Event-Informationen
Stefan Alber, Arnold Mario Dall'O, Käthe Hager von Strobele, Hubert Kostner, Erbossym Meldibekov, Judith Neunhaeuserer, Gulnur Mukazhanova, Slavs and Tatars, Alexander Ugay Die diesjährige Ausstellung des Südtiroler Künstlerbundes in der Stadtgalerie Brixen widmet sich den Fragen von Zugehörigkeit und Identität. Konzept und Kuratierung Anna Fech. DissemiNation diskutiert und hinterfragt die „Nation“ und mit ihr in Verbindung stehende Begrifflichkeiten wie Tradition, Zugehörigkeit und Identität. Durch Begegnungen, Dialoge und Austausch zwischen den KünstlerInnen, aber auch mit der regionalen Bevölkerung, widmet sich das Projekt dem Versuch bipolare Denkstrukturen aufzubrechen und einen Raum zu schaffen, der vielschichtige Situationen und die Koexistenz von Widersprüchen zulässt. In Lexika wird die Nation gerne als «ethnische Gemeinschaft» bezeichnet, die verbunden ist durch homogene Merkmale z.B. gemeinsame «Geschichte, Kultur, Sprache, meist innerhalb eines bestimmten Territoriums». Wie schnell diese Definition an ihre Grenzen stößt wissen Südtirol, aber auch Länder Zentralasiens zu berichten, die nach dem Zerfall der Sowjetunion wieder stärker mit Thematiken der Identitätsfindung konfrontiert sind. Bei beiden Regionen resultierte aus der wechselhaften territorialen Geschichte, der Umsiedlungspolitik und dem Zusammenwachsen unterschiedlicher Kulturräume eine Bevölkerungszusammensetzung, bei der Fragen nach Zugehörigkeit und Herkunft nicht einfach zu beantworten sind. Aktuelle Entwicklungen wie die Globalisierung und Migration machen die Thematik noch komplexer. Der Titel dissemination (engl. Verbreitung, Verteilung, Streuung) ist angelehnt an den Philosophen Jaques Derrida, der beschreibt dass ein Text jedes Mal, wenn er gelesen wird, eine neue Bedeutungsebene entfaltet und deshalb in seiner Interpretierbarkeit niemals erschöpft sein kann. Homi Bhabha, einer der Schlüsselfiguren der postkolonialen Theorie, überträgt diese Idee der unabschließbaren Interpretation auf den Begriff der Nation, um ihn als ein statisches und eindeutiges Konstrukt in Frage zu stellen. Dem Theoretiker geht es um die komplexen Strategien kultureller Identifikation, die eine widersprüchliche Verortung des Subjekts zulassen, weil sie von Ambivalenzen und doppelten, wenn nicht sogar multiplen Sichtweisen definiert sein können.