, zu beobachten, abzubilden, und zwar aus vornehmlich egoistischen Motiven. So gesehen werden die Mutter, die Ehefrau, die Muse, die Geliebte zu Seelenspiegelndes Autors, der einen Teil von sich auf sie überträgt, sich in ihren unruhigen und gewundenen Posen, in den scharfkantigen Gesichtszügen entblößt, sich selbst offenbart. Abseits der Gemeinplätze, der Klischees, der Stereotypen, die in den „abgebildeten“ Frauen die klassischen Themen der zur Schau gestellten Zerbrechlichkeit, Sanftheit, Verführungsehen, haben wir es hier mit einer Ausstellung zu tun, die seltsamerweise von Männern spricht, und zwar durch ihre Frauen. Eine Ausstellung von „Selbstportraits“ im Spiegel, gestaltet von verschiedenen Autoren – vom historischen Meister bis zum aufstrebenden jungen Künstler–, die in einen ideellen Dialog treten mit einer Meisterradierung von Rembrandt, einem seiner berühmten schattenverhüllten Akte.