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Die Fotografie spielt heute mehr denn je eine zentrale Rolle in unserem Leben. Wir “konsumieren” täglich Bilder, teilen sie in den sozialen Netzwerken, verschicken sie in Nachrichten und produzieren sie in einem nie endenden Strom. So ist die Fotografie ein wichtiger Teil einer neuen Kommunikation geworden: schnell, unmittelbar und direkt – ohne Überraschungen. 36EXP will diesem kontinuierlichen Strom an Bildern etwas bereits in Vergessenheit geratenes entgegensetzen: das Warten und die Überraschung. Ein Aufruf hat Fotografen, Analog-Film-Fans und Emulsions-Enthusiasten eingeladen, eine Rolle zu 36 Bildern zu belichten, das Sujet und die Technik waren frei wählbar. Die Filmrolle sollten sie dann an 36EXP schicken, ohne sie zu belichten – ein Sprung ins Ungewisse. 41 Personen sind dem Aufruf gefolgt und haben 41 Rollen Film aus verschiedenen Ländern der Welt geschickt. Viele Filmrollen kamen aus Italien aber auch aus Frankreich, Belgien, Holland, Deutschland, Spanien, der Schweiz, England, Kanada und Japan wurden Filme eingeschickt. Das Ergebnis war sehr interessant und die eingetroffenen Projekte waren sehr unterschiedlich. Eine Jury hat aus allen Einreichungen 2 Filmrollen ausgesucht. Die erste Rolle wird in Bozen in der Galerie FotoForum vom 5. Dezember bis zum 11. Januar ausgestellt. RIVERRUN / Manuela Naddeo / Italia 2019 Weder die abgebildeten Menschen, noch die öffentlichen Orte, die übergeben und der Zeit entwendet wurden – der eigentliche Hauptdarsteller der Filmrolle ist der Fluss. Die Szenen, die entlang des Sarno festgehalten wurden, von der Quelle bis zur Mündung, über die Strände, zeigen den Übergang, in nur vierundzwanzig Kilometern, von der Nutzung des Flusses bis zur Ohnmacht gegenüber seiner Kraft – fast als Beweis, dass man „eine tödliche Substanz nicht zweimal im gleichen Zustand berühren kann“. Aber das Wort, der Literatur entwendet und hier an Stelle des Titels wiedergegeben, verleiht den Bildern eine Lesereihenfolge, in der Anfang und Ende nicht leicht auseinanderzuhalten sind: auf die „Zartheit der Utopien“. Manuela Naddeo (Pompei 1996) hat 2019 ihren Abschluss am Conservatorio di Napoli gemacht. Derzeit studiert sie Elektronische Musik und Klassische Literatur. Als autodidaktische Fotografin richtet sie ihren Blick auf die menschlichen Landschaften der Provinz in der sie wohnt.