Event-Informationen
Veronica Zanoner (1922 – 2022) Raish (Wurzeln) WURZELN Ich weiß von einem See, der zwischen Felsen liegt; blau ist sein Wasser und weiß, schneeweiß sind die sich darin spiegelnde Wolken. Grün ist die Wiese an seinem Rand. Klar ist das Wasser des Brunnens Und geschwätzig der stete Tropfen, manchmal auch weinerlich, im Trog. Rot war der Blitz, der meine Almhüttezerstörte; Nur die Steine der Grundmauern Sind neben dem Zirbelbaum übriggeblieben. Sehnsucht, Heimweh nach der Heimat Verzehrt meine Seele In der verfremdeten Stadt. Es ist eine Ansammlung von Farben und Steinen, die ich überall mit mir herumtrage, mit der geliebten ladinischen Sprache meiner Ahnen. Wurzel, die mich umfassen; Weg, der nach Hause führt; Bindung, die zusammenschließt. Die Ausstellung „Raish“ will der Künstlerin und Schriftstellerin Veronica Zanoner, die dieses Jahr Anfang Dezember ihren hunderdsten Geburtstag gefeiret hätte, Anerkennung sein für ihr Lebenswerk. Sie ist am vierten August 2022 in ihrem Haus in Bozen verstorben. Veronica Zanoner ist eine der wichtigen Persönlichkeiten gewesen, die zum verstärkten Bewusstsein der ladinischen Identität und Kultur beigetragen hat. Sie hat uns einen wertvollen Beitrag im Bereich der Literatur und der Bildenden Kunst hinterlassen. Veronica Zanoner ist von Bedeutung gewesen für den Erhalt und Entwicklung der ladinischen Wurzeln, auf die ihre Kunst gedeihen konnte. Weitaus bekannt war sie in der Provinzhauptstadt Bozen, in der sie vom Ende des zweiten Weltkrieges bis in den 80ern als eine der ersten Mitarbeiterin für die ladinischen Programme „Radio Ladina“ der „Rai“ in Bozen gearbeitet hat. Von kultureller Relevanz sind auch ihre zahlreichen Artikel, welche sie für die ladinische Zeitung „La Usc di Ladins“, bis noch vor wenigen Jahren, verfasst hat. Veronica Zanoner, alias Tinoto Gabana, verheiratet Piccoliori, Mutter des Hausarztes Giuliano, die in Moena in Fassatal aufgewachsen ist, hat die Kunst in die Wiege gelegt bekommen. Die Leidenschaft des Malens, des Schnitzen, des Schreibens hat ihr Leben geprägt. Ihr Talent für das Schreiben hat sie bereits während ihrer Mitarbeit zum Magazin “Nosha Jent” zur Probe gestellt. Neben anderen Artikeln in verschiedenen Zeitungen sind jedoch ihre Prosa in einem persönlichen Schreibstil, welche sich durch eine eigene Spiritualität und einer ladinischen Identität auszeichnen, hervorzuheben. Einige davon sind in der Publikation “Leam ke rekonjonc” (Bindung, die zusammenschließt) 1987 vom Grop Ladin in Moena herausgegeben worden, mit Übersetzungen in italienischer und deutscher Sprache. Im Jahr 2007, im Zuge der Feier zur Danksagung gerichtet an die ladinischen Medien, ist Veronica Zanoner von der Union di Ladins de Fascia für ihr Bemühen in Literatur und Publizistik ausgezeichnet worden. Zanoner hat an verschiedenen Ausstellung teilgenommen und Anerkennung bekommen, unter anderem ist sie im Jahr 2010 für die „3^ Trienala Ladina“ des Museo Ladin Ciastel de Tor auserwählt worden. Veronica Zanoner hat in ihrer Kunst die Vergangenheit mit Innovation gekonnt in Verbindung gebracht. Durch ihre Liebe zur Heimat, ihrer Muttersprache und ladinischen Kultur, hat sie den mystischen Wert, der Mensch und spirituelle Welt verbindet, zum Ausdruck gebracht. In ihren Texten und in ihren Gemälden ist von einer Natur in der sich Gott manifestiert, zu sehen und zu lesen. Jeder dargestellte Felsen in den Dolomiten ist einer Legende verbunden, welche Zanoner in abstrakter Weise, mit lebendigen Farbigkeiten, in einem Stil zwischen Expressionismus und Kubismus, festhält. Veronica Zanoner hat sich von den geheimnisumwitterten und transzendentalen Elementen der Berge inspiriert, um die essentiellen und charakteristischen Aspekten „ihrer“ Berge einzufangen. Es sind zeitlose, poetische Arbeiten, welche eine emotionale Beschreibung ihrer Vision des Lebens und der Schöpfung sind. In ihrer Kunst erkennt man ein sich Auseinandersetzen mit philosophischen und spirituellen Thematiken, die über die reine Rapräsentation gehen. Zanoner erprobt die Beziehung zwischen historische Landschaft und etnische Haltung, welche letzte den mytologischen Charakter der Raetia miteinbeschließt. Die Figuration einer natürlichen Umgebung sind daher stets ein Verweis auf die Verbindung zwischen dem Umfeld und seiner Geschichte, der Stimmungen der Natur und des Ambientes. Diese mythologische Komponente ist charakteristisch für die Glaubensvorstellungen unserer Ahnen in Ladinia. Zanoner hat sich den Sagen um König Laurin gewidmet oder des Karersees mit Betonung auf die Schaffensmythen der Dolomiten. In diesem Kontext wird das Menschenleben mit jenem der Evolution der Natur, mit ihren klimatischen sowie meterologischen Veränderungen, konfrontiert. Sie behandelt diese Thematiken mit Feinfühligkeit und berührt dabei die Abgründe der menschlichen Existenz; ihre Bilder schweifen in Ebenen weitab der weltlichen Erfahrungen und berühren die Tranzendenz. Die Betrachter werden auf eine Reise der urzeitlichen moralischen Kraft mitgenommen, in der die Gegensätze zwischen Leben und Tod schwinden. Veronica Zanonern hat uns ein wertvolles kulturelles Erbe aus literarischen sowie künstlerischen Werke hinterlassen, welches Beachtung aund Anerkennung gebührt.